Leben
Charles-Valentin Alkan, geboren am 30. November 1813 in Paris als Charles-Henri-Valentin Morhange, entstammte einer jüdischen Familie und nahm den Nachnamen seines Vaters an. Bereits im Alter von sechs Jahren trat er ins Pariser Konservatorium ein, wo er sich als Wunderkind erwies. Er studierte Klavier bei Joseph Zimmermann, Orgel bei François Benoist, Harmonielehre bei Victor Dourlen und Komposition bei Peter von Winter und Luigi Cherubini. Alkan gewann zahlreiche Preise, darunter den ersten Preis in Solfège (1819), Klavier (1821), Harmonielehre (1824) und Orgel (1826), und galt schon in jungen Jahren als einer der begabtesten Musiker seiner Generation. Er war eng befreundet mit Frédéric Chopin und stand in hohem Ansehen bei Franz Liszt, der ihn als einen der größten Pianisten und Komponisten seiner Zeit schätzte.
Nach einer vielversprechenden Karriere als gefeierter Virtuose in den 1830er und 1840er Jahren zog sich Alkan ab etwa 1848 zunehmend aus dem öffentlichen Leben zurück. Seine Isolation, die nur selten durch private Auftritte oder die Unterrichtung ausgewählter Schüler durchbrochen wurde, verstärkte sich im Laufe der Jahre. Trotz oder gerade wegen seiner Exzentrizität und Zurückgezogenheit widmete er sich intensiv der Komposition. Über sein Privatleben ist wenig bekannt; er hatte einen Sohn, Élie-Miriam Delaborde (1839–1913), der ebenfalls ein bekannter Pianist und Komponist wurde. Alkan starb am 29. März 1888 in Paris unter mysteriösen Umständen, angeblich von einem Bücherregal erschlagen, als er nach einem Band des Talmuds griff – eine Anekdote, die seine sonderbare Persönlichkeit unterstreicht, auch wenn die genaue Todesursache bis heute Spekulation bleibt.
Werk
Alkans Werk umfasst eine relativ kleine, aber substanzielle Anzahl von Kompositionen, die hauptsächlich dem Klavier gewidmet sind. Seine Musik zeichnet sich durch extreme technische Anforderungen, intellektuelle Tiefe, harmonische Kühnheit und eine oft visionäre, manchmal exzentrische Expressivität aus.
Klavierwerke
Das Kernstück von Alkans Schaffen bilden seine Klavierwerke, die die Grenzen der damaligen Klaviertechnik und -ästhetik sprengten:
Orgel- und Pedalflügelwerke
Alkan war auch ein bedeutender Organist und Komponist für das Pedalflügel (ein Klavier mit einer Orgelpedalplatte), ein Instrument, das er bevorzugte. Hierzu zählen die Douze études pour les pieds seulement, Op. 69 (Zwölf Etüden nur für die Füße) und die Préludes et Prières, Op. 64.
Kammermusik und Vokalwerke
Obwohl weniger zahlreich, sind Alkans Kammermusikwerke, wie das Klaviertrio Op. 30 und die Sonate de concert für Cello und Klavier, Op. 47, von hoher Qualität. Er komponierte auch einige Vokalwerke und Synagogalmusik.
Bedeutung
Charles-Valentin Alkan war ein einsamer Gigant der Romantik, dessen musikalisches Genie erst lange nach seinem Tod vollends gewürdigt wurde. Seine Bedeutung liegt in mehreren Aspekten:
Charles-Valentin Alkan bleibt ein faszinierendes Phänomen der Musikgeschichte – ein introvertierter Visionär, dessen radikal persönliche Ausdrucksweise und technische Brillanz die musikalischen Konventionen seiner Zeit revolutionierten.