Leben

Carlo Arrigoni wurde um 1697 in Florenz geboren, wo er vermutlich auch seine musikalische Ausbildung erhielt. Über seine frühen Jahre ist wenig gesichert, doch etablierte er sich rasch als virtuoser Musiker, insbesondere auf der Mandoline, aber auch als Sänger. Seine kosmopolitische Karriere führte ihn durch verschiedene europäische Höfe und Metropolen.

Besonders prägend war Arrigonis Aufenthalt in London zwischen 1732 und 1736. Hier trat er in Konkurrenz zu Georg Friedrich Händel und wurde von der sogenannten 'Opera of the Nobility' engagiert, einer Adelsgesellschaft, die sich der Etablierung einer alternativen Opernszene verschrieben hatte. In London brachte er 1733 seine Oper *Fernando* zur Uraufführung. Er war auch als Solist auf der Mandoline und dem Cembalo aktiv und wurde für seine Fähigkeiten hoch geschätzt. Nach seiner Zeit in England finden sich Spuren Arrigonis in Wien (um 1739), wo er am kaiserlichen Hof tätig war, und kurzzeitig auch in Paris. Er kehrte schließlich in seine Heimatstadt Florenz zurück, wo er um 1744 verstarb.

Werk

Arrigonis kompositorisches Schaffen umfasst sowohl Vokal- als auch Instrumentalmusik:
  • Opern: Sein bekanntestes Bühnenwerk ist die Oper *Fernando* (London, 1733). Eine weitere Oper, *Cleofide*, ist heute verloren, ebenso wie das Oratorium *Esther*.
  • Vokalmusik: Er komponierte zahlreiche Kammerkantaten, darunter eine Sammlung von *25 Cantate da camera*, die seinen lyrischen Stil und seine Beherrschung der italienischen Vokalkunst unterstreichen.
  • Instrumentalmusik: Arrigonis wichtigster Beitrag liegt im Bereich der Instrumentalmusik, insbesondere für die Mandoline. Er schuf eine Reihe von Mandolinenkonzerten (z.B. *6 Concerti a cinque, quattro o tre stromenti* für Mandoline und Streicher, op. 1, posthum um 1740–1745 in Paris veröffentlicht) sowie Sonaten für Mandoline solo mit Basso continuo (z.B. *Sonate a mandolino solo col basso*). Daneben finden sich auch einzelne Werke für andere Instrumente, wie Flöte und Basso continuo.
  • Bedeutung

    Carlo Arrigoni ist eine faszinierende Randfigur des Spätbarock, deren Bedeutung maßgeblich in zwei Aspekten liegt:

    1. Pionier der Mandolinenmusik: Er gehört zu den wenigen bedeutenden Komponisten seiner Zeit, die umfangreiche und anspruchsvolle Werke für die Mandoline schufen. Seine Konzerte und Sonaten demonstrieren das virtuose Potenzial des Instruments und geben wertvolle Einblicke in die frühe Sololiteratur und Spieltechnik der Mandoline im 18. Jahrhundert. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des historischen Mandolinenrepertoires. 2. Repräsentant des kosmopolitischen Virtuosen: Arrigonis Karriere, die ihn von Florenz über London und Wien führte, spiegelt die Mobilität und den internationalen Austausch von Musikern und musikalischen Ideen im Barock wider. Seine Beteiligung an der Londoner Opernszene zeugt von der damaligen musikalischen Rivalität und dem lebhaften Kulturleben. Seine Musik verbindet italienische Melodiosität mit der kontrapunktischen Eleganz seiner Zeit und verdient eine Wiederentdeckung.