# Rienzi, der Letzte der Tribunen
Leben und Kontext
Richard Wagners Oper *Rienzi, der Letzte der Tribunen* (WWV 49) nimmt eine einzigartige Stellung im Œuvre des Komponisten ein. Entstanden zwischen 1838 und 1840, in einer Phase, in der Wagner in Riga und später im Exil in Paris lebte, spiegelt das Werk seine Ambition wider, sich im etablierten Opernbetrieb des 19. Jahrhunderts zu etablieren. Beeinflusst von den Erfolgen der französischen Grand opéra, insbesondere den Werken Giacomo Meyerbeers und Daniel-François-Esprit Aubers, adaptierte Wagner bewusst deren Stilmittel: ein historisches Sujet, spektakuläre Massenszenen, Balletteinlagen und eine prachtvolle Orchestrierung. Die Uraufführung fand am 20. Oktober 1842 in der Hofoper Dresden statt und war ein triumphaler Erfolg, der Wagner erstmals öffentliche Anerkennung und finanzielle Sicherheit verschaffte. Dieser Erfolg ermöglichte es ihm, seine künstlerischen Visionen weiter zu verfolgen und sich von den Konventionen der Grand opéra allmählich zu lösen.
Werk und musikalische Charakteristika
Das Libretto, von Wagner selbst verfasst, basiert auf dem gleichnamigen Roman *Rienzi, the Last of the Roman Tribunes* von Edward Bulwer-Lytton. Es erzählt die tragische Geschichte des römischen Volkstribunen Cola Rienzi im 14. Jahrhundert, der versucht, die Republik wiederherzustellen und die korrupte Adelsherrschaft zu beenden. Trotz anfänglicher Erfolge und der Begeisterung des Volkes scheitert Rienzi letztlich an politischen Intrigen, der Wankelmütigkeit der Bevölkerung und einem exkommunizierenden Klerus. Er stirbt in den Flammen des Kapitols, vom Volk verlassen.
Musikalisch ist *Rienzi* ein Paradebeispiel der Grand opéra. Die Partitur ist durchzogen von glänzenden Arien, dramatischen Duetten, großangelegten Chören und pompösen Märschen. Berühmte Abschnitte sind die Ouvertüre, die zu einem eigenständigen Konzertstück avancierte, und Rienzis Gebet „Allmächt’ger Vater“. Obwohl das Werk noch nicht die durchgängige musikalische Form und die komplexe Leitmotivtechnik seiner späteren Musikdramen aufweist, zeigt es doch Wagners außergewöhnliches Talent für dramatische Steigerungen, farbenreiche Orchestrierung und die Gestaltung wirkungsvoller Bühnenmomente. Die Musik ist melodiöser und formal traditioneller als seine späteren Schöpfungen, offenbart aber bereits eine Kraft und einen Ausdruckswillen, die über die bloße Konvention hinausweisen.
Bedeutung und Rezeption
*Rienzi* markiert einen entscheidenden Wendepunkt in Wagners Karriere. Es war das Werk, das ihm in Dresden, seiner ersten wichtigen Wirkungsstätte, den Weg ebnete und seine Bekanntheit weit über Deutschland hinaus verbreitete. Obwohl Wagner sich später von diesem Frühwerk distanzierte und es als Jugendwerk im „alten Stil“ abtat, welches er in seiner Konzeption des Gesamtkunstwerks überholt sah, ist seine Bedeutung unbestreitbar. Es ermöglichte ihm, seine Fähigkeiten in der großformatigen musikalischen Dramaturgie zu entwickeln und die Möglichkeiten der Oper als Gesamtkunstwerk auszuloten – Fertigkeiten, die für die Entstehung seiner späteren Meisterwerke wie *Der Fliegende Holländer*, *Tannhäuser* und insbesondere den *Ring des Nibelungen* unerlässlich waren.
Die Oper genießt bis heute aufgrund ihrer eingängigen Melodien, ihrer dramatischen Wucht und ihres schillernden Charakters eine gewisse Popularität. Sie bleibt ein wichtiges Zeugnis für Wagners frühe Entwicklung und seine Auseinandersetzung mit den vorherrschenden musikalischen Strömungen seiner Zeit, bevor er die Operngeschichte mit seinen revolutionären Musikdramen neu definierte.