# Johann Christoph Altnikol
Leben
Johann Christoph Altnikol wurde 1719 in Laubau (heute Lubań in Polen) geboren und entstammte einer Familie, die keine direkte musikalische Vorprägung aufwies. Über seine frühe Ausbildung ist wenig bekannt, doch seine musikalische Begabung muss früh erkannt worden sein. Ab etwa 1744 war Altnikol Schüler von Johann Sebastian Bach in Leipzig, wo er nicht nur in Komposition und Orgelspiel unterrichtet wurde, sondern auch als fleißiger Kopist für Bach tätig war. Diese Zeit in Bachs Haushalt prägte ihn zutiefst und legte den Grundstein für seine spätere Karriere.
Die Verbindung zu Bach vertiefte sich noch, als Altnikol am 19. Januar 1749 Bachs Tochter Elisabeth Juliane Friederica (1726–1781) heiratete. Damit wurde er zu einem direkten Mitglied der Bach-Familie und zum Schwiegersohn des großen Meisters. Im selben Jahr seiner Heirat trat Altnikol die angesehene Stelle als Organist und später auch als Kapellmeister an der Wenzelskirche in Naumburg an. Diese Position hielt er bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1759 inne. Zuvor war er auch kurzzeitig in Zeitz und Weimar tätig. Sein Tod mit nur 40 Jahren verhinderte eine möglicherweise noch größere Entfaltung seines musikalischen Schaffens.
Werk
Altnikols kompositorisches Werk ist nicht umfangreich überliefert und viele Zuschreibungen sind unsicher oder verloren gegangen. Sein Stil ist eindeutig von Johann Sebastian Bach geprägt und bewegt sich im Rahmen des späten Barocks, zeigt aber auch Tendenzen, die auf den aufkommenden empfindsamen Stil hindeuten könnten.
Zu den gesicherten Werken gehören mehrere Motetten, darunter das bekannte „Befiehl dem Herrn deine Wege“, welches als eines seiner Hauptwerke gilt und Bachsche Meisterschaft in der Polyphonie erkennen lässt. Des Weiteren sind einige geistliche Kantaten und Choräle sowie einige Orgelwerke bekannt. Die Qualität seiner erhaltenen Kompositionen demonstriert ein profundes kontrapunktisches Können und eine tiefe musikalische Empfindung, die er zweifellos seinem Lehrmeister verdankte. Die Nähe zu Bachs Stil ist so ausgeprägt, dass einige seiner Werke in der Vergangenheit sogar Bach selbst zugeschrieben wurden.
Bedeutung
Johann Christoph Altnikols Bedeutung für die Musikgeschichte ist primär auf zwei Säulen begründet: seine Rolle als direkter Schüler und Schwiegersohn Johann Sebastian Bachs und seine Funktion als Bewahrer und Vermittler von Bachs musikalischem Erbe.
Als einer der letzten Schüler und engen Vertrauten Bachs war Altnikol ein wichtiger Zeuge und Multiplikator von Bachs Lehre und Stil. Seine Heiratsverbindung in die Bach-Familie festigte diese Rolle zusätzlich. Er gehörte zu dem kleinen Kreis von Musikern, die nach Bachs Tod maßgeblich an der Sicherung und Verbreitung von dessen Manuskripten beteiligt waren. Viele Bach-Werke sind uns nur durch die Abschriften Altnikols und anderer Schüler erhalten geblieben, was seinen Beitrag zur Musikgeschichte unschätzbar macht.
Obwohl seine eigenen Kompositionen heute seltener aufgeführt werden, repräsentieren sie doch einen wichtigen Brückenschlag zwischen der Hochblüte des Barock und den frühen Strömungen der Vorklassik. Altnikol war kein revolutionärer Neuerer, sondern ein überaus fähiger Musiker, der die musikalische Sprache Bachs beherrschte und in seiner eigenen Praxis weiterführte. Er ist somit ein wichtiges Bindeglied in der Traditionslinie der mitteldeutschen Barockmusik und ein wesentlicher Akteur bei der Überlieferung des Erbes eines der größten Komponisten aller Zeiten.