Leben

Carl Gottfried Wilhelm Taubert wurde am 11. Mai 1811 in Berlin geboren und verstarb ebenda am 7. Januar 1891. Er zeigte früh außergewöhnliches musikalisches Talent und erhielt seine Ausbildung bei namhaften Berliner Musikern: Klavierunterricht bei Ludwig Berger und Kompositionsunterricht bei Bernhard Klein, beides Schlüsselfiguren der Berliner Musikszene. Bereits in jungen Jahren trat er als Pianist in Erscheinung, oft als Begleiter oder Solist. Seine Karriere am preußischen Hof begann 1831 als Klavierlehrer für Prinz Carl von Preußen. 1845 wurde er zum Königlichen Hofkapellmeister an der Berliner Hofoper ernannt, eine Position, die er bis 1869 innehatte. Ab 1846 übernahm er zusätzlich die Leitung der Königlichen Konzerte. Taubert war eine zentrale Figur im Berliner Musikleben, ein geschätzter Dirigent, der sich auch um die Erstaufführung wichtiger Werke, etwa von Felix Mendelssohn Bartholdy (z.B. des Oratoriums *Elias* in Berlin), verdient machte. Nach seiner Pensionierung von der Oper 1869 konzentrierte er sich weiterhin auf die Konzerttätigkeit und war von 1869 bis 1883 Mitglied der Königlichen Akademie der Künste.

Werk

Tauberts Œuvre ist bemerkenswert vielseitig und umfasst nahezu alle musikalischen Gattungen seiner Zeit. Er komponierte sechs Opern, darunter *Die Kirmes* (1832), *Der Bergrat* (1833), *Joggeli* (1853) und *Macbeth* (1857), die zu seinen Lebzeiten teils großen Erfolg hatten. Hinzu kommen Oratorien (*Glauben, Hoffnung, Liebe*, 1866), vier Sinfonien (darunter die populäre „Herbstsymphonie“ op. 69), mehrere Klavierkonzerte, ein Violinkonzert sowie umfangreiche Kammermusik, darunter Streichquartette und Klaviertrios.

Der größte und wohl bedeutendste Teil seines Schaffens liegt jedoch im Bereich des Liedes. Mit über 300 Liedern für Gesang und Klavier trug Taubert maßgeblich zur Entwicklung des deutschen Kunstliedes im 19. Jahrhundert bei. Sein Stil ist geprägt von einer lyrischen Melodiösität, eleganter Satztechnik und einer oft an Mendelssohn erinnernden Feinsinnigkeit. Besonders hervorzuheben sind seine bahnbrechenden *Kinderlieder*, die in mehreren Sammlungen erschienen (z.B. op. 53, op. 75, op. 124, op. 138, op. 145, op. 151). Taubert gilt als einer der Pioniere dieses Genres, der mit seinen eingängigen und fantasievollen Vertonungen von Gedichten (oft von Hoffmann von Fallersleben) dem Kinderlied zu großer Popularität verhalf und einen Standard setzte, an dem sich spätere Komponisten orientierten.

Bedeutung

Wilhelm Taubert war eine Schlüsselfigur, die das musikalische Leben Berlins über mehrere Jahrzehnte entscheidend mitprägte. Als Hofkapellmeister und Dirigent der Königlichen Konzerte förderte er das zeitgenössische Musikschaffen und trug zur Etablierung eines reichen Konzertlebens bei. Seine Verdienste als Komponist von Liedern, insbesondere der Kinderlieder, können kaum überschätzt werden. Er schuf Werke, die nicht nur pädagogisch wertvoll waren, sondern auch künstlerischen Anspruch besaßen und oft die Kindheit aus der Perspektive des Kindes darstellten. Während seine Opern und Sinfonien heute seltener aufgeführt werden, bleiben seine Lieder, insbesondere die Kinderlieder, ein wichtiger Bestandteil des deutschen Liedrepertoires und zeugen von seinem feinen musikalischen Empfinden und seiner handwerklichen Meisterschaft. Taubert verkörpert den Typus des hochbegabten, fleißigen und stilistisch kultivierten Musikers der deutschen Frühromantik, dessen Werk eine Brücke zwischen der Wiener Klassik und der Romantik Mendelssohnscher Prägung schlägt.