Leben
Christoph Förster wurde am 30. November 1693 in Bibra, Thüringen, geboren und verstarb am 6. Dezember 1745 in Rudolstadt. Sein musikalisches Talent wurde früh erkannt, und erste Anweisungen erhielt er möglicherweise von seinem Vater, der als Kantor tätig war. Ein prägender Wendepunkt in seiner Ausbildung war der Aufenthalt in Dresden zwischen 1721 und 1724/25, wo er unter der Anleitung des böhmischen Meisters Jan Dismas Zelenka (1679–1745) seine Kompositionsstudien vertiefte. Diese Periode war entscheidend für die Entwicklung seines komplexen Satzes und seiner kontrapunktischen Fähigkeiten, die er sich in der anspruchsvollen musikalischen Umgebung des Dresdner Hofes aneignete.
Bereits vor seiner Dresdner Zeit, spätestens ab 1717, war Förster am Hofe des Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt tätig, zunächst als Oboist und später als Violinist. Nach seiner Rückkehr aus Dresden wurde er 1727 zum Hofkapellmeister ernannt, eine Position, die er bis zu seinem Tode innehatte. In Rudolstadt war er maßgeblich für die Gestaltung des höfischen Musiklebens verantwortlich, komponierte für Gottesdienste und weltliche Anlässe und leitete das Hoforchester. Trotz seiner festen Anstellung in Rudolstadt pflegte Förster weiterhin Kontakte zum Dresdner Hof und lieferte auch dorthin Kompositionen. Seine Karriere ist exemplarisch für die musikalische Blüte an kleineren deutschen Fürstenhöfen, die oft als wichtige Kulturzentren fungierten.
Werk
Försters Œuvre ist stilistisch tief im späten Barock verwurzelt, zeigt jedoch bereits Ansätze und Einflüsse des empfindsamen Stils. Es zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Vielfalt und handwerkliche Meisterschaft aus.
Försters Musik ist von einer lebhaften Erfindungsgabe, reicher Harmonik und einem Gespür für instrumentale Farben geprägt. Seine Kenntnis der Instrumente, die er selbst spielte, befähigte ihn zu idiomatisch brillant geschriebenen Solopartien.
Bedeutung
Die Bedeutung Christoph Försters liegt in mehreren Aspekten begründet. Er ist ein prominenter Vertreter der hochentwickelten Musikkultur an deutschen Mittel- und Kleinfürstenhöfen des 18. Jahrhunderts, die ein reiches Reservoir an oft übersehenen Meistern hervorbrachte. Als Schüler Zelenkas trug er die reiche Dresdner Tradition, insbesondere den elaborierten kontrapunktischen Stil und die italienisch geprägte Konzertform, in eine andere Region.
Seine Instrumentalwerke, insbesondere die Konzerte, gelten heute als bedeutende Beiträge zur barocken Konzertliteratur und werden zunehmend wiederentdeckt und aufgeführt. Sie zeigen eine fortschrittliche Haltung, die sowohl die strukturelle Klarheit des Barocks bewahrt als auch den Ausdrucksreichtum des aufkommenden empfindsamen Stils vorwegnimmt. Förster war nicht nur ein produktiver Komponist, sondern auch ein versierter Kapellmeister, der das musikalische Niveau am Hofe Schwarzburg-Rudolstadt maßgeblich prägte und weiterentwickelte. Seine Wiederentdeckung im 20. und 21. Jahrhundert ermöglicht eine umfassendere Würdigung der musikalischen Landschaft des deutschen Spätbarocks jenseits der großen Namen.