# Afzelius, Arvid August

Leben

Arvid August Afzelius wurde am 6. Mai 1785 in Fjällåkra, Västergötland, geboren und verstarb am 25. September 1871 in Enköping. Nach seinem Studium in Uppsala, wo er sich der Philologie und Theologie widmete, wurde er 1809 zum Priester geweiht. Er diente zunächst als Kaplan in Edsberg und Leksand, bevor er 1821 die prestigeträchtige Position des Pfarrers in Enköping übernahm, die er bis zu seinem Tod innehatte. Afzelius war nicht nur ein angesehener Geistlicher, sondern auch eine zentrale Figur des schwedischen Kulturlebens seiner Zeit. Er wurde 1848 in die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften und 1856 in die Schwedische Akademie gewählt, was seine breite Anerkennung als Gelehrter und Kulturförderer unterstreicht. Sein Interesse galt der schwedischen Geschichte, Mythologie und insbesondere der Volksdichtung und -musik, deren Erforschung und Bewahrung er sich leidenschaftlich widmete.

Werk

Obwohl Arvid August Afzelius kein Komponist im traditionellen Sinne war, der eigene musikalische Werke schuf, ist sein Beitrag zur schwedischen Musikkultur von fundamentaler Bedeutung. Sein Hauptwerk in diesem Kontext ist die epochale Sammlung „Svenska folk-visor från forntiden“ (Schwedische Volkslieder aus alter Zeit), die er zusammen mit dem Historiker und Dichter Erik Gustaf Geijer in den Jahren 1814 bis 1818 in vier Bänden herausgab. Diese Sammlung umfasste über 250 Lieder, Balladen und Vokalstücke, oft mit ihren originalen Melodien, die Afzelius mit großer Sorgfalt transkribierte, redigierte und für die Veröffentlichung vorbereitete. Viele dieser Melodien wurden von ihm harmonisiert und arrangiert, um sie für Klavier oder andere Instrumente spielbar zu machen, wodurch er den musikalischen Ausdruck dieser alten Weisen maßgeblich prägte und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte. Dies war eine schöpferische Tätigkeit, die weit über das bloße Sammeln hinausging und seine Rolle in der Kategorie „Komponisten“ oder vielmehr „Musikgestalter“ in einem umfassenden Lexikon rechtfertigt.

Neben der musikalischen Arbeit war Afzelius auch ein produktiver Schriftsteller, der historische Werke, Übersetzungen (darunter die Edda) und eigene Gedichte veröffentlichte, die oft den Geist der nationalen Romantik atmeten. Doch es war die Volksliedsammlung, die seine nachhaltigste Wirkung entfaltete und ihn als Pionier der schwedischen Musikwissenschaft etablierte.

Bedeutung

Die Arbeit von Arvid August Afzelius an den „Svenska folk-visor från forntiden“ ist ein Meilenstein in der Geschichte der schwedischen Musik und Kulturforschung. Er war ein Vorkämpfer der Folkloristik und Musikethnologie in Schweden und legte mit seiner systematischen Erfassung und Veröffentlichung einen unverzichtbaren Grundstein für das Verständnis des schwedischen musikalischen Erbes. Die Sammlung gilt bis heute als eine der wichtigsten Quellen für die Erforschung alter schwedischer Volksmusik und Balladen.

Afzelius' Wirken trug maßgeblich zur Formung des schwedischen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert bei. Indem er die „Stimmen des Volkes“ aus der Vergangenheit bewahrte und präsentierte, weckte er ein tiefes Interesse an der eigenen Geschichte, den Bräuchen und der Identität Schwedens. Seine harmonisierten Volkslieder wurden zu einer wichtigen Inspirationsquelle für nachfolgende Generationen schwedischer Komponisten der nationalromantischen Bewegung, darunter Hugo Alfvén, Wilhelm Stenhammar und anderen, die Melodien und Motive aus der Geijer-Afzelius-Sammlung in ihre eigenen Werke integrierten und somit die Volksmusik in die Kunstmusik überführten.

Arvid August Afzelius' Vermächtnis ist das eines kulturellen Brückenbauers, der die alten Klänge Schwedens vor dem Vergessen bewahrte und sie in einer Form präsentierte, die sowohl der wissenschaftlichen Forschung als auch der musikalischen Praxis diente. Sein Engagement für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes war wegweisend und sichert ihm einen herausragenden Platz in der schwedischen Kulturgeschichte.