Méhul, Étienne Nicolas (1763–1817)
Leben
Étienne Nicolas Méhul wurde am 22. Juni 1763 in Givet, einer kleinen Stadt in den Ardennen, geboren. Er zeigte früh musikalisches Talent und erhielt seine erste Ausbildung bei einem Organisten in seiner Heimatstadt. Mit nur zehn Jahren wurde er Organist im Kloster Lavaldieu. 1778 zog er nach Paris, wo er unter der Patronage des deutschen Komponisten Johann Friedrich Edelmann weiteren Kompositionsunterricht erhielt und bald erste Bühnenwerke skizzierte. Die Begegnung mit Christoph Willibald Gluck war prägend; Gluck erkannte Méhuls dramatisches Gespür und förderte ihn, indem er ihn in die Prinzipien der musikalischen Dramaturgie einführte, die Glucks Opernreform kennzeichneten. Die Französische Revolution bot Méhul eine Plattform für seine musikalischen Ideale. Er komponierte zahlreiche patriotische Hymnen und Festmusiken, die seinen Ruf als Komponist der Republik festigten. 1795 wurde er einer der ersten Inspektoren des neu gegründeten Conservatoire de Paris, eine Position, die er bis zu seinem Tod innehatte. Er verstarb am 18. Oktober 1817 in Paris.Werk
Méhuls umfangreiches Werk umfasst hauptsächlich Opern, aber auch Symphonien, Kantaten und Revolutionsmusiken. Er ist vor allem für seine Beiträge zur Opéra-comique bekannt, wobei er oft die Grenzen dieses Genres sprengte und dramatischere, ernsthaftere Themen behandelte. Seine wichtigsten Opern sind:Neben den Opern komponierte Méhul vier Symphonien, von denen drei erhalten sind, und zahlreiche patriotische Werke wie _Le Chant du Départ_ (1794), das neben der _Marseillaise_ zu den populärsten Hymnen der Revolutionszeit zählt. Charakteristisch für Méhuls Stil sind eine kraftvolle Orchestrierung, eine Betonung der dramatischen Wahrheit über die reine Melodik und eine Vorliebe für musikalische Motive, die Charaktere oder Situationen repräsentieren.