Arcadelt, Jacob (auch Jacques)
Leben
Jacob Arcadelt, geboren um 1507 in der Region um Lüttich (wahrscheinlich Namur oder Maastricht), war ein Schlüsselfigur der franko-flämischen Musik des 16. Jahrhunderts. Über seine frühen Jahre und Ausbildung ist wenig bekannt, doch deuten seine späteren Positionen auf eine fundierte musikalische Bildung hin. Um 1538 ließ er sich in Florenz nieder, wo er möglicherweise im Dienst der Medici stand. Spätestens 1539 zog er nach Rom, wo er rasch in den päpstlichen Diensten aufstieg. Er war als Sänger und später als Kapellmeister an der Cappella Giulia im Petersdom tätig und ab 1540 als Mitglied des päpstlichen Chores (Cappella Sistina). In Rom veröffentlichte Arcadelt auch seine ersten und einflussreichsten Bücher mit Madrigalen, die ihn europaweit bekannt machten. Mitte der 1550er Jahre verließ er Italien und trat in den Dienst der französischen Königsfamilie in Paris, zunächst unter König Heinrich II., später unter Karl IX. Hier komponierte er hauptsächlich Chansons und Messen. Er verstarb um 1568, wahrscheinlich in Paris.Werk
Arcadelts Oeuvre ist breit gefächert und umfasst sowohl weltliche als auch geistliche Musik. Sein Ruhm beruht jedoch primär auf seinen *Madrigalen*. Er veröffentlichte mehrere Bücher dieser Gattung, von denen das erste Buch (Il primo libro di madrigali d'Arcadelt a quattro voci, 1539) außerordentlich erfolgreich war und in zahlreichen Auflagen erschien. Arcadelts Madrigale sind typisch für die frühe Phase des Genres: sie sind meist vierstimmig, weisen eine relative Einfachheit der Textur auf – oft homophon, mit gelegentlichen imitatorischen Abschnitten – und zeichnen sich durch lyrische Melodien und eine klare, verständliche Textdeklamation aus. Dies unterschied sie von der komplexeren Polyphonie seiner Vorgänger und machte sie für ein breiteres Publikum zugänglich. Eines seiner bekanntesten Madrigale ist „Il bianco e dolce cigno“.Neben den Madrigalen komponierte Arcadelt eine beträchtliche Anzahl von *Chansons* (über 125), die ebenfalls große Popularität genossen. Seine geistlichen Werke umfassen *Messen*, *Motetten* und *Lamentationen*, die den kontrapunktischen Stil der franko-flämischen Schule widerspiegeln, jedoch oft mit einer italienisch inspirierten melodischen Eleganz.