# Auric, Georges (1899–1983)
Leben
Georges Auric wurde am 15. Februar 1899 in Lodève, Hérault, geboren und verstarb am 23. Juli 1983 in Paris. Seine musikalische Begabung zeigte sich früh; bereits im Alter von elf Jahren schrieb er erste Kompositionen. Er studierte zunächst am Conservatoire de Montpellier und wechselte 1913 an das Conservatoire de Paris, wo er unter Georges Caussade Kontrapunkt und Fugenlehre sowie bei Vincent d'Indy Komposition an der Schola Cantorum studierte. Seine rasche Entwicklung und sein nonkonformistischer Geist führten ihn bald in die Pariser Avantgarde-Kreise.
Ein entscheidender Wendepunkt in Aurics Leben war die Begegnung mit Erik Satie und Jean Cocteau, die ihn maßgeblich prägten und seine kritische Haltung gegenüber der spätromantischen Ästhetik bestärkten. Zusammen mit Darius Milhaud, Francis Poulenc, Arthur Honegger, Germaine Tailleferre und Louis Durey bildete er ab 1920 die berühmte Groupe des Six, eine lockere Vereinigung junger Komponisten, die sich einem neuen Ideal der französischen Musik verschrieben hatte: Klarheit, Einfachheit, Alltagstauglichkeit und eine Abkehr vom Wagnerianismus und Impressionismus. Auric war der jüngste der Gruppe und wurde von Cocteau als ihr „spiritueller Sohn“ bezeichnet.
Aurics künstlerischer Horizont reichte weit über die Musik hinaus. Er war eng mit bildenden Künstlern wie Jean Hugo und Pablo Picasso befreundet und bewegte sich in den intellektuellen Zirkeln von Paris. Seine Karriere war von Vielseitigkeit geprägt; neben seiner Arbeit als Komponist war er auch als Musikkritiker tätig. Später übernahm er wichtige administrative Positionen im französischen Musikleben, darunter von 1954 bis 1974 das Präsidentenamt der SACEM (Société des auteurs, compositeurs et éditeurs de musique) und von 1962 bis 1968 die Leitung der Opéra national de Paris, wo er sich für die Modernisierung des Repertoires einsetzte.
Werk
Georges Aurics Œuvre ist stilistisch breit gefächert, bleibt jedoch stets seinem Ideal der Klarheit und Ökonomie treu. Seine Musik zeichnet sich durch lebendige Rhythmen, prägnante Melodien und eine oft ironische, manchmal melancholische Grundstimmung aus. Er war ein Meister der musikalischen Charakterisierung und setzte dies besonders erfolgreich in seinen Ballett- und Filmmusiken ein.
Ballettmusik: Auric komponierte zahlreiche Ballette für die Ballets Russes und andere renommierte Ensembles. Zu seinen bekanntesten Werken gehören:
Filmmusik: Georges Auric war einer der Pioniere und produktivsten Filmkomponisten seiner Zeit und schuf über 120 Partituren, die oft als eigenständige Kunstwerke gelten. Seine Musik verlieh Filmen eine unverwechselbare Atmosphäre und trug wesentlich zu deren Erfolg bei. Er arbeitete mit bedeutenden Regisseuren zusammen und komponierte für wegweisende Filme, darunter:
Weitere Gattungen: Neben Ballett und Film komponierte Auric auch Opern, Bühnenmusiken, Kammermusik, Lieder und Klavierwerke. Seine einzige Oper, *Sous le masque* (1927), blieb weniger bekannt, doch seine Klavierstücke und Lieder zeugen von seiner feinsinnigen musikalität.
Bedeutung
Georges Aurics Bedeutung für die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts ist vielfältig. Als Mitglied der Groupe des Six war er ein wichtiger Protagonist der musikalischen Erneuerungsbewegung in Frankreich, die sich bewusst vom ästhetischen Ballast des 19. Jahrhunderts löste und einen modernen, zugänglichen Stil propagierte. Seine Musik, die eine klare Struktur, Melodiosität und rhythmische Vitalität betont, steht für einen französischen Neoklassizismus, der Eleganz mit einer Prise Ironie verbindet.
Seine vielleicht nachhaltigste Wirkung erzielte Auric als Filmkomponist. Er gehört zu den wenigen Komponisten, die es verstanden, die musikalische Untermalung nicht nur als Begleitung, sondern als integralen Bestandteil der filmischen Erzählung zu gestalten. Seine Filmmusiken, insbesondere für Cocteaus surrealistische Werke und Klassiker wie „La Belle et la Bête“, haben Generationen von Komponisten beeinflusst und genießen bis heute Kultstatus. Aurics Fähigkeit, zwischen den Welten der Avantgarde und der populären Kultur zu vermitteln, machte ihn zu einer Brückenfigur.
Durch seine administrativen Tätigkeiten prägte Auric zudem das französische Musikleben über Jahrzehnte. Er setzte sich stets für die Förderung neuer Musik und junger Talente ein und trug dazu bei, Frankreichs Position als Zentrum musikalischer Innovation zu festigen. Georges Auric bleibt in Erinnerung als ein Komponist, dessen Werk französische Eleganz, intellektuellen Witz und zeitlose Musikalität auf einzigartige Weise vereint.