Leben

Matthew Locke wurde um 1621 in Exeter geboren und erhielt seine musikalische Ausbildung vermutlich als Chorknabe an der Kathedrale von Exeter unter Edward Gibbons. Später setzte er seine Studien unter William Wake fort und war möglicherweise Schüler von Christopher Gibbons an der Westminster School. Während der Zeit des Commonwealth, einer musikalisch schwierigen Ära für öffentliche Aufführungen, unterhielt Locke wichtige Kontakte zu royalistischen Familien und Komponisten wie William Lawes und Christopher Gibbons. Er verbrachte auch Zeit in den Niederlanden und Frankreich, wo er möglicherweise weitere musikalische Einflüsse aufnahm.

Mit der Restauration der Monarchie 1660 begann Lockes Blütezeit. Er wurde zum Komponisten für die königlichen Violinen und zum „Composer in Ordinary“ für König Karl II. ernannt, obgleich seine katholische Konfession ihm später einige Schwierigkeiten bereitete und seine Karriere am Hofe zeitweise einschränkte. Dennoch behielt er wichtige Positionen, darunter die des Organisten der Königin Katharina von Braganza. Locke war bekannt für seine scharfe Zunge und seine Verteidigung der englischen Musik gegen ausländische Einflüsse, was sich auch in seinen Polemiken widerspiegelte. Er starb 1677 in London.

Werk

Lockes Œuvre ist von großer stilistischer Vielfalt und Bedeutung:

Bühnenmusik

Hierin liegt ein Schwerpunkt seines Schaffens. Locke war ein Pionier der dramatischen Musik in England. Zu seinen wichtigsten Werken zählen die Musik für die Semi-Opera *Psyche* (1675), die er möglicherweise als erste "English opera" bezeichnete, und die oft zitierte Bühnenmusik zu Shakespeares *The Tempest* (1674), die dramatische Rezitative, Arien und Chöre enthält. Ebenso bedeutsam ist die Musik zu dem Masque *Cupid and Death* (1653), einer frühen Zusammenarbeit mit Christopher Gibbons, die während des Commonwealth entstand und trotz der Verbote heimlich aufgeführt wurde. Seine dramatische Musik zeichnet sich durch eine kühne Harmonik, expressive Melodielinien und eine tiefgreifende Textausdeutung aus.

Instrumentalmusik

Locke komponierte eine Reihe von Suiten und Consort-Musik, darunter die berühmten *Broken Consort* Suiten (erste Sammlung 1661, zweite 1672), die für eine gemischte Besetzung aus Violinen, Viola, Bassvioline und Basso Continuo geschrieben sind und einen Übergang von der älteren Violenconsort-Tradition zur Violinfamilie markieren. Seine Instrumentalstücke sind oft von einem robusten, charakteristischen Stil geprägt, der sich durch synkopierte Rhythmen, dissonante Harmonien und eine freie Satztechnik auszeichnet, die italienische und französische Einflüsse verarbeitet.

Sakralmusik

Weniger umfangreich als seine Bühnenwerke, umfasst Lockes geistliches Schaffen Anthems und Services für die anglikanische Kirche, obwohl seine katholische Gesinnung seinen Output in diesem Bereich wahrscheinlich einschränkte. Dennoch zeugen auch diese Werke von seiner Kompositionskunst.

Bedeutung

Matthew Locke nimmt eine Schlüsselposition in der englischen Musikgeschichte ein. Er war einer der wichtigsten Komponisten, die die Brücke zwischen der elisabethanischen und jakobinischen Musiktradition (insbesondere der Consort-Musik) und dem aufkommenden barocken Stil der Restauration schlugen. Seine dramatische Musik legte den Grundstein für die englische Oper und beeinflusste maßgeblich nachfolgende Generationen, allen voran Henry Purcell, der nach Lockes Tod eine Elegie auf ihn komponierte und dessen Stil unverkennbar von Locke geprägt wurde.

Lockes Musik ist oft von einer bemerkenswerten Originalität und Eigenwilligkeit geprägt. Er scheute sich nicht vor ungewöhnlichen Harmonien und rhythmischen Strukturen, um dramatische oder emotionale Effekte zu erzielen. Seine theoretischen Schriften, insbesondere *Melothesia, or the Cultivation of Music* (1673), ein Lehrbuch für Generalbass und Komposition, unterstreichen seine Rolle als Theoretiker und Pädagoge. Als Verteidiger der nationalen musikalischen Identität und als bahnbrechender Bühnenkomponist bleibt Matthew Locke eine herausragende Figur im Kanon der englischen Barockmusik.