# Ottorino Respighi (1879–1936)

Leben

Ottorino Respighi wurde am 9. Juli 1879 in Bologna geboren. Seine musikalische Ausbildung begann früh unter der Anleitung seines Vaters, eines Klavierlehrers. Er studierte Violine und Viola bei Federico Sarti am Liceo Musicale di Bologna, bevor er sich dem Kompositionsstudium bei Luigi Torchi und Giuseppe Martucci widmete und 1901 sein Diplom erhielt. Eine prägende Zeit verbrachte Respighi 1900–1901 in Sankt Petersburg, wo er bei Nikolai Rimski-Korsakow Orchestrierung studierte, was seinen Sinn für Klangfarben und üppige Instrumentation nachhaltig beeinflusste. Eine weitere wichtige Station war Berlin (1902–1903), wo er Max Bruch kennenlernte und möglicherweise weitere Anregungen für seinen spätromantischen Stil erhielt.

Nach seiner Rückkehr nach Italien arbeitete Respighi zunächst als Bratschist und war in Bologna als Lehrer tätig. 1913 zog er nach Rom, eine Stadt, die seine künstlerische Phantasie nachhaltig beflügelte. Er wurde Professor für Komposition am renommierten Conservatorio di Santa Cecilia und leitete es von 1923 bis 1926. Trotz seiner Verpflichtungen als Lehrer und später als Direktor konzentrierte er sich stets auf seine kompositorische Arbeit. Respighi war mit der Sängerin Elsa Olivieri-Sangiacomo verheiratet, die auch seine Schülerin war und viele seiner Lieder uraufführte. Er starb am 18. April 1936 in Rom an Herzversagen.

Werk

Respighis Œuvre ist von einer bemerkenswerten stilistischen Vielfalt geprägt, die Elemente des späten 19. Jahrhunderts, des Impressionismus und des Neoklassizismus miteinander verbindet. Sein Hauptaugenmerk lag auf der Orchester- und Bühnenmusik, wobei er stets eine Affinität zu programmatischer Musik und zur Revitalisierung älterer musikalischer Formen zeigte.

Orchesterwerke

Sein Ruhm basiert maßgeblich auf seinen Orchesterwerken, insbesondere der Römischen Trilogie:
  • *Fontane di Roma* (Brunnen von Rom, 1916): Eine poetische Beschreibung der berühmten römischen Brunnen zu verschiedenen Tageszeiten.
  • *Pini di Roma* (Pinien von Rom, 1924): Vier Sätze, die verschiedene Pinienhaine Roms und das pulsierende Leben der Stadt in Tönen einfangen, berühmt für die Verwendung einer Schallplatte (Nachtigallen-Gesang) und die mächtige Darstellung der Legionäre auf der Via Appia.
  • *Feste Romane* (Römische Feste, 1928): Eine klangvolle und farbenreiche Darstellung römischer Festlichkeiten, von antiken Gladiatorenkämpfen bis zum Jahrmarkt.
  • Weitere bedeutende Orchesterwerke sind:

  • *Antiche arie e danze per liuto* (Alte Weisen und Tänze für Laute, 3 Suiten, 1917, 1924, 1932): Eine meisterhafte Orchestrierung und Bearbeitung von Lautenmusik aus der italienischen Renaissance und dem Frühbarock, die Respighis neoklassizistische Tendenz und sein Interesse an historischer Musik zeigt.
  • *Gli uccelli* (Die Vögel, 1927): Eine charmante Orchestersuite, basierend auf Barockmusik, die verschiedene Vogelarten in musikalische Charaktere umsetzt.
  • *Impressioni brasiliane* (Brasilianische Impressionen, 1927): Eine Reise nach Brasilien inspirierte diese farbenfrohe Suite.
  • Bühnenwerke

    Obwohl er in Italien lebte, wo die Oper dominierte, sind Respighis Opern weniger bekannt als seine Orchesterwerke. Dennoch schuf er bedeutende Bühnenwerke:
  • *Belfagor* (1923): Eine komische Oper.
  • *La campana sommersa* (Die versunkene Glocke, 1927): Eine Oper nach Gerhart Hauptmanns Drama.
  • *Maria egiziaca* (Die ägyptische Maria, 1932): Eine „mistero“ (Mysterium) oder oratorische Oper.
  • *La fiamma* (Die Flamme, 1934): Seine erfolgreichste Oper, ein Melodramma.
  • Kammermusik und Vokalwerke

    Respighi komponierte auch eine Reihe von Kammermusikstücken (z. B. Streichquartette, Sonaten für Violine und Klavier) und zahlreiche Lieder, die von lyrischer Schönheit zeugen.

    Bedeutung

    Ottorino Respighi gilt als einer der wichtigsten italienischen Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts, der das italienische Musikleben über die Dominanz der Oper hinaus bereicherte. Er war ein Meister der Orchestrierung, fähig, eine immense Palette an Klangfarben und Texturen zu schaffen, die von schwelgender Spätromantik bis zu filigranem Impressionismus reichten. Seine Musik zeichnet sich durch lebendige Melodien, reiche Harmonien und eine brillante Instrumentierung aus, die den Einfluss Rimski-Korsakows deutlich erkennen lässt.

    Respighi spielte eine Schlüsselrolle bei der Wiederbelebung und Neuinterpretation alter italienischer Musik. Durch seine Bearbeitungen von Stücken aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, insbesondere in den Suiten der *Antiche arie e danze*, führte er einem breiten Publikum die Schönheit und Eleganz dieser Musik vor Augen und trug zur neoklassizistischen Bewegung bei, die das 20. Jahrhundert prägte.

    Obwohl ihm von manchen Kritikern eine gewisse Oberflächlichkeit oder mangelnde Tiefe im Vergleich zu zeitgenössischen Modernisten vorgeworfen wurde, ist der anhaltende Erfolg seiner Römischen Trilogie und die Beliebtheit seiner anderen Orchesterwerke ein testamentarisches Zeugnis für seine Fähigkeit, evocative und mitreißende Musik zu schaffen. Seine Werke sind feste Bestandteile des Konzertrepertoires weltweit und beweisen seine Meisterschaft im Umgang mit Klang und Form, die ihn zu einem herausragenden Vertreter des italienischen Komponierens zwischen zwei Weltkriegen machen.