# Arne, Thomas Augustine (1710-1778)

Thomas Augustine Arne zählt zu den herausragendsten englischen Komponisten des 18. Jahrhunderts und prägte maßgeblich die musikalische Landschaft Großbritanniens in einer Zeit des Umbruchs zwischen Barock und Klassik.

Leben

Thomas Augustine Arne wurde am 12. März 1710 in London geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Polsterer und Unternehmer, der eine juristische Laufbahn für seinen Sohn vorgesehen hatte. Entgegen den elterlichen Wünschen und heimlich widmete sich Arne jedoch seiner wahren Leidenschaft: der Musik. Er soll sich nachts mit geliehenen Instrumenten eingeschlossen haben, um zu üben. Letztlich gestand der Vater die musikalische Neigung seines Sohnes zu und ermöglichte ihm eine Ausbildung, auch wenn die genaue Art seiner musikalischen Studien, abgesehen von privaten Violinstunden bei Michael Festing, nicht umfassend dokumentiert ist. Er entwickelte sich schnell zu einem versierten Geiger und Cembalisten und erhielt auch Unterricht in Komposition.

Sein offizielles Debüt als Komponist gab Arne 1733 mit der Oper *Rosamond* und der musikalischen Leitung der von seiner Schwester, der berühmten Sängerin Susannah Maria Arne (später Mrs. Cibber), gespielten Masque *The Fall of Phaeton*. Dies markierte den Beginn einer äußerst produktiven Karriere, die ihn schnell zu einem zentralen Akteur in Londons blühendem Musiktheaterleben machte. 1737 heiratete er die gefeierte Sopranistin Cecilia Young, eine der führenden Sängerinnen ihrer Zeit, deren Familie ebenfalls musikalisch hochbegabt war. Gemeinsam unternahmen sie 1742 eine Reise nach Dublin, wo Arne seine Musik erfolgreich präsentierte und seine Frau als Sängerin glänzte. Nach seiner Rückkehr nach London setzte er seine Arbeit unermüdlich fort, schuf eine Fülle von Bühnenwerken und leitete oft Aufführungen im Drury Lane und Covent Garden Theatre. Er wurde 1769 vom King's College, Oxford, mit einem Doktortitel in Musik ausgezeichnet. Arne starb am 5. März 1778 in seiner Heimatstadt London und wurde in der Kirche St. Paul's, Covent Garden, beigesetzt.

Werk

Arnes kompositorisches Schaffen ist vor allem durch seine Beiträge zur Bühnenmusik geprägt. Er hinterließ ein umfangreiches Œuvre, das Dramen, Masques, Oratorien, Lieder, Konzerte und Sonaten umfasst:

  • Masques und Dramen: Arnes berühmtestes Werk, die Masque *Alfred* (1744), enthält die ikonische Hymne "Rule, Britannia!", die bis heute als patriotisches Lied Englands und Großbritanniens tief verwurzelt ist. Weitere bedeutende Masques sind *The Judgment of Paris* (1740) und *Comus* (1738). Er schrieb umfangreiche Zwischenaktmusiken (incidental music) für zahlreiche Stücke, darunter viele Shakespeare-Dramen wie *As You Like It*, *Twelfth Night* und *The Tempest*.
  • Opern: Arne unternahm den ehrgeizigen Versuch, eine eigenständige englische Operntradition zu etablieren. Sein größter Erfolg in diesem Genre war *Artaxerxes* (1762), eine italienische Opera seria, die jedoch in englischer Sprache aufgeführt wurde und sich durch virtuose Arien und dramatische Rezitative auszeichnete. Sie war über viele Jahrzehnte ein Repertoirestück in England. Weitere Opern umfassen *Thomas and Sally* (1760), eine komische Oper, die ebenfalls große Popularität genoss, und *The Guardian Outwitted* (1764).
  • Oratorien: Obwohl nicht so produktiv wie Händel in diesem Genre, komponierte Arne auch einige Oratorien, darunter *Judith* (1761) und *The Fall of Egypt*.
  • Lieder: Er schuf eine Vielzahl von Liedern, viele davon für seine Bühnenwerke, aber auch zahlreiche eigenständige Stücke. Diese Lieder zeichnen sich oft durch ihre elegante Melodik, volksliedhafte Anmut und eine geschickte Textvertonung aus. Sein Lied "Where the Bee Sucks" (aus *The Tempest*) ist ein bekanntes Beispiel.
  • Instrumentalwerke: Arnes Instrumentalmusik ist weniger umfangreich, umfasst aber einige Cembalokonzerte, Orgelsuiten und Sonaten, die seinen melodischen Erfindungsreichtum und sein handwerkliches Können auch abseits der Bühne demonstrieren.
  • Arnes Stil zeichnet sich durch seine Melodik, seinen dramatischen Sinn und eine oft volkstümliche Anmut aus. Er vermischte geschickt italienische Opernelemente mit englischer Liedtradition und experimentierte auch mit der Instrumentierung, indem er beispielsweise Klarinetten in der englischen Theatermusik einführte.

    Bedeutung

    Thomas Augustine Arnes Bedeutung für die englische Musikgeschichte ist immens. Er gilt als der dominierende englische Komponist seiner Generation und trug maßgeblich zur Entwicklung einer nationalen musikalischen Identität bei:

  • Patriotische Ikone: Durch "Rule, Britannia!" schuf er eine der bekanntesten und emotionalsten Nationalhymnen der Welt, die bis heute untrennbar mit dem britischen Selbstverständnis verbunden ist.
  • Pionier der englischen Oper: Mit *Artaxerxes* bewies er die Lebensfähigkeit einer ernsthaften Oper in englischer Sprache und ebnete den Weg für zukünftige englische Opernkomponisten.
  • Meister der Theatermusik: Über Jahrzehnte hinweg dominierte er die Londoner Theaterbühnen mit seiner vielseitigen und stets publikumswirksamen Musik für Dramen, Masques und komische Opern.
  • Melodiker von Rang: Seine Lieder und Arien zeichnen sich durch ihre eingängigen Melodien und ihre Eleganz aus, die sie über Generationen hinweg populär machten.
  • Brückenbauer: Er überbrückte stilistisch die Lücke zwischen dem Barock Händels und der aufkommenden klassischen Periode, indem er barocke Formelemente mit einer leichteren, prägnanteren Melodik verband, die den Zeitgeist traf.
  • Thomas Augustine Arne bleibt eine zentrale Figur in der Musikgeschichte Englands, dessen Einfluss weit über seine Lebenszeit hinausreichte und dessen Werke auch heute noch die Vitalität und den Reichtum der britischen Musikkultur des 18. Jahrhunderts bezeugen.