KOMPONISTEN
Auber, Daniel-François-Esprit
Leben
Daniel-François-Esprit Auber wurde am 29. Januar 1782 in Caen geboren und entstammte einer Familie, die keine unmittelbare musikalische Tradition pflegte; sein Vater war ein erfolgreicher Papierhändler in Paris. Trotzdem zeigte Auber früh eine bemerkenswerte musikalische Begabung. Zunächst für eine kaufmännische Laufbahn vorgesehen, was ihn für kurze Zeit nach London führte, wandte er sich nach seiner Rückkehr nach Frankreich vollständig der Musik zu. Er erhielt Unterricht bei dem bedeutenden Komponisten Luigi Cherubini, der sein Talent erkannte und seine Entwicklung maßgeblich förderte. Cherubinis Einfluss war entscheidend für Aubers Beherrschung von Form und Orchestrierung. Seine frühen Versuche im musikalischen Drama blieben zunächst unbeachtet, doch mit zunehmender Erfahrung entwickelte er einen eigenen, unverwechselbaren Stil. Im Jahr 1825 wurde er Mitglied der Académie des Beaux-Arts, 1842 Direktor des Pariser Konservatoriums und 1861 Kapellmeister der kaiserlichen Kapelle. Auber erlebte mehrere politische Umwälzungen, blieb jedoch bis zu seinem Tod während der Pariser Kommune im Mai 1871 in der Stadt ansässig.
Werk
Aubers Œuvre umfasst über 50 Opern sowie mehrere Ballette und Kantaten, wobei seine Opern den Kern seines Schaffens bilden. Sein Durchbruch gelang ihm 1820 mit der Opéra-comique `La Bergère châtelaine`, doch es waren die folgenden Werke, die seinen Ruhm festigten. Herausragend ist `La Muette de Portici` (Die Stumme von Portici, 1828), eine Grand Opéra, die nicht nur musikalisch revolutionär war, sondern auch durch ihre Geschichte von Rebellion und Unterdrückung politische Auswirkungen hatte (sie löste 1830 in Brüssel Unruhen aus, die zur belgischen Revolution führten). Dieses Werk etablierte die Grand Opéra als dominierende Form in Frankreich und beeinflusste Komponisten wie Meyerbeer und Wagner. Im Bereich der Opéra-comique glänzte Auber mit Werken wie `Fra Diavolo` (1830), einer meisterhaften Mischung aus komischer Handlung und dramatischer Spannung, und `Le Domino noir` (Der schwarze Domino, 1837), das durch seine brillante, oft virtuose Musik und seinen espritvollen Witz besticht. Weitere wichtige Werke sind `Gustave III ou Le Bal masqué` (1833), eine Vorlage für Verdis `Un ballo in maschera`, und `Les Diamants de la Couronne` (1841). Charakteristisch für Aubers Stil sind seine fließenden, eleganten Melodien, eine transparente und effektvolle Orchestrierung sowie ein ausgeprägtes Gespür für dramatische und rhythmische Lebendigkeit.
Bedeutung
Daniel-François-Esprit Auber war eine zentrale Figur im musikalischen Leben Frankreichs im 19. Jahrhundert. Er war ein Meister der Melodie und des dramatischen Effekts, dessen Musik sowohl das Publikum als auch seine Zeitgenossen faszinierte. Seine `La Muette de Portici` setzte Maßstäbe für die Grand Opéra, indem sie großformatige Chöre, Ballette, prächtige Ausstattung und ein heroisch-tragisches Sujet miteinander verband. Damit ebnete er den Weg für spätere Meister dieses Genres. Gleichzeitig revolutionierte er die Opéra-comique, indem er sie über die reine Unterhaltung hinaus hob und ihr oft eine anspruchsvolle, manchmal sogar sozialkritische Dimension verlieh. Sein Einfluss auf Komponisten wie Giacomo Meyerbeer, Fromental Halévy und sogar den jungen Richard Wagner ist unbestreitbar. Auber verkörperte den Höhepunkt einer Ära, in der die französische Oper auf internationaler Bühne dominierte. Sein Vermächtnis liegt in der Schaffung einer musikalischen Sprache, die Eleganz mit dramatischer Kraft verband und Generationen von Komponisten inspirierte, das Opernformat neu zu denken und zu gestalten.