Lexikon A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Isorhythmie Isorhythmie (auch Isorhythmik, gr.: gleiche rhythmische Ordnung) ist ein Gestaltungsprinzip der Motette im 14. und 15. Jahrhundert. Bei der Isorhythmie wird eine rhythmische Struktur abschnittsweise wiederholt, wobei die Tonhöhen in der Regel wechseln. Das rhythmische Modell, das sich wiederholt, wird talea (nach dem lateinischen Begriff für "Strophe", da es im Normalfall mit der strophischen Form des Textes korrespondiert) genannt. Dieses Modell muss dabei nicht immer streng in allen Stimmen durchgehalten werden, Tenor und Kontratenor weisen es jedoch stets auf. Das Besondere der isorhythmischen Motette des 14. und 15. Jahrhunderts (die als Höhepunkt der Ars nova gilt) ist, dass die wiederholten rhythmischen Abschnitte nicht deckungsgleich mit den melodischen Abschnitten (den sogenannten colores) sein müssen, wodurch sich Verschiebungen ergeben können. Besonders ausgeprägt findet sich diese Art der Isorhythmie bei den Motetten des Guillaume de Machaut. Ein Vorläufer der Isorhythmie, bei der die talea nur in der Tenorstimme wiederholt werden, ist die Isoperiodik der Motette der Ars antiqua. Im 20. Jahrhundert wurde die Isorhythmie von Anton Webern, Igor Strawinsky und Witold Lutosławski für einige Kompositionen erneut genutzt. Die Begriffe "Isorhythmie" und "Isoperiodik" sind dabei moderne Bezeichnungen, die erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Friedrich Ludwig geprägt wurden.