Leben
Tommaso Michele Francesco Saverio Traetta wurde am 30. März 1727 in Bitonto, Königreich Neapel, geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er ab 1738 in Neapel bei angesehenen Meistern wie Nicola Porpora und Francesco Durante am Conservatorio di Santa Maria di Loreto. Nach ersten Erfolgen mit geistlichen Werken gab er sein Operndebüt 1751 mit *Il Farnace* in Neapel, was ihm rasch Anerkennung in ganz Italien einbrachte und Engagements in Rom und Venedig folgten. Eine entscheidende Phase begann 1758, als er zum Hofkomponisten des Infanten Filippo von Parma ernannt wurde. Hier kam er in Kontakt mit der französischen Tragédie lyrique und den Ideen der Opernreform, die durch den Hofpoeten Carlo Innocenzo Frugoni und den Ballettmeister Jean-Georges Noverre gefördert wurden.
Nach dem Tod des Infanten 1765 wechselte Traetta an den kaiserlichen Hof in Wien, wo er unter der Ägide von Graf Durazzo und in der Nähe von Christoph Willibald Gluck wirkte. Auch wenn er dort nur wenige Opern komponierte, war diese Zeit prägend für die Weiterentwicklung seiner reformatorischen Ansätze. 1768 kehrte er nach Venedig zurück, bevor er 1769 einem Ruf Katharinas der Großen nach Sankt Petersburg folgte, wo er als Hofkapellmeister und Ballettkomponist tätig war. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Traetta nach seiner Rückkehr aus Russland (1775) in Venedig und Mailand, wo er am 6. April 1779 verstarb.
Werk
Traettas Œuvre umfasst über 40 Opern, daneben Oratorien, Messen, Motetten und einige instrumentale Werke. Sein Hauptbeitrag liegt jedoch eindeutig im Bereich der Oper. Anfangs komponierte er im Stil der traditionellen Opera Seria Metastasianischer Prägung, entwickelte aber schnell einen eigenen, dramatisch intensiveren Stil.
Die Werke seiner Parmer Zeit, wie *Ippolito ed Aricia* (1759), *Enea nel Lazio* (1760) und insbesondere *Antigona* (1772, für Sankt Petersburg komponiert, aber stark im Parmer Stil verwurzelt), gelten als wegweisende Beispiele der *Opera Réformée*. Charakteristisch für diese Werke sind:
Weitere bedeutende Opern sind *Didone abbandonata* (1757), *Solimano* (1759) und *Germanico in Germania* (1770). Neben seinen Opern komponierte Traetta auch über 20 Ballette für die Bühnen von Parma und Sankt Petersburg.
Bedeutung
Tommaso Traetta ist eine zentrale Figur in der Entwicklung der europäischen Oper des 18. Jahrhunderts. Er wird oft in einem Atemzug mit Christoph Willibald Gluck und Niccolò Jommelli genannt, als einer der Hauptvertreter der sogenannten „Opernreform“. Seine Bemühungen zielten darauf ab, die Oper wieder stärker dem dramatischen Zweck unterzuordnen, die Glaubwürdigkeit der Handlung zu erhöhen und die musikalische Deklamation sowie die dramatische Intensität zu steigern.
Traetta schuf eine Brücke zwischen der barocken Prachtentfaltung und den Idealen der aufkommenden Klassik, indem er Elemente der französischen Tragédie lyrique mit dem italienischen Belcanto-Stil verband. Seine dramatischen Innovationen und sein expressiver Stil beeinflussten zahlreiche Zeitgenossen und ebneten den Weg für spätere Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart, dessen frühe Opern in gewisser Weise von den reformatorischen Ansätzen Traettas profitierten. Obwohl er lange Zeit im Schatten Glucks stand, wird Traettas eigenständige und wegweisende Rolle für die Entwicklung der Oper im 18. Jahrhundert in der neueren Musikwissenschaft zunehmend gewürdigt und seine Werke erfahren eine verdiente Wiederentdeckung auf modernen Opernbühnen.