Leben

Franz Josef Aumann wurde am 23. Mai 1728 in Traismauer, Niederösterreich, geboren. Über seine frühe musikalische Ausbildung ist wenig bekannt, doch er zeigte offensichtlich frühzeitig eine bemerkenswerte Begabung. Im Jahr 1747 trat er in das Augustiner-Chorherrenstift St. Florian ein, legte 1749 die Profess ab und wurde 1751 zum Priester geweiht. Das Stift St. Florian sollte sein Lebenszentrum werden, wo er bis zu seinem Tod am 30. März 1797 wirkte.

Dort erhielt Aumann weiteren musikalischen Unterricht, unter anderem bei dem angesehenen Komponisten Johann Georg Zechner (1716–1778), der ihm eine solide Grundlage in Kontrapunkt und Komposition vermittelte. Aumann bekleidete im Laufe seines monastischen Lebens mehrfach das Amt des Regens Chori (Chorregenten) und prägte so das musikalische Leben des Stifts maßgeblich. Seine Zeit war geprägt vom Übergang des späten Barocks zur frühen Klassik, eine musikalische Entwicklung, die sich auch in seinem Werk widerspiegelt.

Werk

Das kompositorische Schaffen Franz Josef Aumanns ist äußerst umfangreich und konzentriert sich überwiegend auf die Sakralmusik. Es umfasst:
  • Messen: Über 30 Messvertonungen, die eine stilistische Bandbreite vom strengen *stile antico* bis zu modernen, festlich instrumentierten Kompositionen zeigen. Besonders hervorzuheben sind seine großen lateinischen Messen, die oft für Chor, Solisten und Orchester komponiert wurden.
  • Requiems: Zehn Totenmessen, darunter das berühmte Requiem in c-Moll oder das in Es-Dur, die tiefe Expressivität mit reicher Orchesterbesetzung verbinden.
  • Offertorien, Motetten und Antiphonen: Zahlreiche Vertonungen liturgischer Texte, die seinen kontrapunktischen und melodischen Erfindungsreichtum demonstrieren.
  • Vespern und Litaneien: Umfangreiche zyklische Werke für den liturgischen Gebrauch im Kloster.
  • Oratorien: Geistliche Dramen, die im klösterlichen Rahmen aufgeführt wurden, wie beispielsweise *S. Franciscus de Paula*.
  • Neben der Sakralmusik schuf Aumann auch eine kleinere Anzahl weltlicher Werke, darunter einige Singspiele für Aufführungen im Stift sowie wenige Instrumentalstücke wie Divertimenti. Sein Stil ist charakterisiert durch eine gekonnte Synthese von barocker Polyphonie und den aufkommenden Elementen der Wiener Klassik: klare melodische Linien, empfindsame Harmonik und eine farbenreiche, oft festliche Instrumentation mit Trompeten und Pauken, die den Klang seiner Zeit prägen.

    Bedeutung

    Franz Josef Aumann war zu Lebzeiten eine hochgeschätzte Persönlichkeit, dessen Werke in vielen österreichischen Stiften und Kirchen bekannt waren und aufgeführt wurden. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der österreichischen Kirchenmusik in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der das musikalische Erbe von Komponisten wie Johann Joseph Fux fortführte und gleichzeitig den Weg für die nachfolgende Generation bereitete.

    Seine Musik beeinflusste regionale Zeitgenossen, darunter möglicherweise sogar Michael Haydn, der einige von Aumanns Werken gesammelt und bearbeitet haben soll. Auch eine indirekte Verbindung zu den frühen geistlichen Werken Wolfgang Amadeus Mozarts wird aufgrund des gemeinsamen musikalischen Klimas und der stilistischen Parallelen diskutiert.

    Lange Zeit war Aumanns umfangreiches Schaffen in Vergessenheit geraten und wurde von den dominierenden Komponisten der Wiener Klassik überschattet. Erst im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert erfolgte eine wissenschaftliche und interpretatorische Wiederentdeckung, die seine musikhistorische Bedeutung für die Übergangszeit zwischen Barock und Klassik und seine hohe kompositorische Qualität erneut ins Licht rückte. Seine Werke bieten heute einen faszinierenden Einblick in die reiche Musikkultur der österreichischen Klöster seiner Zeit.