# Der Nussknacker
Einführung und Entstehung
Das Ballett „Der Nussknacker“ (russisch: Щелкунчик, *Schtschelkuntschik*), op. 71, ist eines der bekanntesten und meistaufgeführten Werke des russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840–1893). Es wurde am 17. Dezember 1892 im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg unter der musikalischen Leitung von Riccardo Drigo uraufgeführt. Das Libretto, ein Ballett-Féerie in zwei Akten und drei Bildern, stammt von Marius Petipa und basiert auf E. T. A. Hoffmanns 1816 veröffentlichter Erzählung „Nußknacker und Mausekönig“ in der Bearbeitung von Alexandre Dumas père („Histoire d’un casse-noisette“).
Tschaikowski erhielt den Auftrag für das Ballett gleichzeitig mit seiner Oper „Iolanta“ vom Direktor der Kaiserlichen Theater, Iwan Wsewoloschski. Obwohl er zunächst Bedenken wegen des märchenhaften Sujets und der knappen Zeit äußerte, gelang es ihm, eine Partitur von außergewöhnlicher Brillanz zu schaffen. Die ursprüngliche Choreografie sollte von Marius Petipa entwickelt werden; aufgrund einer Erkrankung Petipas wurde die Ausarbeitung jedoch weitgehend von seinem Assistenten Lew Iwanow übernommen, dessen Name heute untrennbar mit der Erstinszenierung verbunden ist.
Musikalische und Dramaturgische Struktur
„Der Nussknacker“ entführt das Publikum in eine Traumwelt, die am Weihnachtsabend im Hause des Stadtrates Stahlbaum (oder Silberhaus in einigen Versionen) ihren Anfang nimmt. Die junge Clara (manchmal auch Marie genannt) erhält von ihrem Patenonkel Drosselmeier einen Nussknacker. Dieser erwacht in ihrem Traum zum Leben, führt eine Armee von Spielzeugsoldaten gegen den Mäusekönig an und verwandelt sich nach dem Sieg in einen Prinzen. Gemeinsam reisen sie durch einen verzauberten Schneewald in das Land der Süßigkeiten, wo sie von der Zuckerfee und ihren Hofstaat empfangen und mit einer Reihe festlicher Tänze geehrt werden.
Tschaikowskis Musik ist von bemerkenswerter instrumentaler Meisterschaft und melodischem Reichtum geprägt. Besonders innovativ war der Einsatz der Celesta im „Tanz der Zuckerfee“, einem Instrument, das Tschaikowski kurz zuvor in Paris entdeckt hatte und dessen klingender Zauber perfekt die überirdische Atmosphäre des Feenreichs einfängt. Die Partitur ist eine Fülle unvergesslicher Melodien und rhythmischer Vielfalt, von der majestätischen „Blumenwalzer“ über den dramatischen „Kampf der Mäuse und des Nussknackers“ bis hin zu den charakteristischen Nationaltänzen im zweiten Akt – dem energiegeladenen „Russischen Tanz“ (Trepak), dem exotischen „Arabischen Tanz“, dem quirligen „Chinesischen Tanz“ und dem spielerischen „Tanz der Rohrflöten“. Die Overtüre, obgleich kurz, setzt bereits den Ton für die Leichtigkeit und den Glanz des kommenden Werkes.
Künstlerische Bedeutung und Rezeption
Die Uraufführung von „Der Nussknacker“ erhielt gemischte Kritiken; die Handlung wurde bisweilen als unzusammenhängend empfunden. Die Musik hingegen, insbesondere die aus dem Ballett extrahierte Suite, erlangte jedoch schnell enorme Popularität. Im Laufe des 20. Jahrhunderts etablierte sich das gesamte Ballett als ein unverzichtbarer Bestandteil des internationalen Ballettrepertoires und entwickelte sich insbesondere in der westlichen Welt zu einem festen Ritual der Weihnachtszeit.
Die anhaltende Anziehungskraft des „Nussknackers“ liegt in seiner universellen Botschaft von Kindheit, Fantasie und dem Sieg des Guten, verpackt in eine musikalisch und choreografisch meisterhafte Form. Es ist nicht nur ein Höhepunkt des romantischen Balletts, sondern auch ein Werk, das Generationen von Zuschauern und Tänzern gleichermaßen inspiriert hat. Tschaikowskis Genie manifestiert sich in der Fähigkeit, komplexe Emotionen und eine fantastische narrative Tiefe durch eine schillernde Orchestrierung und zeitlose Melodien zu vermitteln, die auch über ein Jahrhundert nach seiner Entstehung nichts von ihrer magischen Wirkung eingebüßt haben. Seine Bedeutung reicht weit über die Opernhäuser hinaus und hat unzählige Adaptionen in Film, Fernsehen und Populärkultur inspiriert, wodurch „Der Nussknacker“ zu einem wahren kulturellen Phänomen geworden ist.