KOMPONISTEN
Farinelli (Carlo Broschi)
Leben
Geburt und Ausbildung: Carlo Broschi wurde am 24. Januar 1705 in Andria, Apulien, geboren. Eine frühe Kastration, die möglicherweise zur Bewahrung seiner außergewöhnlichen Stimme durchgeführt wurde, prägte sein Schicksal. Er erhielt seine Gesangsausbildung bei dem renommierten Nicola Porpora in Neapel, einem der führenden Gesangslehrer und Komponisten seiner Zeit, der seine einzigartigen stimmlichen Anlagen erkannte und förderte.
Aufstieg zum Ruhm: Unter dem Künstlernamen Farinelli debütierte er 1720 in Neapel und erlangte schnell europaweit Berühmtheit. Seine Auftritte in Rom, Venedig, Wien, München, London und Paris machten ihn zur Sensation. Seine Stimme, die einen außergewöhnlichen Umfang, immense Kraft und atemberaubende Agilität besaß, faszinierte das Publikum. Er war der gefeierte Star zahlreicher Opern von Komponisten wie Johann Adolph Hasse, Porpora, Leonardo Vinci und Giovanni Battista Pergolesi.
Der spanische Hof: 1737 wurde Farinelli an den spanischen Hof gerufen, um den von einer tiefen Melancholie geplagten König Philipp V. zu besingen. Sein Gesang wirkte Wunder auf den König, und Farinelli blieb für fast 25 Jahre in Spanien. In dieser Zeit gab er öffentliche Auftritte weitgehend auf und sang fast ausschließlich für den Hof. Unter Philipp V., Ferdinand VI. und Karl III. stieg er zu einer einflussreichen Persönlichkeit auf, die nicht nur die Hofopern organisierte und die königliche Unterhaltung leitete, sondern auch erheblichen politischen und diplomatischen Einfluss ausübte.
Letzte Jahre: Nach der Thronbesteigung Karls III. im Jahr 1759/61 und einer geänderten Hofpolitik kehrte Farinelli nach Bologna zurück. Er lebte dort in wohlhabendem Ruhestand in einer prächtigen Villa, die zu einem Treffpunkt für Musiker und Intellektuelle aus ganz Europa wurde. Er empfing Persönlichkeiten wie den jungen Wolfgang Amadeus Mozart und Christoph Willibald Gluck. Er verstarb am 15. Juli 1782 in Bologna.
Werk und Gesangskunst
Farinellis „Werk“ manifestierte sich primär in seiner unvergleichlichen Gesangskunst, die das Ideal des *bel canto* der Barockzeit verkörperte:
Vokale Meisterschaft: Seine Stimme war berühmt für ihren außergewöhnlichen Umfang von über drei Oktaven, ihre immense Tragkraft, makellose Intonation und eine Virtuosität, die ihresgleichen suchte. Er beherrschte die anspruchsvollsten Koloraturen, Triller und das legendäre *messa di voce* (das Anschwellen und Abklingen eines Tons) zur Perfektion, oft über bemerkenswert lange Zeiträume, was seine überragende Atemtechnik unterstrich.
Interpretation und Improvisation: Er war nicht nur ein technisches Wunder, sondern auch ein tiefgründiger Interpret, der Arien mit großer emotionaler Ausdruckskraft und dramatischer Tiefe füllte. Zeitgenössische Berichte zeugen von seiner Fähigkeit, die Musik im Moment zu gestalten und mit improvisierten Verzierungen zu versehen, die das Publikum in Staunen versetzten und die ursprüngliche Komposition oft übertrafen.
Kompositionen: Obwohl seine Hauptbedeutung als Sänger liegt, komponierte Farinelli auch selbst einige Arien, Duette und Lieder. Diese Werke, obwohl zahlenmäßig gering, zeugen von seinem musikalischen Verständnis und seiner Fähigkeit, die eigene Stimme und die der von ihm begleiteten Musiker optimal in Szene zu setzen.
Bedeutung
Farinelli ist weit mehr als nur ein Sänger; er ist eine kulturelle Ikone und ein Symbol der Barockzeit:
Der ultimative Kastrat: Er verkörperte den Höhepunkt der Kastratenkunst, die für ihre überirdisch schönen, kraftvollen und agilen Stimmen bewundert wurde. Seine Karriere beleuchtet sowohl die glanzvolle, nahezu mystische Seite als auch die moralischen und sozialen Dilemmata, die mit dieser Praxis verbunden waren.
Kultureller und politischer Einfluss: Sein fast 25-jähriger Aufenthalt am spanischen Hof bezeugt seinen immensen Einfluss, der weit über die Musik hinausging. Er agierte als eine Art Staatsdiener, Diplomat und sogar Therapeut, dessen Kunst die Macht besaß, einen König zu heilen und das Hofleben maßgeblich zu gestalten.
Unvergängliche Legende: Obwohl keine direkten Aufnahmen seiner Stimme existieren, zeugen unzählige enthusiastische Berichte, Porträts, Anekdoten und die für ihn geschriebenen Arien von seiner Ausnahmegestalt. Er beeinflusste Generationen von Sängern und Komponisten und bleibt ein faszinierendes Beispiel für die transzendente Macht der Musik und die einzigartige Stellung eines Künstlers im 18. Jahrhundert.