La Resurrezione (HWV 47)
Leben: Händels römische Jahre und die Geburt eines Meisterwerks
Georg Friedrich Händels (1685–1759) Reise nach Italien (1706–1710) markiert eine entscheidende Phase in seiner künstlerischen Entwicklung. Nach ersten Erfolgen in Hamburg suchte der junge Komponist die Wiege der Oper und des Oratoriums auf, um sein Handwerk zu verfeinern. In Florenz, Venedig und insbesondere in Rom fand er ein inspirierendes Umfeld und einflussreiche Mäzene. Während in Rom ein päpstliches Dekret Opernaufführungen verbot, erlebte das Oratorium als geistliches Drama in italienischer Sprache eine Blütezeit. In dieser Atmosphäre entstand 1708 *La Resurrezione*, ein Auftragswerk für den Prinzen Francesco Maria Ruspoli.
Werk: Dramatik, Virtuosität und musikalische Malerei
*La Resurrezione* (HWV 47), vollständig *La Resurrezione di Nostro Signore Gesù Cristo*, ist ein Oratorium in zwei Teilen, das zu Ostern 1708 im Palazzo Ruspoli in Rom uraufgeführt wurde. Das Libretto stammt von Carlo Sigismondo Capece und behandelt die Ereignisse zwischen Karfreitag und Ostersonntag, fokussierend auf die Verkündigung der Auferstehung. Die Handlung ist personifiziert durch allegorische und biblische Figuren:
Händel setzte ein großes Orchester für die damalige Zeit ein, darunter Trompeten, Oboen, Flöten, Fagott, Streicher und Basso continuo. Diese reiche Instrumentierung ermöglichte ihm eine außerordentliche Klangvielfalt und dramatische Wirkung. Besonders hervorzuheben ist die virtuose Partie des Angelo mit einer anspruchsvollen obligaten Trompetenbegleitung, die eine fast opernhafte Brillanz entfaltet. Auch die Arien der Maddalena und Cleofe sind reich an Koloraturen und expressivem Pathos.
Musikalisch zeichnet sich *La Resurrezione* durch eine meisterhafte Verschmelzung des italienischen Opernstils mit der sakralen Dramatik aus. Händel nutzt recitativi accompagnati, um die Handlung voranzutreiben, und arien da capo, um die emotionalen Zustände der Charaktere tiefgründig zu beleuchten. Er beherrscht die Kunst der musikalischen Malerei, etwa in Lucifers Arien, die seine Verzweiflung und seinen Sturz mit dramatischen Intervallen und dissonanten Harmonien unterstreichen, oder in den jubilierenden Klängen, die die Hoffnung und Freude der Auferstehung verkünden.
Bedeutung: Eine Brücke zu Händels Meisteroratorien
*La Resurrezione* ist mehr als nur ein frühes Werk Händels; es ist ein Eckpfeiler seines italienischen Schaffens und ein bedeutendes Zeugnis seiner künstlerischen Reife. Das Oratorium demonstriert Händels frühe Beherrschung des italienischen Stils und seine Fähigkeit, geistliche Stoffe mit opernhafter Lebendigkeit und dramatischer Intensität zu füllen. Es diente ihm als Experimentierfeld, auf dem er Techniken und Ausdrucksmittel entwickelte, die er später in seinen berühmten englischen Oratorien wie *Messiah* und *Saul* perfektionieren sollte.
Das Werk zeigt zudem Händels progressiven Einsatz des Orchesters als gleichberechtigten dramatischen Partner, nicht nur als Begleitung. Die herausfordernden Instrumentalparts und die virtuosen Vokalpartien machten es zu einem technischen wie emotionalen Höhepunkt seiner Zeit. Auch wenn *La Resurrezione* lange im Schatten seiner späteren Werke stand, gilt es heute als eines der schönsten und musikhistorisch bedeutsamsten Oratorien des frühen 18. Jahrhunderts und als ein entscheidender Schritt in Händels Entwicklung zum Meister des epischen Musikdramas.