Leben
Samuel Gottlob Auberlen wurde am 11. November 1758 in Hülben (Herzogtum Württemberg) als Sohn eines Pfarrers geboren und verstarb am 1. August 1829 in Ulm. Sein familiärer Hintergrund prädestinierte ihn für eine theologische Laufbahn, die er mit ausgeprägten musikalischen Neigungen verband. Nach dem Besuch der Klosterschulen in Maulbronn und Urach studierte Auberlen ab 1777 Theologie am Tübinger Stift. Während seines Studiums vertiefte er seine musikalischen Kenntnisse autodidaktisch und durch Kontakte zu örtlichen Musikern. Nach Abschluss seines Studiums war er zunächst als Vikar tätig, bevor er 1787 eine Lehrerstelle in Nürtingen annahm, wo er auch als Organist wirkte. 1790 wurde er Pfarrer in Erkenbrechtsweiler, 1803 wechselte er in gleicher Funktion nach Blaubeuren und schließlich 1819 nach Ulm, wo er bis zu seinem Tod als Pfarrer und zugleich als Komponist und Lieddichter wirkte. Auberlens Leben war tief im württembergischen Pietismus verwurzelt, dessen Frömmigkeit und Werte seine künstlerische und theologische Arbeit durchgängig prägten.
Werk
Das kompositorische Schaffen Samuel Gottlob Auberlens konzentrierte sich nahezu ausschließlich auf geistliche Lieder und Choräle, die der Erbauung und dem Gemeindegesang dienten. Er ist vor allem für seine Melodien bekannt, die oft zu eigenen Texten, aber auch zu Dichtungen anderer pietistischer Autoren entstanden. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen:
Auberlens Kompositionsstil zeichnet sich durch eine schlichte, aber ausdrucksvolle Melodieführung aus, die stark von der volksliedhaften Einfachheit und Eingängigkeit beeinflusst ist. Seine Melodien sind überwiegend im Dur-Tongeschlecht gehalten und zeichnen sich durch eine klare Harmonik aus, die das Textverständnis und die Sangesfreudigkeit fördert. Er vermied virtuose Ausschweifungen zugunsten einer unmittelbaren emotionalen Ansprache, was seine Lieder für den Gemeindegesang besonders geeignet machte. Viele seiner Melodien, wie die zu „Dir, dir, Jehova, will ich singen“ oder „O dass ich tausend Zungen hätte“, gehören bis heute zum Kernbestand evangelischer Gesangbücher.
Bedeutung
Samuel Gottlob Auberlen zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der württembergischen Kirchenmusik an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert. Seine Bedeutung liegt vor allem in seiner Rolle als Brückenbauer zwischen der traditionellen Choralpflege und der aufkommenden liedhaften Frömmigkeit des Pietismus. Er war ein wichtiger Vertreter der Bewegung, die die Kirchenmusik reformieren und stärker auf die Bedürfnisse der Gemeinde ausrichten wollte, indem sie Melodien schuf, die sowohl tiefgründig als auch leicht singbar waren.
Durch seine zahlreichen Sammlungen trug Auberlen maßgeblich zur Etablierung eines neuen Repertoires geistlicher Lieder im südwestdeutschen Raum bei. Seine Werke spiegeln die pietistische Religiosität wider, die persönliche Andacht und emotionales Erleben in den Vordergrund stellte. Auberlens Lieder boten hierfür einen musikalischen Rahmen, der bis heute nachwirkt. Einige seiner Melodien sind fester Bestandteil des Evangelischen Gesangbuchs (EG) und anderer regionaler Gesangbücher, wodurch sein Erbe als Komponist und Vermittler einer tief empfundenen Spiritualität weiterhin lebendig ist. Er steht exemplarisch für eine Generation von Geistlichen, die Musik als zentrales Medium zur Verbreitung und Vertiefung des Glaubens verstanden.