Domenico Scarlatti: Meister der Cembalokunst

Leben

Giuseppe Domenico Scarlatti (getauft am 26. Oktober 1685 in Neapel; gestorben am 23. Juli 1757 in Madrid) war ein italienischer Komponist, der wie Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel im selben Jahr geboren wurde. Er war das sechste von zehn Kindern des berühmten Opernkomponisten Alessandro Scarlatti und erhielt seine frühe musikalische Ausbildung wohl von seinem Vater sowie möglicherweise von Gaetano Greco und Francesco Gasparini.

Scarlattis frühe Karriere begann in Neapel, wo er 1701 als Organist und Komponist an der königlichen Kapelle tätig war. Um 1705 schickte ihn sein Vater nach Venedig, um sich von der „nutzlosen Leidenschaft für die Oper“ zu befreien und sich auf das Studium der Musik zu konzentrieren. Dort lernte er vermutlich Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel kennen, mit dem er in Rom 1709 an einem berühmten Cembalo- und Orgelwettstreit teilnahm, den Händel an der Orgel gewann, Scarlatti jedoch am Cembalo als überlegen galt.

Von 1709 bis 1714 stand Scarlatti im Dienst der polnischen Königin Maria Casimira in Rom und komponierte Opern für ihr privates Theater. Danach war er von 1714 bis 1719 Kapellmeister der Cappella Giulia am Petersdom. Ein Wendepunkt in seinem Leben war die Übersiedlung nach Lissabon im Jahr 1719, wo er als Hofkapellmeister und Musiklehrer der portugiesischen Prinzessin Maria Bárbara tätig war. Diese Verbindung sollte sein weiteres Leben und sein Schaffen maßgeblich prägen.

Als Maria Bárbara 1729 den spanischen Kronprinzen Ferdinand (später Ferdinand VI.) heiratete, folgte Scarlatti ihr an den spanischen Hof in Sevilla und später nach Madrid. Hier verbrachte er den Großteil seines restlichen Lebens im königlichen Dienst. Er komponierte in dieser Zeit den überwiegenden Teil seiner berühmten Cembalosonaten, oft für seine königliche Schülerin, die selbst eine hochbegabte Musikerin war. Scarlatti wurde 1738 vom portugiesischen König João V. in den Ritterstand des Christusordens erhoben. Er verstarb 1757 in Madrid.

Werk

Obwohl Scarlatti auch Opern, Kantaten und sakrale Musik komponierte, sind es seine rund 555 überlieferten einsätzigen Cembalosonaten (oft mit 'K.' für Kirkpatrick oder 'L.' für Long katalogisiert), die seinen unvergleichlichen Ruhm begründen und sein Vermächtnis dominieren. Diese Sonaten, die fast alle in den letzten Jahrzehnten seines Lebens entstanden sind, stellen eine der bedeutendsten Sammlungen von Tastenmusik des 18. Jahrhunderts dar.

Die Sonaten sind fast ausschließlich in der zweiteiligen Form (A-B) gehalten, wobei der erste Teil von der Tonika zur Dominante (oder Durparallele) moduliert und der zweite Teil die Modulationen umkehrt, um zur Tonika zurückzukehren. Innerhalb dieser scheinbar einfachen Struktur entfaltet Scarlatti eine erstaunliche Vielfalt an musikalischen Ideen, harmonischer Kühnheit und technischer Innovation.

Charakteristisch für Scarlattis Stil sind:

  • Virtuosität: Extreme technische Anforderungen wie rasche Tonrepetitionen, schnelle Arpeggien, Oktavparallelen, Handkreuzungen, Akkordbrechungen, weite Sprünge und Glissandi.
  • Harmonische Kühnheit: Einsatz von Dissonanzen, Akkorden mit hinzugefügten Noten (z.B. Acciaccaturas), ungewöhnlichen chromatischen Wendungen und plötzlichen Modulationen.
  • Rhythmische Vitalität: Häufige Verwendung von Synkopen, plötzlichen Wechseln in Tempo und Metrum.
  • Folkloristische Elemente: Einflüsse spanischer Volksmusik, Gitarrenklänge und Tänze sind in vielen Sonaten spürbar, was ihnen einen einzigartigen Charakter verleiht.
  • Idiomatik des Instruments: Scarlattis Musik ist zutiefst auf die Möglichkeiten des Cembalos zugeschnitten. Er nutzte dessen spezifische Klangfarben und Artikulationsmöglichkeiten in einer Weise, die weit über seine Zeit hinauswies. Viele seiner Sonaten sind in Paaren konzipiert, die oft in der gleichen Tonart stehen und einen kontrastierenden Charakter aufweisen.
  • Bedeutung

    Domenico Scarlatti nimmt eine einzigartige Stellung in der Musikgeschichte ein. Er gilt als einer der Wegbereiter der modernen Klaviermusik und als Brücke zwischen dem Spätbarock und der frühen Klassik. Seine Cembalosonaten revolutionierten die Tasteninstrumentaltechnik und waren ihrer Zeit weit voraus. Er erweiterte nicht nur die technischen Möglichkeiten des Spiels, sondern auch die klanglichen und expressiven Potenziale des Cembalos.

    Scarlattis Einfluss erstreckte sich auf nachfolgende Generationen von Komponisten, insbesondere in Spanien und Portugal, wie beispielsweise Pater Antonio Soler. Seine Werke wurden auch von späteren Meistern wie Muzio Clementi und Ludwig van Beethoven studiert, oft über Czernys Editionen. Die Freiheit seiner Form, die Kühnheit seiner Harmonik und die Brillanz seiner Virtuosität inspirierten und faszinierten Musiker über Jahrhunderte hinweg.

    Heute sind Scarlattis Sonaten ein fester Bestandteil des Repertoires von Cembalisten und Pianisten gleichermaßen und werden für ihre Originalität, ihren Witz und ihre tiefgründige Musikalität geschätzt. Sie repräsentieren den Höhepunkt einer persönlichen und innovativen Tonsprache, die bis heute fasziniert.