Leben

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) begann mit der Komposition von „Lo sposo deluso“ (KV 424a/430) im Jahr 1783 in Wien, einer Zeit intensiver künstlerischer Aktivität nach dem Erfolg seiner Oper „Die Entführung aus dem Serail“ (1782). In diesen Jahren etablierte sich Mozart als freischaffender Komponist und Pianist in der kaiserlichen Hauptstadt, stets auf der Suche nach lukrativen Aufträgen für das Hoftheater. Obwohl das Werk über das Stadium von Fragmenten nicht hinauskam, fällt es in eine entscheidende Phase seiner Entwicklung, in der er die Form der italienischen Opera buffa intensiv erforschte, was später in seinen wegweisenden Da-Ponte-Opern gipfeln sollte. Der Librettist ist nicht eindeutig identifiziert, doch die Forschung spekuliert über Namen wie Giuseppe Petrosellini oder Lorenzo da Ponte, wobei letzterer später Mozarts kongenialer Partner für „Le nozze di Figaro“, „Don Giovanni“ und „Così fan tutte“ werden sollte. Die Gründe für die Aufgabe des Projekts sind vielschichtig: Möglicherweise mangelndes Interesse Mozarts am Libretto, Schwierigkeiten mit der Finanzierung oder ein konkurrierendes Opernprojekt, „L'oca del Cairo“, das ebenfalls unvollendet blieb.

Werk

„Lo sposo deluso, ossia La rivalità di tre donne per un solo amante“ war als Opera buffa in zwei Akten konzipiert. Die Handlung dreht sich um eine klassische Konstellation der komischen Oper: Drei Frauen – Eugenia (ein römisches Patrizierfräulein), Bettina (eine weitere Patrizierin) und Mandina (Nichte des geizigen Bocconio) – buhlen um die Gunst des reichen Junggesellen Pulcherio. Weitere Charaktere sind der ältere, eifersüchtige Offizier Don Asdrubale und der schon erwähnte Bocconio. Die amourösen Verwicklungen und Intrigen, die sich aus dieser Konstellation ergeben, hätten reichlich Potenzial für humorvolle und dramatische Entwicklungen geboten.

Von dem Werk sind lediglich Fragmente erhalten geblieben, die jedoch von bemerkenswerter Qualität sind und Mozarts meisterliche Hand bereits erkennen lassen: Eine Skizze zur Ouvertüre in C-Dur, vier vollendete oder weit fortgeschrittene Arien (darunter „Ah, che ridere!“ für Eugenia und „Vi sono spose e spose“ für Bettina) sowie ein Terzett („Mandina amabile“). Diese musikalischen Nummern zeigen Mozarts Gespür für charakteristische Melodien, virtuose Koloraturen und eine reiche orchestrale Behandlung, die bereits auf die musikalische Komplexität seiner späteren Opern hindeuten.

Bedeutung

Obwohl „Lo sposo deluso“ unvollendet blieb, ist es von erheblicher musikwissenschaftlicher Bedeutung. Es fungiert als eine Art „Laboratorium“, in dem Mozart seine Fähigkeiten in der italienischen Opera buffa verfeinerte, bevor er mit den großen Da-Ponte-Opern die Gattung revolutionierte. Die erhaltenen Fragmente sind keine bloßen Skizzen, sondern hoch entwickelte musikalische Gedanken, die das enorme Potenzial des Projekts erahnen lassen. Sie demonstrieren Mozarts Beherrschung des italienischen Stils, seine Fähigkeit zur prägnanten musikalischen Charakterisierung und sein Talent, dramatische Situationen mit Witz und Eleganz zu vertonen.

Das Werk bietet wertvolle Einblicke in Mozarts Kompositionsprozess und seine musikalisch-dramaturgische Herangehensweise in den frühen Wiener Jahren. Es zeigt, wie er die Tradition der Opera buffa aufnahm und mit seinem eigenen, unverwechselbaren Genius weiterentwickelte. Für das Verständnis von Mozarts Gesamtwerk und seiner Entwicklung als Opernkomponist stellt „Lo sposo deluso“ somit ein faszinierendes, wenn auch unvollständiges, Puzzlestück dar, das die Brücke zwischen seinen früheren Bühnenwerken und den späteren Meisterwerken schlägt.