Leben
Alessandro Piccinini wurde am 30. Dezember 1566 in Bologna in eine hochmusikalische Familie geboren; sein Vater Leonardo Maria und seine Brüder Girolamo und Filippo waren ebenfalls angesehene Lautenisten. Schon früh zeigte Alessandro außergewöhnliches Talent auf der Laute und dem Chitarrone (Theorbe). Er trat in den Dienst des Herzogs Alfonso II. d'Este in Ferrara, wo er bis zur Auflösung des Hofes im Jahr 1597 blieb. Diese Zeit war prägend für seine musikalische Entwicklung, da Ferrara ein Zentrum der musikalischen Innovation und Virtuosität war. Nach dem Tod des Herzogs fand Piccinini Anstellung bei Kardinal Pietro Aldobrandini in Rom, einem weiteren wichtigen Mäzen der Künste. Später kehrte er in seine Heimatstadt Bologna zurück und diente dort dem Kardinal Alessandro Peretti Montalto sowie anderen adeligen Familien. Seine Reisetätigkeit führte ihn auch nach Verona, Mailand, Genua und Neapel, was seinen musikalischen Horizont erweiterte und seinen Ruf als Virtuose festigte. Piccinini verstarb am 20. August 1639 in Bologna.Werk
Piccininis kompositorisches Schaffen ist untrennbar mit seinen zwei bahnbrechenden Publikationen verbunden, die zu den wichtigsten Quellen der Lautenmusik des frühen Barock zählen:1. Intavolatura di liuto et di chitarrone, libro primo (Bologna, 1623): Dieses Werk ist eine umfangreiche Sammlung von Fantasien, Toccaten, Correnten, Gagliarden, Ciacconen, Canzonen und Bearbeitungen vokaler Stücke für die Laute und den Chitarrone. Die Stücke zeichnen sich durch ihre technische Raffinesse und stilistische Vielfalt aus, die den Übergang von der Renaissance zur Barockmusik widerspiegelt. Sie verlangen von den Spielern ein hohes Maß an Virtuosität und Ausdruckskraft. 2. Intavolatura di liuto, et di chitarrone, libro secondo (Bologna, 1639): Dieses zweite Buch wurde posthum von seinem Sohn Leonardo Maria Piccinini herausgegeben und ergänzt das erste Werk mit weiteren anspruchsvollen Kompositionen, die Alessandros Meisterschaft und seinen innovativen Geist unterstreichen.
Besonders hervorzuheben ist das umfangreiche Vorwort, die sogenannten „Avvisi“, das Piccinini seinem ersten Buch voranstellte. Es ist eine der detailliertesten und aufschlussreichsten Quellen zur Aufführungspraxis, zum Instrumentenbau und zur Musiktheorie des frühen 17. Jahrhunderts.