# Forqueray, Antoine (le père) (1672–1745)
Antoine Forqueray, oft als „le père“ (der Vater) bezeichnet, um ihn von seinem Sohn Jean-Baptiste Antoine Forqueray zu unterscheiden, war eine der faszinierendsten und zugleich exzentrischsten Figuren der französischen Musikhistorie des frühen 18. Jahrhunderts. Bekannt für seine beispiellose Virtuosität auf der Viola da gamba und eine bisweilen cholerische Persönlichkeit, hinterließ er ein kleines, aber monumentales Werk an Gambenmusik, das bis heute Solisten herausfordert.
Leben
Antoine Forqueray wurde am 19. September 1672 in Paris in eine Familie hineingeboren, die über mehrere Generationen Musiker und Instrumentenbauer hervorbrachte. Sein Vater Michel Forqueray war ebenfalls ein versierter Musiker. Antoine zeigte früh eine außergewöhnliche Begabung für die Gambe und wurde bereits in jungen Jahren, mit etwa 15 Jahren, zum Musiker am Hof Ludwigs XIV. ernannt, ein beeindruckender Aufstieg für einen so jungen Künstler. Er diente später auch unter Ludwig XV. und genoss den Ruf des „premier joueur de viole du Roi“ (erster Gambenspieler des Königs).
Forquerays Karriere war geprägt von künstlerischer Brillanz, aber auch von persönlichen Turbulenzen. Er war bekannt für seinen temperamentvollen Charakter und stand oft im Konflikt mit seinen Zeitgenossen, darunter auch sein berühmter Rivale Marin Marais. Während Marais' Musik als eleganter und lyrischer galt, war Forqueray für seine gewagtere, virtuoser und oft dunkler gefärbte Spielweise bekannt. Die Anekdoten über seine cholerische Natur und seine familiären Schwierigkeiten – darunter Gerüchte über Ehestreitigkeiten und Konflikte mit seinen Kindern, insbesondere seinem Sohn Jean-Baptiste Antoine – trugen zu seinem legendären Ruf bei.
Forqueray war Zeit seines Lebens ein gefeierter Performer, der nicht nur am Hof, sondern auch in den Pariser Salons auftrat und für seine Improvisationskunst bewundert wurde. Er zog sich 1730 von seinen offiziellen Pflichten am Hof zurück, um seine Pension zu genießen, und verbrachte seine letzten Jahre in Mantes-la-Jolie, wo er am 15. August 1745 verstarb.
Werk
Obwohl Antoine Forqueray ein Großteil seines Lebens komponierte und improvisierte, veröffentlichte er selbst zu Lebzeiten keine seiner Werke. Seine fünf Sammlungen von *Pièces de viole avec la Basse Continue* wurden 1747, zwei Jahre nach seinem Tod, von seinem Sohn Jean-Baptiste Antoine Forqueray herausgegeben. Dieser fügte nicht nur eine obligate Bassstimme hinzu, sondern erstellte auch Fassungen für Cembalo solo, wobei er vermutlich viele der Verzierungen und virtuosen Passagen seines Vaters in eine notierte Form übertrug.
Das Werk umfasst fünf Suiten, die jeweils in verschiedenen Tonarten stehen (d-Moll, G-Dur, D-Dur, g-Moll, c-Moll). Jede Suite besteht aus einer Reihe von Charakterstücken, Tänzen und Fantasien, die oft bildhafte Titel tragen, die Personen des Hofes oder mythologische Figuren ehren ("La Bouron", "La Mandoline", "La Rameau").
Forquerays Kompositionen zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:
Bedeutung
Antoine Forqueray gilt als einer der letzten großen Meister der Viola da gamba im französischen Barock und als dessen wohl kühnster Vertreter. Seine Musik repräsentiert den Höhepunkt der virtuosen Gambentradition in Frankreich, kurz bevor das Instrument allmählich von der Violinfamilie und dem Violoncello in den Hintergrund gedrängt wurde. Die Veröffentlichung seiner Werke durch seinen Sohn sicherte nicht nur Forquerays Nachruhm als Komponist, sondern schuf auch einen unschätzbaren Einblick in die Kunst der französischen Gambenmusik, die sonst vielleicht verloren gegangen wäre.
Seine *Pièces de viole* sind nicht nur technische Prüfsteine, sondern auch tiefgründige musikalische Aussagen, die eine einzigartige Mischung aus französischer Eleganz und fast italienischer Dramatik bieten. Sie stehen im Kanon der Gambenliteratur gleichberechtigt neben den Werken von Marais, Sainte-Colombe und Abel und sind für jeden Gambisten und Liebhaber barocker Kammermusik unverzichtbar. Forquerays Werk wird heute wieder verstärkt aufgeführt und aufgenommen und bestätigt seinen Platz als einer der originellsten und bedeutendsten Komponisten des französischen Barocks.
Seine Musik ist ein Zeugnis einer Ära, in der die Gambe ihren Zenit erreichte, und Forqueray war zweifellos einer ihrer strahlendsten Sterne, dessen Legende sowohl von seiner musikalischen Genialität als auch von seiner markanten Persönlichkeit genährt wurde.