Komponisten A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Leben Werke Geschichte Einspielungen Literatur Zuletzt Fachwort Werke - Benutzer Rechte Komponist Nach-/Vorname: geboren: gestorben: Leben: Ich wurde geboren Anno 1732 den letzten Mertz in dem Marktfleck Rohrau in Untersterreich bei Prugg an der Leyth. Mein Sel. Vatter ware seiner Profession ein Wagner und Unterthan des Grafen Harrachs, ein von Natur aus groer Liebhaber der Musik. Er spielte ohne eine Note zu kennen die Harpfe, und ich als Knabe von 5 Jahren sang ihm alle seine simple kurze Stcke ordentlich nach, dieses verleitet meinen Vatter mich nach Haimburg zu dem Schul Rector meinen Anverwandten zu geben, um allda die musikalischen Anfangs Grnde sammt anderen jugentlichen Notwendigkeiten zu erlehrnen. In dem 7. Jahre meines Alters hrte der Sel. Herr Kapell Meister von Reutter in einer Durchreise durch Haimburg von ungefhr meine schwache doch angenehme Stimme. Er nahm mich also gleich zu sich in das Capell Haus, allwo ich neben dem Studiren die Singkunst, das Clavir und die Violin von sehr guten Meistern erlehrnte, ich sang allda sowohl bei St. Stephan als bei Hof mit groem Beifall bis in das 18. Jahr meines Alters den Sopran. Da ich endlich meine Stimme verlohr, mute ich mich in Unterrichtung der Jugend ganzer acht Jahr kummerhaft herumschleppen, berichtet Franz Joseph Haydn selbst ber seine Jugend. Er wurde am 1. 4. 1732 in Rohrau, Niedersterreich, getauft und vermutlich am 31. 3. 1732 geboren. Sein Vater Mathias Haydn (1699 bis 1763) war Wagnermeister und Marktrichter, seine Mutter Anna Maria Koller (1707-54) Kchin im grflichen Haus Harrach. Der kroatische Volksliedforscher Franjo Zaver Kuhac (20. 11. 1834, Osijek, bis 18. 6. 1911, Zagreb) suchte und fand im kompositorischen Werk Joseph Haydns ungefhr 100 musikalische Phrasen, die dem kroatischen oder zumindest slawischen Volksliedgut entstammten, und schlo daraus, da der Komponist kroatischer Abstammung gewesen sei. Er untersttzte diese Ansicht mit der Tatsache, da die Gegend zwischen Neusiedler See und Preburg im 16. und 17. Jahrhundert stark mit Kroaten besiedelt wurde, der Name Haydn in seiner ursprnglichen Form Hayden bei Kroaten zu finden sei und der Muttername Koller eine germanisierte Form von Kolar (Wagner) darstelle. Abgesehen davon, da es an der Persnlichkeit Joseph Haydns ebensowenig ndern wrde wie an der des Kroaten Kuhac, da dessen Vorfahren Koch geheien haben, wenn er ganz oder teilweise slawischer Abstammung gewesen wre, mssen die dafr vorgebrachten Beweise als unbedingt unzureichend bezeichnet werden. Es ist richtig, da die engere Heimat Haydns zu einem Teil von Kroaten bewohnt war; in Rohrau selbst drften sich viele niedergelassen haben, was schon daraus hervorgeht, da der Ort auch den kroatischen Namen Trstnik trug, und sehr wahrscheinlich, da Haydn in seiner Kindheit viel kroatisches Liedgut aus seiner Umgebung in sich aufnahm; ebenso richtig ist aber, da zur selben Zeit viele Zuwanderer aus Schwaben in die Gegend kamen, die ebenfalls ihr Liedgut mitbrachten. Auerdem mu beachtet werden, da vterlicher- wie mtterlicherseits die Vorfahren des Komponisten zum Teil beachtliche Stellungen einnahmen - Handwerksmeister, Gerichtsgeschworener, Marktrichter -, die man damals keinem Kroaten zubilligte. Die auf slawische Vorbilder zurckfhrbaren Phrasen und Wendungen im kompositorischen Schaffen Haydns sind ohne Mhe aus den Umwelteindrcken der Kindheit erklrbar. Dem naiven Versuch, daraus einen Beweis fr die kroatische Abstammung abzuleiten, mu schlielich entgegengehalten werden, da es in den Kompositionen Haydns unvergleichlich mehr Diktionen gibt, die offensichtlich nicht slawisch sind, auch wenn noch weitere 100 Parallelismen mit kroatischen Volksliedern entdeckt werden, wobei berdies noch untersucht werden mte, ob jenes angebliche kroatische Liedgut in Wahrheit kroatisch ist und nicht ebenso entlehnt wurde. Der Vater des Komponisten erkannte frh dessen musikalische Anlagen und sandte ihn zum Schuldirektor und Chorregenten Johannes Matthias Franck, mit dem er nahe verwandt war, nach Hainburg. Dort erhielt er Unterricht in den Anfangsgrnden der Musik und sang im Kirchenchor; als noch nicht Sechsjhriger schlug er bei einer Fronleichnamsprozession die groe Trommel. Hofkapellmeister Georg Reutter entdeckte den schnen Sopran des jungen Musikers und nahm ihn mit Einwilligung des Vaters als Chorknabe und Schler an St. Stephan in Wien auf. Seine Knabenstimme blieb Haydn bis in sein 18. Lebensjahr erhalten, und Georg Reutter wollte sie konservieren, indem er den Snger der Hofkapelle berantwortete, die damals noch stndig Kastraten beschftigte. Der Vater verhinderte die Verstmmelung seines Sohnes, dessen dnn gewordene Stimme auch der Kaiserin Maria Theresia auffiel. Er krht wie ein Fasan, bemerkte sie zum Hofkapellmeister. Dieses Urteil beendete die Sngerlaufbahn Haydns. Georg Reutter verabschiedete ihn im November 1749. Nach einigen kmmerlichen Versuchen, sich als Aushilfssnger bei Kirchenchren, als Gelegenheitsmusiker und als Klavierlehrer durchzuschlagen, erhielt Joseph Haydn ber Pietro Metastasio Fhlung mit Nicola Porpora, der ihn zur Begleitung fr seinen Gesangunterricht und als persnlichen Diener aufnahm, aber auch in Komposition unterrichtete und mit einigen bedeutenden Musikern wie Karl Ditters von Dittersdorf, Joseph Bonno, Georg Christoph Wagenseil und Christoph Willibald Gluck bekannt machte. In jene Zeit fielen auch schon seine ersten ernstlichen Kompositionen - seine frheren Versuche wurden zumeist von Georg Reutter unterdrckt. Er verfate einige Kirchenkompositionen, seine ersten Streichquartette und eine (verschollene) Oper. Er spielte weiterhin in verschiedenen Kirchen als Violinist und Organist, sogar am Stephansdom, und wurde von verschiedenen Adelshusern eingeladen. Im Jahr 1759 erhielt er seine erste feste Anstellung als Dirigent der Privatkapelle des Grafen Karl Joseph Franz Morzin (1717-83) auf Schlo Lukawitz (Lukavec) bei Pilsen (Plze), die fr die Wintermonate in Wien untergebracht wurde. Ein Jahr darauf heiratete er Maria Anna Keller (1728-1800), die Tochter eines Perckenmachers, die zeit ihres Lebens nicht einen Funken Verstndnis fr die Leistungen und die Bedeutung ihres Mannes aufgebracht hatte; im Jahr darauf verlor er die Stelle bei Graf Morzin, weil dieser aus wirtschaftlichen Grnden gezwungen war, seine Kapelle aufzulsen, wurde aber 1761 von Frst Paul Anton Esterhzy (regierte 1734-62) als Zweiter Kapellmeister nach Eisenstadt engagiert und rckte 1766 nach dem Tod seines Vorgngers Gregorius Joseph Werner zum Ersten Kapellmeister auf. Inzwischen hatte der Bruder und Nachfolger des Frsten Paul Anton, Frst Nikolaus Joseph (1714-90), sdlich des Neusiedler Sees Schlo Eszterhaza nach dem Vorbild von Versailles in aller Pracht errichtet und dort seinen Regierungssitz aufgeschlagen, so da seine Kapelle 1769 dorthin bersiedelte und bis zu ihrer Auflsung im Jahr 1790 blieb. In jener Zeit hatte Joseph Haydn den Groteil seiner Werke geschaffen und sich sein Ruf ber die ganze musikalische Welt verbreitet, so da schon 1787 versucht wurde, ihn nach London zu bringen. Der berhmte Violinist Wilhelm Cramer wollte ihn um jeden Preis fr das Londoner Konzertleben gewinnen, von mehreren Seiten wurde Joseph Haydn bedrngt und gebeten, nach England zu kommen, er lie sich aber erst nach der Auflsung der Kapelle in Eszterhaza bereden, die Einladung anzunehmen. Knig Ferdinand IV. (1751-1825) von Neapel und Sizilien, der den Meister schon vor Jahren zu sich gebeten hatte, mute zurck stehen. Dieser empfing noch einen Besuch von Wolfgang Amadeus Mozart, der beabsichtigte, 1791 nach London zu gehen, aber dieses Vorhaben nicht mehr ausfhren konnte. Am 15. 12. 1790 brach Haydn zur Reise ber Mnchen, Bonn, Brssel, Calais und Dover auf. Seine Betreuung, die Vorbereitungen fr seinen Empfang und das Arrangement der ersten Konzerte besorgte Johann Peter Salomon. Der Gast wurde in London enthusiastisch empfangen und von der ersten Gesellschaft eingeladen; seine Konzerte waren berfllt. Er fhrte 6 neue Sinfonien mit grtem Erfolg auf; am 8. 7. 1791 verlieh ihm die Universitt Oxford das Ehrendoktorat der Musik. Er beherrschte in dieser Saison das Musikleben Londons. Um ein Konkurrenzunternehmen aufzuziehen, brachte ein Impresario den ehemaligen Schler Haydns, Ignaz Pleyel, nach London, es kam aber zu keinem Konflikt zwischen Meister und Schler. Ende Juni 1792 trat er die Heimreise ber Bonn an, wo er den jungen Ludwig van Beethoven kennenlernte. Einer zweiten Einladung nach London folgte er am 18. Juni 1794, diesmal begleitet von seinem Kopisten Johannes Eller (3. 5. 1769 bis 12. 1. 1843). Er wurde neuerlich zum Mittelpunkt des Musiklebens der Stadt, fhrte weitere 6 neue Sinfonien auf und befate sich eingehend mit den Oratorien von Georg Friedrich Hndel, er konzertierte mit dem Violinisten Johann Baptist Cramer, Sohn des Wilhelm Cramer, und schlo enge Freundschaft mit dem berhmten Kontrabassisten Domenico Dragonetti. Er wurde von der Hofgesellschaft viel eingeladen und hoch geehrt, mute aber nach zwei sehr eintrglichen Konzertsaisonen (Man kann nur in England solche Summen verdienen, bemerkte er gelegentlich) nach Wien zurck, weil dort die Kapelle der Frsten Esterhzy erneut aufgestellt wurde und er verpflichtet war, deren Leitung zu bernehmen. Frst Nikolaus Esterhzy (1765 bis 1833) residierte nicht in Eszterhaza, sondern in Eisenstadt und Wien. Er war unmusikalisch und verlangte von seinem Kapellmeister nur die Komposition einer jhrlichen Messe, so da dieser ausreichend Zeit hatte, an seinen beiden groen Oratorien Die Schpfung und Die Jahreszeiten zu arbeiten, die vor allem anderen den Weltruhm Joseph Haydns begrndeten. Um 1800 nahm die Schaffenskraft des Komponisten ab. Er empfing in Wien weiterhin seine Freunde und Bewunderer, er wurde fortgesetzt mit Ehrungen und Auszeichnungen aus dem In- und Ausland berhuft. Seine Frau, von der er schon lngst getrennt lebte, starb im Jahr 1800. Er heiratete aber seine langjhrige Geliebte, die neapolitanische Sngerin Luigia Polzelli (1760-1842), trotzdem nicht, sondern entschdigte sie finanziell. 1805 starb sein jngster Bruder Johann Evangelist (geboren 1743) in Eisenstadt als frstlicher Kapellsnger und 1806 sein Bruder Johann Michael. Am 27. 3. 1808 nahm er noch an einer Auffhrung seiner Schpfung (in italienischer Sprache unter Antonio Salieri) teil, mute aber nach dem ersten Teil nach Hause gebracht werden. Im folgenden Jahr wurde Wien von der franzsischen Armee beschossen, ein Projektil schlug nahe bei Haydns Wohnhaus ein, dann marschierten Napoleons Truppen in die Stadt ein. Am 31. 5. 1809 um Mittag starb Joseph Haydn als der bekannteste und beliebteste Komponist seiner Zeit, Mitglied zahlreicher gelehrter und knstlerischer Gesellschaften in ganz Europa und Trger vieler hoher Ehrenzeichen. Nach 17 Uhr des folgenden Tages wurde er auf dem Kirchhof vor der Hundsturmer Linie beigesetzt. Nur wenige folgten dem Sarg. Sogar seine nchsten Freunde erfuhren erst nach der Beerdigung von Haydns Tod. Die kriegerischen Ereignisse hatten das Leben Wiens gelhmt. Der Trauergottesdienst fand am 15. 6. in der Schottenkirche statt. Josef Leopold Eybler dirigierte das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart, die Kirche war von den kunstliebenden Kreisen der Stadt, von hohen franzsischen Wrdentrgern und vielen Offizieren berfllt. Im Jahr 1820 wurde der Tote exhumiert und in die Bergkirche von Eisenstadt gebracht, allerdings ohne Kopf, der vor der Beisetzung abgetrennt und gestohlen wurde und erst 1954 dem Leichnam beigefgt werden konnte. Nation: