# Anfossi, Pasquale (ca. 1727–1797)
Leben
Pasquale Anfossi, geboren um 1727 in Taggia (Ligurien), war eine zentrale Figur der italienischen Oper im ausgehenden 18. Jahrhundert. Seine musikalische Ausbildung erhielt er am Conservatorio di Santa Maria di Loreto in Neapel, wo er zunächst Violine studierte und später Komposition bei namhaften Lehrern wie Antonio Sacchini und Niccolò Piccinni. Nach einer anfänglichen Tätigkeit als Geiger debütierte Anfossi 1764 mit der Oper *La finta semplice* in Rom als Komponist.Seine Karriere führte ihn durch die bedeutendsten Opernzentren Europas. Nach anfänglichen Erfolgen in Neapel und Rom etablierte er sich rasch als gefragter Opernkomponist, insbesondere in Venedig, wo er für mehrere Jahre als Musikdirektor des Teatro San Samuele wirkte. Zwischen 1782 und 1786 war er als Musikdirektor des King's Theatre in London tätig, eine Position, die seine internationale Reputation weiter festigte. Reisen führten ihn auch nach Berlin. Nach seiner Rückkehr nach Italien verbrachte er seine letzten Jahre hauptsächlich in Rom, wo er ab 1787 verstärkt geistliche Musik komponierte und 1797 verstarb.
Werk
Anfossi war ein überaus produktiver Komponist mit einem Oeuvre, das über 70 Opern – sowohl *opera buffa* als auch *opera seria* und Intermezzi – sowie eine beträchtliche Anzahl an Oratorien und geistlichen Werken (Messen, Motetten, Vespern) umfasst. Sein größter Erfolg lag im Bereich der *opera buffa*, die er mit einer lebendigen und dramatisch effektvollen musikalischen Sprache bereicherte. Charakteristisch für seine komischen Opern sind die spritzigen Ensemble-Szenen, die gut gezeichneten Charaktere und eine Melodik, die sowohl lyrisch-expressiv als auch humorvoll sein konnte. Zu seinen bekanntesten und meistgespielten Opern zählen *L'incognita perseguitata* (1773), *Il geloso in cimento* (1772) und *La vera costanza* (1776), letztere später auch von Haydn vertont.Obwohl er auch erfolgreiche *opera seria* komponierte, wie etwa *Olimpiade* (1774) oder *Didone abbandonata* (1775), war es doch seine *opera buffa*, die ihn als innovativen Dramaturgen auszeichnete. Seine musikalische Sprache war tief in der Neapolitanischen Schule verwurzelt, entwickelte sich jedoch zu einem galanten Stil, der die Brücke zum aufkommenden Wiener Klassizismus schlug. Anfossi erweiterte den Orchestereinsatz, experimentierte mit dynamischen Kontrasten und schuf eine größere dramatische Dichte als viele seiner Vorgänger.
Bedeutung
Pasquale Anfossi spielte eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der italienischen Oper in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er wird als ein wichtiger Übergangskomponist zwischen dem Barock und der Klassik betrachtet, dessen Werke Elemente des *stile galant* mit dramatischer Intensität und psychologischer Tiefe verbanden. Seine Fähigkeit, lebendige Szenen und überzeugende musikalische Charaktere zu schaffen, beeinflusste nachfolgende Generationen von Komponisten.Seine internationale Karriere, insbesondere seine Zeit in London, belegt die europäische Dominanz der italienischen Oper seiner Zeit und Anfossis Stellung darin. Ein bemerkenswerter Aspekt seiner Bedeutung ist seine indirekte Verbindung zu Wolfgang Amadeus Mozart: Mozart komponierte im Jahr 1783 in Wien Einlage-Arien für eine Wiederaufnahme von Anfossis Oper *Il curioso indiscreto* und 1784 für dessen *Creso*, was Anfossis damaliges Ansehen unterstreicht und die Praxis der Bearbeitung populärer Werke für lokale Aufführungen illustriert. Obwohl seine Popularität gegen Ende seines Lebens von jüngeren Komponisten wie Cimarosa und Paisiello überstrahlt wurde, bleiben Anfossis beste Opern historisch bedeutsam und zeugen von seinem musikalischen Können und seinem Gespür für theatrale Wirkung. Er war ein Meister der Oper, der die Konventionen seiner Zeit erweiterte und den Weg für die großen Opern des 19. Jahrhunderts mit ebnete.