Leben
Gregorio Allegri wurde 1582 in Rom geboren und verstarb dort am 7. Februar 1652. Seine musikalische Ausbildung erhielt er vermutlich als Chorknabe an San Luigi dei Francesi, wo er unter der Anleitung von Giovanni Bernardino Nanino, dem Bruder des berühmten Giovanni Maria Nanino, stand. Bereits 1607 ist er dort als Sänger belegt. Nach seiner Priesterweihe wirkte Allegri in verschiedenen Kirchen als Kapellmeister und Komponist, darunter auch in Fermo (1610-1617) und Tivoli.
Ein Wendepunkt in seiner Karriere war die Berufung in den Chor der Cappella Sistina (Päpstliche Kapelle) im Vatikan im Jahr 1629 durch Papst Urban VIII., eine Position, die er bis zu seinem Tod innehatte. Als Sänger und Komponist der Sixtinischen Kapelle stand er im Zentrum des römischen Musiklebens und genoss hohes Ansehen. Sein Leben war geprägt von der Hingabe an die Kirchenmusik und dem Dienst an der Liturgie, wobei er die Traditionen der römischen Schule bewahrte und weiterführte.
Werk
Allegri hinterließ ein umfangreiches Œuvre, das nahezu ausschließlich sakrale Vokalmusik umfasst. Dazu zählen Messen, Motetten, Lamentationen, Magnificats, Hymnen und Psalmen. Seine Kompositionen bewegen sich stilistisch an der Schwelle zwischen Spätrenaissance und Frühbarock, wobei er oft einen konservativen, polyphonen Stil pflegte, der an Palestrina erinnerte, aber auch Elemente des neuen konzertierenden Stils integrierte.
Sein mit Abstand berühmtestes Werk ist das _Miserere mei, Deus_ (Psalm 51). Dieses Stück für neun Stimmen, aufgeteilt in zwei Chöre (einer zu fünf und einer zu vier Stimmen), wurde um 1630 komponiert und war jahrhundertelang der Karwoche in der Sixtinischen Kapelle vorbehalten. Die Aufführungspraxis des _Miserere_ war von Geheimhaltung umgeben und umfasste spezifische Ornamentierungen und Verzierungen (*abusus*), die nur mündlich von Sänger zu Sänger weitergegeben wurden. Es war strengstens verboten, das Stück abzuschreiben oder außerhalb der Kapelle aufzuführen. Die Musik, oft mit hohen Falsettstimmen und leise gesungen, entfaltete eine außerordentlich ergreifende Wirkung.
Die Legende besagt, dass der vierzehnjährige Wolfgang Amadeus Mozart das Stück 1770 während einer Aufführung in der Sixtinischen Kapelle nach einmaligem Hören aus dem Gedächtnis niederschrieb und damit das päpstliche Aufführungsverbot brach. Papst Clemens XIV. soll Mozart jedoch anstatt zu bestrafen, für seine Genialität gelobt haben. Auch wenn diese Anekdote möglicherweise ausgeschmückt ist, unterstreicht sie die Faszination und den legendären Status des Werkes.
Weitere wichtige Werke Allegris umfassen unter anderem fünf Messen, zwei Bücher mit Konzerten (Motetten für 2 bis 4 Stimmen, 1618), sowie eine Sammlung von Motetten für 2 bis 6 Stimmen (1621), die seine Fähigkeit demonstrieren, sowohl den alten polyphonen Stil als auch den neuen konzertierenden Stil zu beherrschen.
Bedeutung
Gregorio Allegris Bedeutung für die Musikgeschichte liegt in seiner Rolle als Bewahrer und Weiterentwickler der römischen Kirchenmusiktradition im frühen 17. Jahrhundert. Als Mitglied der Päpstlichen Kapelle trug er maßgeblich zur Gestaltung der liturgischen Musik im Vatikan bei. Sein Werk spiegelt die ästhetischen Ideale seiner Zeit wider, die sowohl auf Klarheit und Textverständlichkeit als auch auf expressive Tiefe abzielten.
Obwohl sein Name heute untrennbar mit dem _Miserere_ verbunden ist, zeugt sein breiteres Schaffen von einem geschickten Komponisten, der die unterschiedlichen Anforderungen der Sakralmusik seiner Zeit erfüllte. Das _Miserere_ selbst ist jedoch nicht nur ein musikalisches Meisterwerk, sondern auch ein einzigartiges Dokument der Musikgeschichte und ihrer Aufführungspraxis. Es symbolisiert die Macht der Musik, durch Exklusivität und mündliche Überlieferung eine Aura des Geheimnisvollen und Heiligen zu bewahren. Seine anhaltende Popularität und die Geschichte Mozarts haben Allegri einen festen Platz im Kanon der bedeutenden Komponisten gesichert und sein Werk weit über die Grenzen der Kirchenmusik hinaus bekannt gemacht.