Leben und Entstehung
Das lateinische Intermezzo Apollo et Hyacinthus, seu Hyacinthi Metamorphosis (KV 38) entstand im Frühjahr 1767, als Wolfgang Amadeus Mozart gerade elf Jahre alt war. Es wurde für die Benediktineruniversität Salzburg komponiert und diente als musikalische Einlage – ein sogenanntes Intermezzo – für das größere lateinische Schuldrama „Clementia Croesi“ von P. Rufinus Widl. Die Uraufführung fand am 13. Mai 1767 im Rahmen der jährlichen Schulfeierlichkeiten statt. Die Entstehung dieses Werks ist ein eindrückliches Zeugnis von Mozarts frühkindlicher Genialität und seiner Fähigkeit, komplexe musikalische Dramen bereits in jungen Jahren zu meistern. Der Auftrag aus dem universitären Umfeld unterstreicht die Wertschätzung und Anerkennung, die dem jungen Wunderkind in seiner Heimatstadt entgegengebracht wurde. In der Köchelverzeichnis-Revisionsgeschichte ist das Werk unter der Nummer KV 38 (ehemals KV 42a) verzeichnet, was seine chronologische Einordnung in Mozarts Schaffen widerspiegelt.
Werk und Eigenschaften
Das Libretto von P. Rufinus Widl basiert auf den Metamorphosen Ovids und erzählt die tragische Geschichte um den schönen Hyacinthus. Im Zentrum der Handlung steht eine Liebesgeschichte, die in eine Katastrophe mündet: Der Gott Apoll verliebt sich in Hyacinthus, wird aber von Zephyr, der ebenfalls in Hyacinthus verliebt ist, beneidet. Während eines Diskusspiels lenkt Zephyr den Diskus des Apoll ab, sodass dieser Hyacinthus tödlich am Kopf trifft. Aus dem Blut des Hyacinthus lässt Apoll eine Blume, die Hyazinthe, entstehen. Die Charaktere umfassen König Oebalus (Tenor), seine Töchter Melia (Sopran) und Hyacinthus (Sopran, in einer Hosenrolle), den Gott Apoll (Tenor) und Zephyr (Alt, ebenfalls in einer Hosenrolle).
Musikalisch ist das Werk in drei Akte gegliedert und zeigt bereits eine erstaunliche Reife für einen elfjährigen Komponisten. Die Partitur ist für zwei Oboen, zwei Hörner, Streicher und Basso continuo gesetzt. Mozart demonstriert hier schon sein untrügliches Gespür für dramatische Ausdruckskraft in den Rezitativen und Arien sowie seine Fähigkeit, Charaktere musikalisch zu zeichnen. Besonders hervorzuheben sind die emotionalen Arien, die trotz des jugendlichen Alters des Komponisten eine bemerkenswerte melodische Schönheit und tiefgründige Empfindung offenbaren. Die Ensemble-Szenen zeigen zudem Mozarts frühe Meisterschaft in der Verknüpfung mehrerer Gesangslinien zu einem harmonischen Ganzen, was auf seine spätere Virtuosität in der Gestaltung großer Opernszenen vorausweist.
Bedeutung
Apollo et Hyacinthus ist von immenser Bedeutung als Mozarts erste vollständig erhaltene Oper und markiert seinen offiziellen Eintritt in die Welt des Musiktheaters. Es dient als Fundament für seine spätere, bahnbrechende Arbeit im Operngenre. Das Werk ist nicht nur ein beeindruckender Beweis für seine frühkindliche Begabung, sondern auch ein wichtiges Dokument für die musikalische Praxis und den Geschmack im Salzburg des 18. Jahrhunderts. Es zeigt, wie der junge Mozart die Konventionen der Oper seiner Zeit absorbierte und mit eigenem Genie zu füllen begann. Die frühe Auseinandersetzung mit dramatischen Stoffen und deren musikalischer Umsetzung legte den Grundstein für das Verständnis von Charakterentwicklung und emotionaler Tiefe, das später seine reifen Opern wie „Die Hochzeit des Figaro“, „Don Giovanni“ und „Die Zauberflöte“ auszeichnen sollte. Trotz seines Entstehungsalters ist „Apollo et Hyacinthus“ weit mehr als eine Fingerübung – es ist ein vollwertiges und fesselndes Werk, das den kommenden Opernmeister bereits klar erahnen lässt und einen festen Platz in der frühen Operngeschichte Mozarts einnimmt.