Leben
Giovanni Battista Pergolesi wurde am 4. Januar 1710 in Jesi bei Ancona geboren und starb bereits am 17. März 1736 in Pozzuoli nahe Neapel. Sein kurzes Leben, das nur 26 Jahre währte, fällt in eine entscheidende Umbruchszeit der europäischen Musikgeschichte. Erste musikalische Unterweisungen erhielt er wahrscheinlich von Francesco Santini in Jesi, bevor er um 1725 nach Neapel ging, dem damaligen Zentrum der Oper. Dort studierte er am Conservatorio dei Poveri di Gesù Cristo, wo er unter anderem bei Francesco Durante und Gaetano Greco Komposition und Violine lernte. Seine Talente wurden schnell erkannt, und bereits 1729, noch als Student, wurde seine erste geistliche Komposition, ein Oratorium, aufgeführt. Nach dem Studium begann Pergolesi, für verschiedene neapolitanische Patrone und Kirchen zu arbeiten. Er erhielt Aufträge für Opern und geistliche Musik, fand jedoch nie eine feste Anstellung am Hof. Seine letzten Lebensjahre waren von gesundheitlichen Problemen, vermutlich Tuberkulose, überschattet. Auf Anraten seiner Ärzte zog er sich 1735 nach Pozzuoli zurück, wo er, während er an seinem unvollendeten 'Stabat Mater' arbeitete, verstarb.
Werk
Pergolesis Werk, trotz seiner geringen Quantität, ist von bemerkenswerter Qualität und Vielfalt. Es umfasst Opern, Intermezzi, geistliche Musik und einige Instrumentalwerke. Seine musikalische Sprache zeichnet sich durch eine Klarheit der Form, eine eingängige Melodik und eine tief empfundene Expressivität aus, die bereits auf den kommenden galanten Stil und die Frühklassik vorausweist.
Opern und Intermezzi
Das Kernstück seiner Bühnenwerke bildet das Intermezzo 'La serva padrona' (Die Magd als Herrin, 1733). Ursprünglich als Zwischenaktmusik für seine Opera seria 'Il prigionier superbo' konzipiert, wurde es zu einem eigenständigen Welterfolg. Mit seiner charmanten Handlung, witzigen Charakteren und lebendigen Musik gilt es als Prototyp der Opera buffa und spielte eine zentrale Rolle in der 'Querelle des Bouffons' in Paris (1752), wo es als Inbegriff einer natürlichen und emotionalen Musik gefeiert wurde, im Gegensatz zur 'künstlichen' französischen Tragédie lyrique. Weitere Opern umfassen u.a. 'Salustia' (1732), 'Lo frate 'nnamorato' (1732) und 'Adriano in Siria' (1734).
Geistliche Musik
Pergolesis geistliches Schaffen ist von tiefer Frömmigkeit und musikalischer Schönheit geprägt. Sein 'Stabat Mater' (1736), komponiert kurz vor seinem Tod als Ersatz für ein älteres Werk von Alessandro Scarlatti, ist sein bekanntestes geistliches Werk und zählt zu den ergreifendsten Vertonungen des mittelalterlichen Hymnus. Es zeichnet sich durch seine zarte Orchestrierung (Streicher und Basso continuo), die intime Atmosphäre und die ausdrucksstarken Duette und Arien für Sopran und Alt aus. Das Werk wurde zu einem der am häufigsten gedruckten Werke des 18. Jahrhunderts und wurde von zahlreichen Komponisten (u.a. Bach für eine Parodie-Kantate) geschätzt und bearbeitet. Weitere geistliche Werke umfassen Messen, wie die 'Missa Romana' (1734), Salven, Kantaten und Oratorien ('La Conversione di San Guglielmo duca d'Aquitania', 1731).
Instrumentalmusik
Sein instrumentales Œuvre ist zahlenmäßig kleiner und umfasst einige Sonaten für Violine und Basso continuo sowie einige Konzerte und Triosonaten, die jedoch in ihrer Authentizität teilweise umstritten sind. Sie zeugen jedoch von seinem soliden Handwerk und seinem melodischen Erfindungsreichtum.
Bedeutung
Giovanni Battista Pergolesis Bedeutung für die Musikgeschichte ist immens, gerade angesichts seines kurzen Lebens. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Neapolitanischen Schule und ein Wegbereiter des galanten Stils und der Frühklassik. Seine Musik, insbesondere 'La serva padrona', revolutionierte die Opernbühne und verhalf der Opera buffa zum Durchbruch, indem sie eine natürlichere und zugänglichere Form des musikalischen Dramas etablierte.
Sein 'Stabat Mater' wurde zu einem zeitlosen Meisterwerk der geistlichen Musik, dessen emotionale Tiefe und klangliche Schönheit über Generationen hinweg Komponisten und Publikum gleichermaßen berührte. Die Tragik seines frühen Todes, gepaart mit der unbestreitbaren Qualität und Popularität seiner Werke, führte zu einer regelrechten 'Pergolesi-Manie' im 18. Jahrhundert, in der zahlreiche Werke, die nicht von ihm stammten, fälschlicherweise seinem Namen zugeschrieben wurden. Dies unterstreicht die enorme Wertschätzung, die ihm postum zuteilwurde. Pergolesi bleibt ein leuchtendes Beispiel für ein Genie, das in kürzester Zeit ein Vermächtnis schuf, das die Musiklandschaft Europas nachhaltig veränderte und bis heute fasziniert.