Leben

Josef Bohuslav Foerster wurde am 30. Dezember 1859 in Prag geboren und verstarb am 29. Mai 1951 in Nový Vestec. Als Sohn des Organisten und Komponisten Josef Foerster senior wuchs er in einem musikalischen Elternhaus auf. Nach anfänglichen Studien am Prager Polytechnikum widmete er sich ganz der Musik und studierte von 1879 bis 1882 an der Prager Orgelschule unter František Zdeněk Skuherský und Josef Klička sowie am Prager Konservatorium. Parallel dazu war er als Lehrer, Chorleiter und ab 1884 als einflussreicher Musikkritiker für die renommierte Zeitung „Národní listy“ tätig.

Eine prägende Phase seines Lebens begann 1893, als er seiner Frau, der bekannten Sopranistin Berta Lautererová, nach Hamburg folgte, wo sie ein Engagement an der Staatsoper hatte. In Hamburg wirkte Foerster zehn Jahre lang als Lehrer am Konservatorium, Organist und Musikkritiker. Von 1903 bis 1918 lebte er in Wien, wo er ebenfalls lehrte und für die Zeitung „Die Zeit“ schrieb. In dieser Zeit knüpfte er wichtige Kontakte, unter anderem zu Gustav Mahler und Jean Sibelius, die seinen musikalischen Horizont erweiterten.

Nach der Gründung der Tschechoslowakischen Republik kehrte Foerster 1918 nach Prag zurück und übernahm bedeutende Positionen im tschechischen Musikleben. Er wurde Professor für Komposition am Prager Konservatorium (1919–1922) und später an der Meisterschule (bis 1931). Zweimal bekleidete er das Amt des Rektors des Prager Konservatoriums (1922–1923, 1930–1931) und war von 1931 bis 1939 Präsident der Tschechischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Foerster erlebte ein langes und erfülltes Leben, das er im hohen Alter von 91 Jahren beendete.

Werk

Foersters Œuvre ist von immenser Breite und umfasst sechs Opern, fünf Sinfonien, zehn Orchester-Suiten und sinfonische Dichtungen, zahlreiche Kammermusikwerke (darunter fünf Streichquartette, drei Klaviertrios), über 400 Lieder und etwa 150 Chorwerke sowie eine bedeutende Anzahl geistlicher Kompositionen.

Zu seinen wichtigsten Opern zählen *Eva* (1899), die oft als sein Meisterwerk betrachtet wird, sowie *Jessika* (1905), *Nepřemožení* (Die Unbesiegbaren, 1918) und *Srdce* (Das Herz, 1922). Seine Sinfonien markieren wichtige Etappen seiner Entwicklung, wobei besonders die 4. Sinfonie in c-Moll „Frühling und Sehnsucht“ (1934) und die 5. Sinfonie in d-Moll „Prager Sinfonie“ (1941) hervorzuheben sind. Im Bereich der geistlichen Musik schuf er beeindruckende Werke wie das *Stabat Mater* (1892), mehrere Messen, Kantaten und Oratorien, darunter *Svatý Václav* (Der heilige Wenzel). Diese Kompositionen spiegeln seine tiefe persönliche Frömmigkeit wider.

Stilistisch ist Foerster ein Spätromantiker mit deutlichen symbolistischen Zügen. Seine Musik ist lyrisch, introspektiv, oft von einer melancholischen, kontemplativen und zutiefst spirituellen Grundhaltung geprägt. Seine harmonische Sprache ist reich und ausdrucksvoll, oft chromatisch, aber stets tonal verankert. Die Orchestrierung ist farbenreich und raffiniert. Obwohl er tief in der tschechischen Musiktradition verwurzelt war, nahm er Einflüsse mitteleuropäischer Zeitgenossen wie Mahler auf, bewahrte aber stets eine unverwechselbare persönliche Stimme. Er war weniger demonstrativ nationalistisch als Smetana oder Dvořák, doch seine Musik ist von einer tief empfundenen tschechischen Sensibilität durchdrungen.

Bedeutung

Josef Bohuslav Foerster nimmt eine zentrale Stellung in der tschechischen Musikgeschichte ein. Er bildet eine entscheidende Brücke zwischen der nationalromantischen Ära von Antonín Dvořák und den progressiveren Strömungen von Komponisten wie Leoš Janáček und Bohuslav Martinů. Sein umfassendes Wirken als Komponist, Kritiker und Pädagoge prägte Generationen tschechischer Musiker und trug maßgeblich zur Entwicklung der tschechischen Musikkultur bei.

Foersters Musik, die sich durch ihre tiefe emotionale Ausdruckskraft, meisterhafte Handwerkskunst und eine einzigartige Ästhetik auszeichnet, wird zunehmend für ihre bleibenden Qualitäten gewürdigt. Er verkörpert eine Tradition zutiefst menschlicher und gefühlvoller Musik, die frei von modischen Trends ist. Seine Integrität und seine humanistische Haltung spiegeln sich in seinem gesamten Schaffen wider, wodurch er eine einzigartige und dauerhafte Stimme in der Welt der klassischen Musik darstellt.