The Siege of Rhodes

Leben des Schöpfers

Sir William Davenant (1606–1668), eine zentrale Figur des englischen Theaters und ein königlicher Poet Laureate, ist untrennbar mit der Entstehung von „The Siege of Rhodes“ verbunden. Geboren in Oxford, erlebte Davenant die turbulenten Zeiten des englischen Bürgerkriegs und der Commonwealth-Ära, in denen öffentliche Theateraufführungen streng verboten waren. Als überzeugter Royalist und begabter Dramatiker suchte er nach Wegen, das Theater trotz der puritanischen Restriktionen wiederzubeleben. Seine innovative Strategie bestand darin, Aufführungen als „moralische Unterhaltung“ mit Musik zu deklarieren, um die Verbote zu umgehen. Diese List ermöglichte die Schaffung von „The Siege of Rhodes“, einem Werk, das die Grenzen dessen verschob, was unter der Commonwealth-Regierung erlaubt war, und den Grundstein für die englische Oper legte.

Das Werk

„The Siege of Rhodes“ wurde 1656 im Rutland House in London uraufgeführt und stellt einen epochalen Meilenstein in der Geschichte der englischen Musik und des Theaters dar. Davenant schrieb nicht nur das Libretto, sondern konzipierte auch das gesamte Werk als eine „Representation by the way of Instruction and moral Entertainment“, um es von einem verbotenen „Play“ abzugrenzen. Die Musik, die eine entscheidende Rolle spielte, wurde von einem Kollektiv angesehener Komponisten der Zeit beigesteuert: Matthew Locke, Henry Cooke, George Hudson und Charles Coleman. Diese Zusammenarbeit unterstreicht die experimentelle Natur des Projekts und die Suche nach einem neuen musikalisch-dramatischen Idiom.

Das Werk ist in fünf „Entries“ (Eintritte oder Akte) unterteilt und erzählt eine fiktionalisierte Version der osmanischen Belagerung von Rhodos im Jahr 1522. Die Handlung konzentriert sich auf die tapfere Verteidigung der Insel durch die Johanniter und eine komplexe romantische Nebenhandlung, die Ianthe, die Gemahlin des englischen Generals Solyman (der tatsächlich der türkische Sultan Suleiman ist), und den Großmeister der Ritter involviert. Es ist ein Drama von Ehre, Pflicht und verbotener Liebe vor dem Hintergrund eines existenziellen Konflikts.

Technisch war „The Siege of Rhodes“ revolutionär: Es führte Rezitativ und Arie in die englische Bühnenpraxis ein – Elemente, die aus der italienischen Oper übernommen wurden. Darüber hinaus zeichnete sich die Produktion durch aufwendige und innovative Bühnenbilder aus, die von John Webb entworfen wurden. Diese Kulissen, die erstmals in England Perspektivmalerei und komplexe Maschinen nutzten, waren ein wesentlicher Bestandteil des Spektakels und trugen maßgeblich zur Faszination des Publikums bei. Nach der Restauration der Monarchie im Jahr 1660 wurde das Werk erweitert und in zwei Teilen noch opulenter aufgeführt (1661 und 1663), was seinen anhaltenden Erfolg und seine Bedeutung unterstrich.

Bedeutung

Die Bedeutung von „The Siege of Rhodes“ ist kaum zu überschätzen. Es gilt weithin als die erste englische Oper oder zumindest als das erste dramatische Werk in England, das vollständig im Rezitativ und Gesang aufgeführt wurde und somit die Strukturen der italienischen Oper aufgriff. Davenants geniale Umgehung der Theaterverbote, indem er das Werk als „moralische Unterhaltung“ tarnte, war ein Akt der kulturellen Resilienz und ebnete den Weg für die Wiederbelebung des Theaters in England.

Das Werk hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf die Entwicklung des Restoration Dramas und der späteren Semi-Opern. Es etablierte den Geschmack für aufwendige Spektakel, musikalische Elemente und innovative Bühnentechnik auf der englischen Bühne. Die Einführung von Rezitativ und Arie, wenn auch in einer adaptierten Form, legte den Grundstein für eine eigenständige englische Operntradition, die später in Werken von Henry Purcell ihren Höhepunkt finden sollte. „The Siege of Rhodes“ ist somit nicht nur ein Zeugnis der künstlerischen Innovationskraft einer schwierigen Epoche, sondern ein fundamentales Dokument der englischen Musik- und Theatergeschichte, das die Weichen für die Zukunft stellte.