# Afzelius, August (1785-1871)

Leben

August Afzelius wurde am 6. Oktober 1785 in Broddetorp, Västergötland, als Sohn eines Pastors geboren. Schon früh zeigte sich sein tiefes Interesse an Geschichte, Literatur und insbesondere an der reichen mündlichen Tradition Schwedens. Er studierte Theologie an der Universität Uppsala, wo er 1803 immatrikuliert wurde und sich in einem intellektuell anregenden Umfeld bewegte. Nach seiner Ordination zum Priester im Jahr 1809 diente er zunächst als Kaplan in verschiedenen Gemeinden, bevor er 1819 zum Propst und Gemeindepfarrer in Kärnbo ernannt wurde, ein Amt, das er bis zu seinem Tod innehatte. Seine Lebensführung war geprägt von intellektueller Neugier und einer tiefen Verbundenheit mit der schwedischen Kultur und dem Kirchenleben. Afzelius pflegte eine enge Freundschaft mit dem Historiker und Dichter Erik Gustaf Geijer, die zur wichtigsten Kollaboration seines Lebens führen sollte. Er heiratete 1812 Sophie Magdalena Olofsson und führte ein gelehrtes und produktives Leben bis zu seinem Tod am 23. September 1871.

Werk

Afzelius' Werk ist untrennbar mit der frühen schwedischen Romantik und der Etablierung einer nationalen Kulturidentität verbunden. Sein herausragendster Beitrag ist die gemeinsam mit Erik Gustaf Geijer herausgegebene Sammlung „Svenska folk-visor från forntiden“ (Schwedische Volkslieder aus alter Zeit), die in drei Bänden zwischen 1814 und 1816 erschien. Dieses Werk war ein epochales Unterfangen, das zum ersten Mal systematisch schwedische Volkslieder – Texte und Melodien – sammelte, transkribierte und einem breiteren Publikum zugänglich machte. Die Sammlung umfasste Balladen, historische Lieder, Legenden und Liebeslieder und gilt als Gründungsdokument der schwedischen Folkloristik. Afzelius’ Anteil lag primär in der mühsamen Feldarbeit des Sammelns und der musikalischen Bearbeitung der Melodien. Obwohl er nicht im klassischen Sinne als Komponist von Originalwerken agierte, spielte seine Rolle bei der Harmonisierung und Veröffentlichung dieser Melodien eine entscheidende Rolle für deren Überlieferung und Wirkung.

Neben den Volksliedern widmete sich Afzelius auch der Kirchenmusik. Er war ein engagierter Hymnologe und trug wesentlich zur Erneuerung des schwedischen Kirchengesangs bei, unter anderem durch Beiträge zu „Svenska kyrkosången“ (Der schwedische Kirchengesang, 1841) und seine eigene „Afzelius’ psalm- och sångbok“ (Afzelius’ Psalm- und Gesangbuch, 1846). Diese Werke zeugen von seinem Bestreben, das geistliche Liedgut zu bewahren und zu ordnen. Er übersetzte zudem Teile der altnordischen Edda ins Schwedische und verfasste historische und literarische Aufsätze, die seine breite Gelehrsamkeit widerspiegelten.

Bedeutung

August Afzelius' Bedeutung für die schwedische Kulturgeschichte ist immens und vielschichtig. Als Pionier der schwedischen Folkloristik legte er zusammen mit Geijer den Grundstein für die systematische Erforschung und Bewahrung des musikalischen und poetischen Erbes Schwedens. Die „Svenska folk-visor“ wurden zu einer fundamentalen Inspirationsquelle für die schwedische nationale Romantik, beeinflussten unzählige Komponisten, Dichter und Künstler und trugen entscheidend zur Formung einer eigenständigen nationalen Ästhetik bei. Sein Wirken garantierte die Rettung zahlreicher traditioneller Lieder, die andernfalls dem Vergessen anheimgefallen wären, und schuf ein unschätzbares Archiv für zukünftige Generationen von Forschern und Künstlern.

Im Kontext der Musikwissenschaft wird Afzelius oft als Sammler und Herausgeber wahrgenommen, dessen Akribie bei der Dokumentation von Melodien und Texten wegweisend war. Seine Arbeit ermöglichte es, die Authentizität der Volksweisen zu erhalten und ihre musikalische Struktur für die Nachwelt festzuhalten. Die Einordnung als „Komponist“ im „Tabius“-Lexikon spiegelt seine prägende Rolle bei der musikalischen *Gestaltung* und *Präsentation* des volkstümlichen Melodienguts wider, die über eine bloße Sammlung hinausging und maßgeblich zur Etablierung eines Kanons schwedischer Volksmusik beitrug.