Komponisten A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Leben Werke Geschichte Einspielungen Literatur Zuletzt Fachwort Werke - Benutzer Rechte Komponist Nach-/Vorname: geboren: gestorben: Leben: Georg Friedrich Hndel wurde am 23. 2. 1685 in Halle an der Saale geboren. Sein Vater war der Bader und Wundarzt Georg Hndel (24. 9. 1622, Halle, bis 17. 2. 1697, Halle), Sohn des Kupferschmiedes Valentin Hndel (1582, Breslau, bis 30. B. 1636, Halle). Seine Mutter war die lutherische Pfarrerstochter aus Gibichenstein bei Halle, Dorothea Taust (8. 2. 1651, Dieskau bei Halle, bis 27. 12. 1730, Halle). Uber seine Kindheit ist wenig bekannt. Sicher ist, da er frh musikalische Anlagen zeigte und vermutlich ein sogenanntes Wunderkind geworden wre, wenn der Vater mehr Verstndnis aufgebracht htte. Er durfte aber nur zeitweilig in der Schlokapelle in Weienfels, wohin der Wundarzt zeitweilig beruflich kam, seine ersten Griffe auf der Orgel versuchen. Er fiel dadurch dem Herzog von Sachsen-Weienfels auf, der sich dafr verwendete, da Georg Friedrich bei Friedrich Wilhelm Zachow Musikunterricht bekam. Im Jahr 1698 nahm ihn sein Vater, der kurbrandenburgischer Hofarzt von Haus aus war, auf eine Reise nach Berlin mit. Dort lernte der junge Musiker durch den Hofkomponisten Attilio Ariosti italienische und franzsische Musik kennen und zeigte dabei so viel Verstndnis und Sachkenntnis, da er von Kurfrst Friedrich III. (Knig Friedrich I.) das Angebot erhielt, zur weiteren Ausbildung nach Italien zu gehen. Der Vater war dagegen, weil er wnschte, da sein Sohn eine sichere Berufslaufbahn einschlug und die Schule absolvierte, um an der Universitt zu studieren, und war der Meinung, da Musik bloerdings zu nichts anderem als zur Belustigung und Ergetzlichkeit diene. Der Sohn mute gehorchen. Er brachte die Lateinschule hinter sich und nahm, obschon sein Vater bereits seit fnf Jahren tot war, 1702 das juridische Studium an der Universitt Halle auf. Schon einen Monat darauf bewarb er sich um die Organistenstelle an der calvinistischreformierten Dom- und Schlokirche und erhielt sie probeweise fr ein Jahr, obwohl er ein evangelisch-lutherisches Subjekt war. Nach diesem Jahr, in das seine ersten Kompositionen fielen, begab er sich nach Hamburg und kam dort bei dem von Reinhard Keiser geleiteten Theater am Gnsemarkt als Violinist und spter als Cembalist unter. Mit Johann Mattheson, der am selben Theater als Tenor, Cembalist und Komponist ttig war, unternahm er 1703 eine Reise nach Lbeck, um den berhmtesten Orgelmeister jener Zeit, Dietrich Buxtehude, aufzusuchen. Die angebotene Amtsnachfolge lehnte er ab, weil er die Tochter des Organisten heiraten htte mssen. Er blieb in Hamburg als Opernmusiker und Opernkomponist, bis ihn 1704 Gian Gastone de'Medici, der nachmalige Groherzog der Toskana, der sich in Hamburg aufhielt, einlud, nach Italien zu gehen. Dort wurde er von verschiedenen Adelshusern und der rmischen und der neapolitanischen Arcadia bereitwillig aufgenommen. Er schlo mit Alessandro Scarlatti und dessen Sohn Domenico Scarlatti (1685-1757), mit Bernardo Pasquini, Arcangelo Corelli und Agostino Steffani Freundschaft und erntete in Florenz und Venedig mit seinen Opern viel Beifall. Er blieb aber auch nicht in Italien, wo man ihm eine groe Zukunft voraussagte. Sein Freund Steffani vermittelte ihm die Stellung eines Hofkomponisten bei Kurfrst Georg von Hannover, ab 1714 als Georg I. Knig von England. Ehe er seine Stelle in Hannover antrat, begab er sich 1710 nach London, brachte dort einige Opern mit wechselndem Erfolg heraus und begrndete in London seinen Ruf als Komponisten durch ein Te Deum anllich des Utrechter Friedens 1713. Nachdem er 1717 noch einmal fr kurze Zeit nach Hannover zurckgekehrt war, rief er 1719 in London die Royal Academy of Music ins Leben, ein groes Opernunternehmen, das vom Knig und einer Reihe Adeliger sehr untersttzt wurde. Er schrieb fr dieses Unternehmen eine lange Reihe von Opern, die in ganz Europa weite Verbreitung fanden. Natrlich erhoben sich auch Widerstnde gegen den erfolgreichen Auslnder, doch noch war er unangreifbar. Der Knig verlieh ihm das englische Brgerrecht. Sein Opernunternehmen florierte; Hndel hatte sich vom Kontinent die besten Krfte besorgt. Sein Ruf als Komponist blieb unbestritten; er komponierte zur Krnung Knig Georgs II. (1683-1760) im Jahr 1727 4 Coronation Anthems. Das folgende Jahr brachte jedoch fr die Opernakademie und die italienische Oper in England berhaupt das Ende. Johann Christoph Pepusch stellte mit dem Librettisten John Gay (30. 6. 1685, Barnstaple, bis 4. 12. 1732, London) die parodistische Balladenoper Bettleroper auf die Bhne, in der unter groem Publikumsbeifall die italienische Oper derart scharf verspottet wurde, da sich ganz London mit einem Schlag davon abwandte. Hndel gab noch nicht klein bei; er hatte den radikalen Geschmackswechsel des Publikums nicht in seiner ganzen Tragweite erfat. Er versuchte, mit dem Schweizer Opernunternehmer Johann Jakob Heidegger (13. 6. 1666, Zrich, bis 4. 9. 1749, Richmond) eine neue Akademie zu grnden, holte Krfte aus Neapel und brachte einige Opern heraus, scheiterte aber, weil der von ihm aufgenommene Kastratensnger Francesco Bernardi (genannt Senesino, um 1680, Siena, bis um 1750, Siena) eines Streites wegen zum Konkurrenzunternehmen unter Nicola Porpora (1686-1768) berging, das vom Prince of Wales, Frederick Louis (1707 bis 1751), und dessen Parteigngern im Intrigenspiel gegen den Knig, der Hndel protegierte, untersttzt wurde. Auch andere Ensemblemitglieder schlugen sich - gentigt oder bestochen - auf die Seite des neuen Unternehmens, und die alten Gegner Hndels, Carlo Arrigoni (1697-1744), Giovanni Battista Bononcini, dessen Bruder Antonio Bononcini und beider Vater Giovanni Maria Bononcini und schlielich auch Johann Adolf Hasse (1699-1783), der Gatte der Sngerin Faustina Bordoni. Hndel mietete nun das Covent Garden Theatre und fhrte es auf eigene Rechnung, whrend Heidegger das Haymarket Theatre den Gegnern vermietete, schrieb weitere Opern und machte alle Anstrengungen, dem finanziellen Ruin zu entgehen. Nun brach er gesundheitlich zusammen, ein Schlaganfall lhmte 1737 seine rechte Seite. Das Opernunternehmen mute aufgegeben werden und Hndel sich einer Kur unterziehen. Er ging nach Aachen und erholte sich berraschend bald. Noch im selben Jahr erschien er wieder in London und verfate das Funeral Anthem fr die verstorbene Knigin Caroline von Ansbach (1683-1737). Das Opernunternehmen seiner Gegner war inzwischen zugrunde gegangen. Heidegger sammelte die Reste beider Opernensembles und erffnete 1738 am Haymarket eine neue Saison mit 2 Werken von Hndel ohne nennenswerten Erfolg. Dann versuchte es der Komponist noch persnlich und fhrte 1740 seine neuen letzten Opern auf, brachte aber zugleich 2 Oratorien heraus, die freundlicher aufgenommen wurden. Er durchschaute nunmehr, da alle Konkurrenzmanver zwar sehr schndlich gewesen waren, aber die Grnde fr den Zusammenbruch der Opernhuser tiefer lagen. Das Publikum wandte sich von der mythologischen Oper ab, die Schicksale der einzelnen Gtter und Heroen waren ihm gleichgltig geworden, Pepusch hatte gelehrt, darber zu lachen. Das Oratorium, dessen Stoff dem bei den englischen Puritanern beliebten Alten Testament entnommen wurde, erweckte bei der Gesellschaft des Frhkapitalismus, die geschftliche Erfolge als Lohn fr ihre Frmmigkeit nahm, starke Begeisterung. Mit seinen Oratorien errang Hndel Erfolge, die alle frheren in den Schatten stellten. Ihre Auffhrungen nahmen den Charakter einer sakralen und patriotischen Handlung an, die keinem Unterhaltungszweck diente, sondern der religisen Erhebung und moralischen Luterung. Mit fortschreitendem Alter erblindete der Meister, er konnte nicht mehr komponieren, gab aber noch immer Konzerte und begleitete seine Oratorien auf der Orgel. Am 6. 4. 1759 war er bei der fr ihn letzten Auffhrung des Messias im Covent Garden Theatre anwesend, am 14. 4. 1759 starb er in London. England setzte George Frederic Handel als einen seiner groen Mnner in der Westminster Abbey bei. Es ist mig, darber zu streiten, ob Georg Friedrich Hndel Deutscher geblieben, weil er deutsch korrespondierte, Italiener geworden war, weil er italienisch komponierte, oder sich zum Englnder gewandelt hatte, weil ihm England die grte Entfaltungsmglichkeit bot. Er war aber keines davon, sondern ein abendlndischer Mensch im Sinne des Humanismus eines Erasmus von Rotterdam, der ber allen Vlkern und Konfessionen lebte und lehrte, oder eines Hans Holbein, der sich in Italien ausbildete und in England nicht zum Englnder geworden ist, sondern zum europischen Knstler. Hndel war Weltbrger im wahrsten Sinn des Wortes und echtes Mitglied der Gemeinschaftlichkeit aller Kulturtrger ber alle wie immer gearteten Grenzen hinweg. Nation: