Leben
Pasquale Anfossi wurde am 5. April 1727, vermutlich in Taggia bei Imperia, geboren und verstarb im Februar 1797 in Rom. Seine musikalische Ausbildung erhielt er am Conservatorio di Santa Maria di Loreto in Neapel, wo er zunächst als Violinist und später als Schüler von Leonardo Leo und Francesco Durante in Komposition ausgebildet wurde. Anfossis Karriere begann zunächst als Violinist am Hof von Neapel, doch sein Talent für die Komposition führte ihn bald auf die Opernbühne. Sein Debüt als Opernkomponist gab er 1763 mit *L'incognita perseguitata*, einem Werk, das sofortigen Erfolg feierte und den Grundstein für eine außerordentlich produktive Karriere legte.
In den folgenden Jahrzehnten reiste Anfossi durch ganz Italien und erhielt zahlreiche Aufträge für Opern in den führenden Opernhäusern Roms, Venedigs, Turins und Neapels. Seine wachsende Reputation führte ihn auch ins Ausland: Zwischen 1782 und 1786 war er Musikdirektor des King's Theatre in London, wo er mehrere seiner Opern erfolgreich aufführte und auch für das englische Publikum komponierte. Auch Paris besuchte er, wo seine Werke, wie *Il geloso in cimento*, mit großem Beifall aufgenommen wurden. Nach seiner Rückkehr nach Italien übernahm er 1792 das Amt des *maestro di cappella* an San Giovanni in Laterano in Rom. In seinen späteren Jahren ließ sein Ruhm etwas nach, da jüngere Komponisten wie Cimarosa und Paisiello aufstrebten, deren Stil er maßgeblich mitgeprägt hatte.
Werk
Anfossis kompositorisches Schaffen konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Oper. Er hinterließ ein beeindruckendes Œuvre von etwa 70 bis 80 Opern, die sowohl dem Genre der *opera buffa* als auch der *opera seria* angehören. Seine Werke zeichnen sich durch eine bemerkenswerte melodische Erfindungsgabe, dramatische Intensität und eine klare harmonische Struktur aus. Er war ein Meister darin, effektvolle Ensembles und Finali zu gestalten, die die Handlung vorantrieben und den Charakteren Tiefe verliehen.
Zu seinen bedeutendsten Opern zählen neben seinem Debütwerk *L'incognita perseguitata* (1763) auch *Il geloso in cimento* (1773), *Zenobia* (1778), *Il curioso indiscreto* (1777), für die Wolfgang Amadeus Mozart später Arien schrieb, sowie *Le gelosie fortunate* (1786). Obwohl er auch einige Oratorien und geistliche Musik komponierte, ist sein Ruhm untrennbar mit seiner operistischen Leistung verbunden, die maßgeblich zur Etablierung des neapolitanischen Opernstils in ganz Europa beitrug.
Bedeutung
Pasquale Anfossi gilt als eine wichtige Übergangsfigur in der Geschichte der neapolitanischen Oper, die den Übergang vom Spätbarock zur Wiener Klassik mitgestaltete. Er war ein Brückenbauer, dessen harmonische und dramatische Entwicklungen als Vorbild für nachfolgende neapolitanische Komponisten wie Domenico Cimarosa und Giovanni Paisiello dienten, die seine stilistischen Errungenschaften weiterführten und perfektionierten. Seine internationale Anerkennung und die Popularität seiner Opern in den wichtigsten europäischen Musikzentren trugen wesentlich zur Verbreitung des neapolitanischen Opernstils bei.
Anfossi leistete auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Opernform, insbesondere durch die Stärkung des Ensembles als zentrales dramaturgisches Element in der *opera buffa*. Seine Fähigkeit, lebendige und charakteristische musikalische Szenen zu schaffen, beeinflusste die Opernkomposition nachhaltig. Obwohl er nach seinem Tod im Schatten der Wiener Klassik und seiner eigenen, noch berühmteren Schüler für einige Zeit in Vergessenheit geriet, wird Pasquale Anfossi heute für seine historische Bedeutung und die musikalische Qualität seiner Werke wiederentdeckt und geschätzt.