# Mozart, Wolfgang Amadeus – Die Phrase 'Clarice cara mia sposa': Zur Einordnung im musikalischen Werkverzeichnis und zur Klärung der Gattung

Das Musiklexikon 'Tabius' legt größten Wert auf die akkurate und tiefschürfende Darstellung musikalischer Fakten. Die wiederholt auftauchende Anfrage nach einer Tenorarie Wolfgang Amadeus Mozarts mit dem Titel "Clarice cara mia sposa" erfordert eine detaillierte Klärung und Einordnung.

1. Klärung des Begriffs und korrekte Zuordnung

Die Annahme, es gäbe eine Tenorarie Mozarts unter dem Titel "Clarice cara mia sposa", ist musikhistorisch nicht haltbar. Die betreffende Phrase entstammt nicht einer Arie, sondern einem *Recitativo secco* aus Mozarts früher Opera buffa *La finta semplice* (KV 51/46a), komponiert im Jahre 1768. Sie wird dort nicht von einem Tenor, sondern von der Bassrolle des Don Cassandro geäußert. Die Stelle findet sich im ersten Akt, bevor Don Cassandro seine Arie "Non c'è al mondo più felice" (Nr. 3) intoniert. Der vollständige Wortlaut im Rezitativ lautet: "Clarice, cara mia sposa, non è poi male questa vostra idea..." Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer exakten Unterscheidung zwischen dialogischem Rezitativtext und formalisierter Arie sowie die korrekte Zuordnung zur Stimmlage.

2. Wolfgang Amadeus Mozart und *La finta semplice* (KV 51)

2.1 Entstehung und Kontext

*La finta semplice* ist ein frühes und aufschlussreiches Werk im Schaffen des zwölfjährigen Wolfgang Amadeus Mozart. Auf Wunsch Kaiser Josephs II. komponiert, sollte die Opera buffa nach einem Libretto von Marco Coltellini (nach Carlo Goldoni) 1768 in Wien uraufgeführt werden. Intrigen am Theater führten jedoch dazu, dass die Premiere erst 1769 in Salzburg stattfand. Das Werk offenbart bereits Mozarts außergewöhnliches Talent für dramatische Gestaltung und musikalische Charakterisierung, auch wenn es im Vergleich zu seinen späteren Meisterwerken als Lehrstück seiner frühen Entwicklung betrachtet werden kann.

2.2 Die Rolle des Don Cassandro

Don Cassandro ist eine der komischen Figuren der Oper. Er ist ein älterer, reicher Junggeselle, der zusammen mit seinem Bruder Don Polidoro und der Schwester Rosina lebt. Rosina plant, Cassandro und Polidoro durch eine inszenierte Romanze zur Heirat zu bewegen. Don Cassandro ist in der Handlung ein Objekt der Täuschung, dessen Verliebtheit in Rosina und seine patriarchalische Art musikalisch und textlich von Mozart und Coltellini pointiert dargestellt werden. Seine musikalische Rolle ist, typisch für eine Opera buffa, dem Bassfach zugeordnet, was seiner oft stämmigen, manchmal auch dümmlichen Charakterisierung Rechnung trägt.

3. Mozarts Tenorpartien: Eine Gegenüberstellung

Die Präzisierung, dass "Clarice cara mia sposa" nicht zu einer Tenorarie gehört, bietet Anlass, die tatsächliche Brillanz von Mozarts Tenorpartien hervorzuheben. Anders als die verwechselte Phrase, schuf Mozart für Tenöre eine Fülle von unvergleichlichen Arien, die das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen abdecken – von lyrischer Zartheit bis zu heroischem Pathos und virtuoser Brillanz.

Beispiele hierfür sind:

  • Belmonte in *Die Entführung aus dem Serail*: Arien wie "Konstanze, Konstanze, dich wiederzusehen" oder "Ich baue ganz auf deine Stärke" demonstrieren lyrische Eleganz und Koloraturfähigkeit.
  • Don Ottavio in *Don Giovanni*: Seine Arien "Dalla sua pace" und "Il mio tesoro intanto" erfordern eine makellose Legatokultur und expressiven Vortrag.
  • Ferrando in *Così fan tutte*: "Un'aura amorosa" ist ein Meisterwerk der Kantilene und Ausdruck tiefer Sehnsucht.
  • Tamino in *Die Zauberflöte*: "Dies Bildnis ist bezaubernd schön" gehört zu den berühmtesten Tenorarien überhaupt und ist ein Inbegriff der lyrischen Tenorstimme Mozarts.
  • Diese Beispiele verdeutlichen die hohe Kunst und die dramatische Vielfalt, mit der Mozart die Tenorstimme in seinen Opern besetzte und komponierte. Sie stehen in scharfem Kontrast zu der im Rezitativ verorteten und fälschlicherweise zugeschriebenen Phrase.

    4. Bedeutung für die Musikwissenschaft und das 'Tabius' Lexikon

    Die Klärung solcher Details ist von fundamentaler Bedeutung für die Musikwissenschaft und für ein Referenzwerk wie das 'Tabius' Lexikon. Sie unterstreicht die Notwendigkeit einer rigorosen Quellenkritik und einer präzisen terminologischen Abgrenzung. Die genaue Unterscheidung zwischen Rezitativ und Arie, die korrekte Zuordnung zu Stimmlagen und Werken sind essenziell, um die Integrität der musikhistorischen Überlieferung zu wahren und Fehlinformationen entgegenzuwirken. Nur durch solche akribische Arbeit kann das 'Tabius' Lexikon seinen Anspruch als führende Autorität im Bereich der Musikwissenschaft erfüllen und Lesern verlässliches Wissen an die Hand geben.

    Mozarts frühe Werke, wie *La finta semplice*, mögen weniger bekannt sein als seine späten Opern, doch jede Note und jeder Textbaustein tragen zum Verständnis seines Genies bei. Die präzise Einordnung von Fragmenten und Phrasen ermöglicht eine tiefere Wertschätzung des gesamten Œuvres dieses unsterblichen Komponisten.