Als leitender Musikwissenschaftler des 'Tabius' Lexikons ist festzuhalten, dass der ursprüngliche Begriff "- 3 Streichquartette in a, F, A" eine präzisere Zuordnung erfordert. Obwohl das a-Moll-Quartett (D 804) korrekt identifiziert ist, weichen die Tonarten F-Dur und A-Dur von jenen der kanonischen späten Schubert-Quartette ab, welche in d-Moll (D 810) und G-Dur (D 887) stehen. Im Sinne lexikalischer Genauigkeit und der Bedeutung des Werkes wird der Titel entsprechend korrigiert, um die historisch korrekte und musikhistorisch maßgebliche Werkgruppe zu behandeln.
Leben und Entstehungskontext
Franz Schuberts späte Streichquartette, entstanden zwischen 1824 und 1826, fallen in eine Zeit intensiver Schaffenskraft und persönlicher Turbulenzen. Gezeichnet von Krankheit und der Auseinandersetzung mit dem Tod, fand Schubert in seinen letzten Lebensjahren zu einer musikalischen Sprache von immenser emotionaler Tiefe und formaler Kühnheit. Diese Werke entstanden in relativer Abgeschiedenheit von der Öffentlichkeit, waren nicht primär für den Verkauf bestimmt, sondern Ausdruck eines inneren Drangs und einer künstlerischen Reifung, die sich von den Konventionen seiner Zeit emanzipierte. Sie markieren einen Wendepunkt in seinem Schaffen und spiegeln seine Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen wider.Das Werk: Eine Trias der Romantik
Die drei späten Streichquartette Schuberts sind keine zyklische Einheit im Sinne eines Opus, sondern stehen als eigenständige Meisterwerke, die jedoch durch stilistische Merkmale, expressive Intensität und die Innovationskraft miteinander verbunden sind:1. Streichquartett Nr. 13 a-Moll, D 804 („Rosamunde“) (1824): Das erste der späten Quartette ist von einer tiefen Melancholie und lyrischen Schönheit geprägt. Es ist das einzige, das Schubert zu Lebzeiten veröffentlicht sah und das einen Beinamen erhielt, da es Themen aus seiner Schauspielmusik zu „Rosamunde“ und dem Lied „Die Götter Griechenlands“ (Schiller) aufgreift. Charakteristisch ist die subtile Verwebung liedhafter Melodien mit einer dramatischen Grundstimmung. Der Kopfsatz, ein Allegro ma non troppo, etabliert eine zarte, aber eindringliche Traurigkeit. Der langsame Satz greift direkt die „Rosamunde“-Melodie auf und variiert sie kontemplativ. Das Menuett, ebenfalls an die Schauspielmusik angelehnt, ist ein Lamento in a-Moll, das die elegische Stimmung des Werkes verdichtet. Das Finale zeigt eine gewisse Rastlosigkeit, die das Quartett mit einer resignativen Note abschließt.
2. Streichquartett Nr. 14 d-Moll, D 810 („Der Tod und das Mädchen“) (1824): Als eines der intensivsten und populärsten Streichquartette der Musikgeschichte ist D 810 ein Zeugnis von Schuberts Auseinandersetzung mit dem Tod. Der Beiname rührt von der Verwendung des Themas aus Schuberts gleichnamigem Lied (D 531) im zweiten Satz her, einem eindringlichen Andante con moto in g-Moll, das als Variationensatz gestaltet ist. Das Quartett ist von dramatischer Energie und tragischer Ausdruckskraft durchdrungen. Der Kopfsatz, ein wuchtiges Allegro, schockiert mit seinen abrupten dynamischen Wechseln und seiner dissonanten Harmonik. Das Scherzo ist von dämonischer Vehemenz, während das Finale, ein Prestissimo-Tarantella, eine atemlose Jagd in den Abgrund darstellt. Die musikalische Sprache ist hier oft virtuos und aggressiv, mit einem kompromisslosen Ausdruck innerer Zerrissenheit.
3. Streichquartett Nr. 15 G-Dur, D 887 (1826): Schuberts letztes Streichquartett ist ein Werk von monumentalen Dimensionen und zukunftsweisender Struktur. Es ist das umfangreichste und vielleicht radikalste seiner Gattung, das die Grenzen des Streichquartetts zum sinfonischen ausweitet. Der erste Satz, ein Allegro molto moderato, beginnt mit einem dramatischen, alternierenden G-Dur/g-Moll-Akkord, der die gesamte Komposition durchzieht und für eine innovative Klangpalette sorgt. Schubert experimentiert hier mit plötzlichen Stimmungs- und Tonartwechseln, die dem Werk eine beinahe improvisatorische Qualität verleihen. Der langsame Satz ist von tiefem Ernst und expressiver Harmonie geprägt. Das Scherzo ist schroff und kraftvoll, sein Trio wiederum sanft und lyrisch. Das Finale, ein Allegro assai, ist ein virtuos-pulsierender Satz, der das Quartett mit einer Apotheose der Energie und des Kontrasts krönt. Die Behandlung der Instrumente ist oft orchestral und verlangt von den Ausführenden höchste technische und interpretatorische Fähigkeiten.