Scarlatti, Alessandro (1660–1725)
Alessandro Scarlatti, geboren am 2. Mai 1660 in Palermo, war eine der zentralen Figuren des italienischen Hochbarock und ein Wegbereiter für die musikalischen Entwicklungen des 18. Jahrhunderts. Sein Einfluss auf die Oper, die Kantate und die Vokalmusik im Allgemeinen war epochal und prägte Generationen von Komponisten.
Leben
Scarlattis frühe musikalische Ausbildung ist nicht vollständig geklärt, doch deutet vieles auf eine Lehre in Rom hin, möglicherweise bei Giacomo Carissimi. Bereits 1679 debütierte er mit seiner ersten Oper, *Gli equivoci nel sembiante*, in Rom, was ihm rasch Anerkennung und die Protektion einflussreicher Kreise, darunter Königin Christina von Schweden, einbrachte. 1684 erfolgte sein entscheidender Wechsel nach Neapel, wo er als Kapellmeister des Vizekönigs eine der wichtigsten Positionen im italienischen Musikleben bekleidete. Diese Periode (bis 1702) war von außergewöhnlicher Produktivität geprägt und etablierte Neapel als führendes Opernzentrum Europas.
Nach einem Konflikt mit dem Vizekönig kehrte Scarlatti 1703 nach Rom zurück, wo er bis 1708 als Kapellmeister von Kardinal Pietro Ottoboni und für den Prinzen Ferdinando de’ Medici tätig war. In dieser Zeit entstanden einige seiner bedeutendsten Opern und Oratorien. 1708 kehrte er, nun hoch angesehen, nach Neapel zurück, wo er bis zu seinem Tod am 24. Oktober 1725 erneut als Kapellmeister wirkte. Seine Söhne Domenico und Pietro Filippo traten ebenfalls als Musiker hervor, wobei Domenico eine eigene, glanzvolle Karriere als Cembalist und Komponist absolvierte.
Werk
Scarlattis Œuvre ist von enormem Umfang und dominiert von Vokalmusik:
Bedeutung
Alessandro Scarlatti ist unbestreitbar einer der einflussreichsten Komponisten des Barock. Er gilt als der Vater der neapolitanischen Opernschule, deren Prinzipien der klaren Struktur, der melodischen Schönheit und der Fokussierung auf die Solostimme die europäische Oper für Jahrzehnte dominieren sollten. Seine systematische Entwicklung der *Da-capo-Arie* und der italienischen Ouvertüre wurde zur Standardformel für die *opera seria* und beeinflusste Komponisten wie Hasse, Porpora und sogar Händel, der seine Musik kannte und schätzte.
Scarlatti stand an der Schwelle zwischen Spätbarock und Frühklassik. Seine Musik zeichnet sich durch eine Mischung aus kontrapunktischer Meisterschaft und einer zunehmenden Tendenz zu klaren, kantablen Melodien und einer oft schon homophonen Satzweise aus, die den Weg für die Wiener Klassik ebnete. Er war ein Meister des Belcanto, dessen Arien auf die perfekte Ausnutzung der menschlichen Stimme abzielten und dabei sowohl technische Brillanz als auch tiefen emotionalen Ausdruck ermöglichten. Sein Erbe ist in der Geschichte der Vokalmusik und der Oper von unschätzbarem Wert.