Meyerbeer, Giacomo (eigentlich Jakob Liebmann Beer)
(1791 Berlin – 1864 Paris)
Der deutsche Komponist Giacomo Meyerbeer war eine der einflussreichsten und populärsten Figuren des europäischen Musiktheaters im 19. Jahrhundert. Er gilt als der unbestrittene Wegbereiter und Hauptmeister der französischen Grand Opéra, deren Ästhetik er maßgeblich prägte und perfektionierte.
Leben
Jakob Liebmann Beer wurde am 5. September 1791 in Berlin in eine wohlhabende jüdische Bankiersfamilie geboren. Er zeigte früh ein außergewöhnliches musikalisches Talent, insbesondere als Pianist, und erhielt Unterricht von Clementi und Zelter. Später studierte er Komposition bei dem renommierten Abbé Vogler in Darmstadt, wo er Carl Maria von Weber kennenlernte, und ab 1812 bei Antonio Salieri in Wien. Um seine italienischen Opern zu etablieren, übersiedelte er 1816 nach Italien, wo er seinen Vornamen italianisierte und als Giacomo Meyerbeer bekannt wurde (den Namen Meyerbeer hatte er von einem reichen Onkel geerbt, der ihn testamentarisch dazu verpflichtete, seinen Namen zu tragen). In Italien feierte er mit Opern wie Romilda e Costanza (1817) und Margherita d'Anjou (1820) erste Erfolge im Belcanto-Stil.
Ein entscheidender Wendepunkt in Meyerbeers Karriere war seine Übersiedlung nach Paris im Jahr 1826. Hier traf er auf den Librettisten Eugène Scribe, mit dem er eine äußerst fruchtbare Zusammenarbeit begann. Der Durchbruch gelang ihm 1831 mit der sensationellen Uraufführung von Robert le diable an der Pariser Opéra, die das Genre der Grand Opéra definierte. Es folgten weitere triumphale Erfolge mit Les Huguenots (1836) und Le Prophète (1849). Von 1842 bis 1849 war Meyerbeer Generalmusikdirektor in Berlin, gab dieses Amt jedoch zugunsten seiner Arbeit an weiteren Opern bald wieder auf. Meyerbeer, der aus einer jüdischen Familie stammte, konvertierte später zum Protestantismus. Er starb am 2. Mai 1864 in Paris, kurz vor der posthumen Premiere seiner letzten Grand Opéra, L'Africaine.
Werk
Meyerbeers Oeuvre umfasst neben Frühwerken im italienischen Stil und einigen Singspielen (darunter Ein Feldlager in Schlesien, 1844, die spätere Vielka) hauptsächlich seine epochalen französischen Grand Opéras. Diese Werke zeichnen sich durch eine Reihe charakteristischer Merkmale aus:
Die wichtigsten Werke Meyerbeers sind:
Bedeutung
Meyerbeer war zu seinen Lebzeiten der wohl am häufigsten gespielte und am höchsten bezahlte Opernkomponist Europas. Seine Grand Opéras prägten eine ganze Ära und beeinflussten eine Vielzahl nachfolgender Komponisten, darunter Giuseppe Verdi (insbesondere in seinen frühen Werken), Charles Gounod und den frühen Richard Wagner. Wagner, obwohl er Meyerbeers Erfolg anfangs beneidete und sich von ihm fördern ließ, wurde später zu seinem vehementesten Kritiker und einem der Hauptverantwortlichen für seinen posthumen Popularitätsverlust. Wagners berüchtigte antisemitische Schrift "Das Judentum in der Musik" (1850) attackierte Meyerbeer nicht nur als Künstler, sondern auch aufgrund seiner jüdischen Herkunft, was nachhaltigen Schaden anrichtete.
Nach seinem Tod erlebte Meyerbeers Werk einen raschen Bedeutungsverlust, bedingt durch ästhetische Veränderungen und die antisemitische Kampagne. Erst in jüngerer Zeit, im Zuge einer Neubewertung der Operngeschichte und einer kritischen Auseinandersetzung mit den Gründen seines Niedergangs, erfährt Meyerbeer eine Renaissance. Seine einzigartige Fähigkeit, unterschiedliche musikalische Traditionen zu synthetisieren, seine dramatische Genialität und sein unbestreitbarer Einfluss auf die Entwicklung des Musiktheaters werden heute wieder anerkannt. Meyerbeer bleibt eine Schlüsselfigur für das Verständnis der Oper des 19. Jahrhunderts und ein Meister des opulenten musikalischen Dramas.