Leben und Entstehung
Das „Libro llamado Arte de tañer fantasia, assi para Tecla como para Vihuela y todo instrumento de tres o quatro ordenes“ (Buch genannt die Kunst, Phantasie zu spielen, sowohl für Tasteninstrumente als auch für Vihuela und jedes Instrument mit drei oder vier Stimmen) wurde vom Dominikanermönch und Organisten Fray Tomás de Santa María (ca. 1510–1570) verfasst und 1565 in Valladolid veröffentlicht. Es entstand in einer Blütezeit der spanischen Renaissance, in der die Musiktheorie und -praxis, insbesondere im Bereich der Polyphonie und Improvisation, eine hohe Wertschätzung genossen. Das Werk adressierte den wachsenden Bedarf an einer systematischen Lehrmethode für das anspruchsvolle polyphone Spiel und die Improvisation auf Tasteninstrumenten wie Orgel, Cembalo und Clavichord.Werk und Eigenschaften
Das „Arte de tañer fantasía“ ist in zwei Bücher unterteilt: Das erste widmet sich der umfassenden Theorie des Kontrapunkts und der Komposition von Fantasien, während das zweite die praktische Anwendung mit detaillierten Spielanweisungen behandelt.Bedeutung
Das „Arte de tañer fantasía“ ist ein pädagogischer Meilenstein und gilt als eines der wichtigsten und umfassendsten Lehrbücher für Tasteninstrumente des 16. Jahrhunderts. Seine systematische und detaillierte Methodik beeinflusste nachhaltig Generationen von Musikern in Spanien und darüber hinaus. Für die historische Aufführungspraxis ist es eine unverzichtbare Quelle, da es detaillierte Einblicke in Improvisationsmethoden, Fingersatztechniken und Ornamentik der spanischen Renaissance bietet.Das Werk klärt viele Aspekte der Renaissance-Kompositionslehre des Kontrapunkts, die in Kompositionen oft nur implizit vorhanden sind. Es trug maßgeblich zur Entwicklung einer spezifischen, idiomatischen Tastenmusik bei, indem es die technischen und musikalischen Möglichkeiten des Instruments systematisch erschloss. Sein Einfluss erstreckt sich auf die gesamte europäische Musiktheorie und -praxis und ist ein Schlüssel zum Verständnis des Übergangs von mündlicher zu schriftlich kodifizierter musikalischer Praxis.