# Louise (Oper)
Leben und Kontext des Komponisten
Gustave Charpentier (1860–1956), ein Schüler von Jules Massenet am Pariser Konservatorium und Gewinner des Prix de Rome, war zutiefst von den sozialen Fragen seiner Zeit geprägt. Seine musikalische Vision war untrennbar mit dem Leben der einfachen Leute, insbesondere der Pariser Arbeiterklasse, verbunden. Er gründete das „Conservatoire de Mimi Pinson“, um jungen Arbeiterinnen kostenlosen Musikunterricht zu ermöglichen, und sah die Kunst als Mittel zur Verbesserung der Gesellschaft. Dieser soziale Realismus und sein Engagement für die Emanzipation der Frau bildeten die ideologische Grundlage für sein Meisterwerk „Louise“.Das Werk: „Louise“
„Louise“ ist eine *Opéra-comique* (obwohl sie heute meist durchkomponiert aufgeführt wird und die ursprünglichen gesprochenen Dialoge oft ersetzt sind), die am 2. Februar 1900 an der Opéra-Comique in Paris ihre triumphale Premiere feierte. Charpentier verfasste nicht nur die Musik, sondern auch das Libretto selbst, was die Einheit von Wort und Ton in diesem Werk unterstreicht. Die Oper ist eine Liebeserklärung an Paris und gleichzeitig eine scharfe soziale Studie.Handlung
Die Oper spielt im zeitgenössischen Paris um die Jahrhundertwende und folgt der jungen Näherin Louise, die sich in den Dichter Julien verliebt. Ihre Eltern, konservative Arbeiter, missbilligen die Verbindung und wollen, dass Louise einen stabilen, bürgerlichen Mann heiratet. Dies führt zu einem tiefen Konflikt zwischen elterlicher Autorität und dem Wunsch nach persönlicher Freiheit und Liebe (Akt I).Im zweiten Akt wird die Anziehungskraft Montmartres und das Versprechen eines freien Lebens, das Julien Louise bietet, lebendig dargestellt. Die pulsierende Stadt, ihre Geräusche und ihre Bewohner werden musikalisch greifbar, und Louise entscheidet sich, mit Julien zu fliehen, um ihr eigenes Glück zu suchen.
Akt III zeigt Louise und Julien in ihrem bescheidenen Zuhause auf Montmartre, wo sie ihre Liebe in Freiheit leben. Louises berühmte Arie „Depuis le jour“ ist Ausdruck ihres Glücks. Doch Louises Mutter sucht sie auf und fleht sie an, nach Hause zurückzukehren, da ihr Vater schwer krank sei und sie vermisse.
Im vierten Akt ist Louise widerwillig nach Hause zurückgekehrt. Sie fühlt sich eingeengt und vermisst Julien und die Freiheit von Paris. Ihr Vater, zunächst reumütig, wird wütend, als er Louises Sehnsucht spürt, und vertreibt sie schließlich mit einem Fluch gegen Paris. Louise eilt hinaus, dem Ruf der Stadt und der Freiheit folgend, und lässt ihre Eltern verzweifelt zurück.