Einleitung

Der Ausdruck „Herr, wie du willt, so schick's mit mir“ bezeichnet eine der fundamentalsten und theologisch tiefgründigsten Choralstrophen des protestantischen Liedgutes. Als Bekenntnis grenzenloser Ergebenheit in den göttlichen Willen hat dieser Text über Jahrhunderte hinweg Gläubigen Trost und Orientierung gespendet und unzählige musikalische Interpretationen inspiriert, unter denen die von Johann Sebastian Bach eine herausragende Stellung einnimmt.

Ursprung und theologische Prägung

Der Text „Herr, wie du willt, so schick's mit mir“ stammt von Kaspar Bienemann (auch *Casparus Bienemann* oder *Bienemannus*; 1540–1591), einem lutherischen Theologen und Hofprediger in Weimar. Erstmals publiziert wurde der Choral im Jahr 1582 im Gesangbuch *Geistliche Lieder und Psalmen* zu Regensburg. Bienemanns Dichtung ist ein Ausdruck tiefster Pietät und leitet sich von dem biblischen Motiv des Gehorsams und der Demut vor Gottes souveränem Plan ab, wie es etwa im Vaterunser „Dein Wille geschehe“ oder in Jesu Gebet am Ölberg „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ (Lk 22,42) manifestiert wird. Der Text, bestehend aus mehreren Strophen, artikuliert die Bereitschaft des Gläubigen, Freud und Leid gleichermaßen als Teil des göttlichen Ratschlusses anzunehmen, und verspricht in dieser Haltung eine letzte Geborgenheit. Die Melodie, die heute allgemein mit Bienemanns Text assoziiert wird, stammt von Cyriakus Schneegass (1579) oder wird auch Joachim Magdeburg (1572) zugeschrieben und zeichnet sich durch ihre schlichte, doch ausdrucksstarke Würde aus.

Musikalische Rezeption und Meisterwerke

Die theologische Tiefe und die musikalische Eindringlichkeit des Chorals machten ihn zu einem bevorzugten Gegenstand kompositorischer Bearbeitungen. Johann Sebastian Bach (1685–1750) schuf die wohl bedeutendste Vertonung des Textes in seiner Kantate BWV 73, „Herr, wie du willt, so schick's mit mir“. Komponiert für den dritten Sonntag nach Epiphanias im Jahr 1724 in Leipzig, ist diese Kantate ein Musterbeispiel für Bachs Fähigkeit, theologische Inhalte musikalisch zu durchdringen.
  • BWV 73 – „Herr, wie du willt, so schick's mit mir“: Die Kantate beginnt mit einem monumentalen Eingangschor, der die erste Strophe von Bienemanns Choral aufgreift. Bach verbindet hier in kunstvoller Weise das Choralthema mit einer virtuosen Orchesterbegleitung und eindringlichen Solopassagen für Bass, Tenor und Sopran. Das Werk zeichnet sich durch eine reiche Affektpalette aus, die von der anfänglichen drängenden Bitte bis zur späteren kontemplativen Annahme reicht. Der Schlusschoral der Kantate verwendet die letzte Strophe des Liedes und fasst die spirituelle Botschaft in schlichter, ergreifender Harmonie zusammen. Die musikalische Darstellung von Hingabe, Zweifel und letztendlicher Gewissheit macht BWV 73 zu einem Schlüsselwerk Bachscher Kirchenmusik.
  • Weitere Verwendungen: Bach nutzte die Choralmelodie und Textfragmente auch in anderen Kontexten. So findet sich die Melodie beispielsweise im berühmten Choral „Ich will hier bei dir stehen“ aus der *Matthäus-Passion* (BWV 244), was ihre weitreichende theologische und emotionale Assoziation unterstreicht. Auch in zahlreichen Choralvorspielen für Orgel, die oft im Umfeld von Passion und Sterben stehen, spielt die Melodie eine Rolle.
  • Theologische und kulturelle Bedeutung

    „Herr, wie du willt, so schick's mit mir“ verkörpert ein zentrales Element lutherischer Frömmigkeit: die totale Subordination des menschlichen Willens unter den göttlichen. Dieser Gedanke ist nicht Ausdruck passiver Resignation, sondern aktiven Vertrauens und Trostes in einer Welt voller Ungewissheit und Leid. Der Choral bietet eine spirituelle Ankerstelle, die lehrt, dass selbst in Widrigkeiten ein höherer Sinn verborgen liegt und dass die Hingabe an diesen Sinn Frieden schenkt. Er hat Generationen von Gläubigen durch persönliche Krisen und historische Umbrüche begleitet.

    Fazit

    Der Choral „Herr, wie du willt, so schick's mit mir“ ist weit mehr als nur ein liturgischer Gesang; er ist ein tiefes theologisches Bekenntnis, das durch die genialen musikalischen Interpretationen, insbesondere durch Johann Sebastian Bach, eine unsterbliche Form gefunden hat. Als Ausdruck von Demut, Vertrauen und spiritueller Gelassenheit bleibt er ein unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen und religiösen Erbes und ein zeitloses Zeugnis der Kraft des Glaubens in der Musik.