Leben

Alessandro Scarlatti wurde am 2. Mai 1660 in Palermo geboren und entstammte einer musikalischen Familie; sein jüngerer Bruder war der berühmte Domenico Scarlatti. Seine frühe musikalische Ausbildung erhielt er vermutlich in Rom, möglicherweise bei Giacomo Carissimi. Bereits 1679 erfolgte die Uraufführung seiner ersten Oper, *Gli equivoci nel sembiante*, die ihm die Gunst der Königin Christina von Schweden einbrachte und den Weg für seine Karriere ebnete. Dies führte zur Ernennung zum Kapellmeister der Königin, einer Position, die er bis 1684 innehatte.

Im Jahr 1684 zog Scarlatti nach Neapel und wurde Kapellmeister am königlichen Hof unter dem Vizekönig von Neapel. Diese Periode, die bis 1702 dauerte, war eine der produktivsten seines Lebens, in der er zahlreiche Opern, Oratorien und Kammerkantaten komponierte. Die politische Instabilität in Neapel veranlasste ihn, die Stadt zu verlassen und erneut in Rom Anstellungen zu suchen, wo er für prominente Familien wie die Ottoboni und Ruspoli tätig war und Kapellmeister an Santa Maria Maggiore wurde. Zwischen 1708 und 1717 kehrte er in einer zweiten Schaffensphase nach Neapel zurück, die mit weiteren bedeutenden Opernwerken verbunden war. Seine späteren Jahre waren wieder von einer verstärkten Tätigkeit in Rom geprägt, wo er 1725 verstarb.

Werk

Scarlattis immenses Œuvre umfasst über 100 Opern, rund 600 Kammerkantaten, mehr als 10 Oratorien, unzählige Messen, Motetten und andere geistliche Werke sowie eine kleinere Anzahl instrumentaler Kompositionen. Er ist primär bekannt als der 'Vater der neapolitanischen Oper'.

  • Opern: Seine Opern zeichnen sich durch eine klare Trennung zwischen Rezitativ (für Handlung) und Arie (für Affekt) aus. Er perfektionierte die Da-capo-Arie, die zum Standardmodell des hochbarocken Gesangs wurde. Charakteristisch ist auch die Einführung der dreiteiligen 'Sinfonia avanti l'opera' (schnell-langsam-schnell), die als Vorläufer der klassischen Sinfonie gilt. Beispiele hierfür sind *La caduta de' Decemviri* (1697), *Mitridate Eupatore* (1707) und *Griselda* (1721). Seine Opern erforderten virtuose Sänger und trugen zur Entwicklung der Belcanto-Tradition bei.
  • Kammerkantaten: Mit rund 600 Werken ist dies ein zentraler Bereich seines Schaffens. Diese kleinen, intimen Werke für Solostimme und Basso continuo (oft mit Begleitung durch weitere Instrumente) demonstrieren Scarlattis lyrische Genialität und seine Fähigkeit, menschliche Emotionen nuanciert auszudrücken. Sie sind ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Vokalmusik des Barock.
  • Geistliche Musik: Scarlatti komponierte eine beträchtliche Anzahl an Oratorien wie *Cain, ovvero il primo omicidio* (1707), Messen, Motetten und andere liturgische Stücke, die sowohl den traditionellen römischen Stil als auch innovative neapolitanische Elemente vereinen.
  • Instrumentalmusik: Obwohl weniger prominent, finden sich in seinem Werk auch einige Sonaten und Konzerte, die seinen Beitrag zur Instrumentalmusik des Barock unterstreichen.
  • Bedeutung

    Alessandro Scarlatti ist eine Schlüsselgestalt in der Musikgeschichte, insbesondere für seine Rolle bei der Etablierung der neapolitanischen Opernschule. Seine harmonische Raffinesse, melodische Erfindungsgabe und formale Klarheit prägten die Ästhetik des musikalischen Barock nachhaltig. Er verfeinerte die dramatische Struktur der Oper, standardisierte die Da-capo-Arie und entwickelte die Ouvertüre zu einer eigenständigen Form.

    Seine musikalischen Innovationen beeinflussten nicht nur seine Zeitgenossen und die nachfolgende Generation neapolitanischer Komponisten wie Leonardo Leo und Giovanni Battista Pergolesi, sondern strahlten auch auf ganz Europa aus. Er bildete eine Brücke zwischen der strengeren Polyphonie des älteren Barock und dem galanten Stil, der dem Klassizismus vorausging. Scarlattis Meisterschaft im Umgang mit der menschlichen Stimme und sein tiefes Verständnis für dramatische Wirkung machen ihn zu einem unvergänglichen Meister der Musikgeschichte.