Leben
Felice Alessandri wurde am 24. November 1747 in Rom geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er am Conservatorio della Pietà dei Turchini in Neapel, wo er Komposition und Cembalo studierte. Schon in jungen Jahren zeigte er bemerkenswertes Talent, und sein Operndebüt gab er 1765 mit *Ezio* in Rom.Alessandris Karriere war geprägt von ausgeprägter Reisetätigkeit, die ihn zu den wichtigsten Musikmetropolen Europas führte. Von 1768 bis 1774 wirkte er in London, wo er als Komponist und Cembalist am King's Theatre tätig war und mehrere seiner Opern erfolgreich zur Aufführung brachte. Nach seiner Rückkehr nach Italien war er in Venedig, Mailand und Turin aktiv, bevor er 1777 eine Anstellung als Kapellmeister bei Prinz Heinrich von Preußen in Berlin annahm, die er bis 1779 innehatte.
Nach weiteren Stationen in Italien und am kurfürstlichen Hof in Dresden, erreichte seine Karriere einen weiteren Höhepunkt, als er von 1786 bis 1796 als Hofkomponist in den Dienst der Zarin Katharina der Großen nach St. Petersburg berufen wurde. Hier schuf er zahlreiche Werke, darunter Opern und Ballette, und genoss hohes Ansehen. Nach der Rückkehr aus Russland verbrachte er seine letzten Lebensjahre in Italien, wo er am 15. August 1798 in Casalino, nahe Florenz, verstarb. Er war mit der renommierten Sopranistin Maria Lavinia Guadagni verheiratet, die oft in seinen Werken auftrat.
Werk
Das musikalische Œuvre von Felice Alessandri umfasst primär Bühnenwerke, darunter über 40 Opern beider Gattungen, der *opera seria* und der *opera buffa*. Zu seinen bekanntesten Opern zählen *Il Medonte* (1777), *Artaserse* (1778) und *La Nitteti* (1786). Seine Kompositionen zeichnen sich durch eine elegante Melodik, eine solide Dramaturgie und eine gekonnte Instrumentierung aus, die den Konventionen des späten 18. Jahrhunderts entsprachen. Er schrieb virtuos für die Sänger seiner Zeit und verstand es, das Publikum mit effektvollen Arien und Ensembles zu fesseln.Neben seinen Opern komponierte Alessandri auch eine beträchtliche Anzahl an Balletten, Oratorien (*Il ritorno di Tobia*), Kantaten, geistlicher Musik sowie diverse Instrumentalwerke, darunter Sinfonien und Cembalokonzerte. Obwohl seine Instrumentalmusik heute kaum bekannt ist, zeugt sie von seiner umfassenden musikalischen Bildung und Vielseitigkeit.
Bedeutung
Felice Alessandri verkörpert exemplarisch den Typus des kosmopolitischen italienischen Komponisten des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Obwohl sein Name heute außerhalb von Spezialistenkreisen weniger präsent ist, war er zu Lebzeiten ein hochgeschätzter und vielbeschäftigter Musiker, dessen Schaffen maßgeblich zur Verbreitung und Popularisierung der italienischen Oper in ganz Europa beitrug.Seine Bedeutung liegt nicht in revolutionären Neuerungen, sondern in der meisterhaften Beherrschung des etablierten Opernstils und der Fähigkeit, an den prominentesten Höfen und Opernhäusern Europas erfolgreich zu wirken. Alessandri füllte eine wichtige Rolle im musikalischen Leben seiner Zeit aus, indem er unterhaltsame und dramatisch wirkungsvolle Bühnenwerke lieferte, die den Geschmack des Publikums trafen und den führenden Sängern glänzende Auftrittsmöglichkeiten boten. Sein Werk stellt eine wichtige Brücke zwischen den Barockmeistern und den aufkommenden Stilrichtungen des 19. Jahrhunderts dar und ist essenziell für das Verständnis der europäischen Operngeschichte vor Mozart und Rossini.