# Adam Krieger: Arien (1657) und Neue Arien (1667)

Leben und Entstehung

Adam Krieger (1634–1666) war eine Schlüsselfigur in der deutschen Musik des Barock, dessen kurzes Leben eine bemerkenswerte musikalische Entwicklung bezeugte. Nach Studien in Leipzig, wo er von Johann Rosenmüller unterrichtet wurde und Organist der Nikolaikirche war, wirkte er am Hof von Herzog August dem Jüngeren in Wolfenbüttel und zuletzt am dänischen Hof in Kopenhagen. Krieger, der auch ein versierter Dichter war, prägte das deutsche weltliche Lied maßgeblich in einer Zeit des kulturellen Wiederaufbaus nach dem Dreißigjährigen Krieg, die eine intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache und ihrer musikalischen Umsetzung sah.

Seine erste bedeutende Sammlung, die „Arien“ (Leipzig 1657), enthielt 32 Lieder und legte den Grundstein für seinen Ruf. Die noch umfassendere posthume Sammlung, die „Neue Arien“ (Leipzig 1667), herausgegeben von den Gebrüdern Johann und Georg Christian Scheffler (darunter der Mystiker Angelus Silesius), versammelte 60 Lieder. Viele der Texte stammten von Krieger selbst oder aus seinem literarischen Kreis, insbesondere von Philipp von Zesen. Diese Publikationen entstanden in einem Klima, in dem die Pflege der deutschen Sprache und Literatur, auch angeregt durch Sprachgesellschaften wie die Fruchtbringende Gesellschaft, von großer Bedeutung war. Die „Neue Arien“ sind daher nicht nur ein musikalisches, sondern auch ein literarisches Zeugnis ihrer Zeit.

Werk und musikalische Eigenschaften

Kriegers Arien sind typische Beispiele für das Sololied mit Basso continuo, eine Gattung, die sich im Frühbarock unter italienischem Einfluss etablierte. Die Stücke sind für eine Singstimme und Generalbassbesetzung konzipiert, wobei oft, aber nicht immer, weitere obligate Instrumentalstimmen (z.B. für Violinen oder Gamben) vorgesehen oder ad libitum spielbar sind. Dies verleiht vielen Arien eine kammermusikalische Fülle, die über die reine Liedbegleitung hinausgeht.

Die zentralen musikalischen Eigenschaften sind:

  • Deutsche Textvertonung: Krieger legte größten Wert auf die Ausdruckskraft und Verständlichkeit der deutschen Sprache. Seine Kompositionen zeichnen sich durch eine präzise Textdeklamation und eine feine Abbildung der Affekte aus, die den emotionalen Gehalt der Gedichte musikalisch widerspiegelt.
  • Melodische Klarheit und sangliche Qualität: Die Melodien sind eingängig, fließend und klar strukturiert. Sie vereinen volksliedhafte Einfachheit mit barocker Eleganz und waren so populär, dass viele Arien in den Volksmund übergingen.
  • Formale Vielfalt: Obwohl viele Arien strophisch angelegt sind, zeigen sie doch eine bemerkenswerte Variation in der musikalischen Gestaltung der einzelnen Strophen. Krieger experimentierte mit Ritornell-Strukturen und einem flexiblen Umgang mit der Form, was den Arien eine gewisse Komplexität und Dramatik verleiht, die über einfache Strophenlieder hinausgeht.
  • Italienische Einflüsse: Krieger verarbeitete Elemente der italienischen Monodie und des Cantatastils, integrierte jedoch diese Einflüsse nahtlos in einen originären deutschen Ausdruck. Die virtuosen Elemente der Vokalpartien sind stets dem Textdienst untergeordnet.
  • Historische Bedeutung

    Die Arien-Sammlungen von Adam Krieger sind von immenser historischer Bedeutung für die Entwicklung des deutschen Liedes und der weltlichen Vokalmusik. Sie sind ein Höhepunkt der Zweiten Norddeutschen Liederschule und stellen eine Brücke zwischen den Werken eines Heinrich Albert und späteren barocken Liedtraditionen dar. Seine Fähigkeit, anspruchsvolle Poesie mit einer musikalischen Sprache zu verbinden, die sowohl kunstvoll als auch zugänglich war, machte ihn zu einem Vorbild für nachfolgende Komponistengenerationen.

    Krieger demonstrierte eindrucksvoll das Potenzial der deutschen Sprache für die Kunstmusik und trug maßgeblich zur Etablierung eines spezifisch deutschen Stils im weltlichen Gesang bei. Seine Arien waren weit verbreitet und prägten den musikalischen Geschmack der Zeit. Sie sind nicht nur Zeugnisse barocker Klangkunst, sondern auch Dokumente eines kulturellen Selbstverständnisses, das nach Krieg und Zerstörung die eigene Sprache und Kunstform wieder in den Mittelpunkt rückte. Als frühe Meisterwerke des deutschen Sololiedes bilden sie eine unverzichtbare Referenz für das Verständnis der vokalen Barockmusik in Mitteleuropa.