Die Suite (frz. *suite*, Abfolge, Reihe) bezeichnet in der Musik eine Komposition, die aus einer Reihe von Einzelstücken, Sätzen oder Tänzen besteht, die in der Regel durch eine gemeinsame Tonart verbunden sind. Ihre Blütezeit erlebte sie in der Barockzeit, wo sie als eine der zentralen Instrumentalformen neben dem Concerto und der Sonate etabliert war.
Historische Entwicklung (Leben)
Die Ursprünge der Suite reichen bis in die Renaissance zurück, wo Paare von Tänzen unterschiedlichen Charakters (z.B. Pavane und Gaillarde) zusammengefügt wurden. Diese frühen Formen waren noch stark an der praktischen Tanzbarkeit orientiert.Die eigentliche Entwicklung zur kunstvollen Konzertsuite setzte im 17. Jahrhundert ein. Komponisten wie Johann Jacob Froberger trugen maßgeblich zur Standardisierung der Satzfolge bei, indem sie eine Reihe von Tänzen kanonisierten, die nicht mehr primär zum Tanzen, sondern zum Zuhören gedacht waren. Die deutsche Barocksuite, deren prominentester Vertreter Johann Sebastian Bach ist, etablierte eine feste Reihenfolge der Kernsätze:
1. Allemande: Ein mittelschneller Tanz im 4/4-Takt, oft mit Auftakt und durchgehenden Achtelbewegungen. 2. Courante: Ein schneller Tanz, entweder im 3/2- oder 3/4-Takt (französische Courante, oft komplexer rhythmisch) oder im 3/8-Takt (italienische Corrente, flüssiger). 3. Sarabande: Ein langsamer, feierlicher Tanz im 3/4-Takt, charakterisiert durch eine betonte zweite Zählzeit. 4. Gigue: Ein schneller, virtuoser Tanz, meist im 6/8-, 9/8- oder 12/8-Takt, oft fugiert oder kontrapunktisch gestaltet.
Diese Kernsätze wurden häufig durch einleitende Sätze wie ein Präludium, eine Ouvertüre oder eine Toccata ergänzt. Zwischen Sarabande und Gigue konnten zudem weitere Sätze, sogenannte *Galantérien* oder *Intermezzi*, eingefügt werden. Dazu gehörten Tänze wie Menuett, Gavotte, Bourrée, Passepied, Loure oder Air.
Neben der deutschen Ausprägung gab es die französische *Ordre* (z.B. bei François Couperin), die weniger eine feste Satzfolge als vielmehr eine freie Sammlung von oft charakteristischen oder programmatisch betitelten Stücken in der gleichen Tonart darstellte. Im England des 17. Jahrhunderts entwickelten sich ebenfalls eigene Suitenformen.
Nach der Barockzeit verlor die Suite als dominante zyklische Instrumentalform an Bedeutung und wurde von der Sonate und der Sinfonie abgelöst. Das Prinzip der Reihung von Charakterstücken lebte jedoch im 19. Jahrhundert in neuen Formen auf. Im 20. Jahrhundert erlebte die Suite eine Renaissance, oft als Sammlung von Auszügen aus Ballett-, Opern- oder Schauspielmusiken (z.B. Tschaikowskys *Nussknacker-Suite*, Griegs *Peer-Gynt-Suite*) oder als freie Folge von Stücken, die stilistisch an ältere Formen anknüpften oder neoklassizistische Züge trugen (z.B. Schönbergs *Suite für Klavier* op. 25).
Struktur und Form (Werk)
Die Struktur einer Suite ist in ihrer Barockausprägung durch die Reihung von Tänzen bestimmt, die fast ausnahmslos in der zweiteiligen Liedform (AABB) gehalten sind. Jeder Teil wird dabei wiederholt. Die Einheit der Suite wird primär durch die gemeinsame Grundtonart gewährleistet, obwohl gelegentlich modale oder tonale Ausweichungen innerhalb einzelner Sätze vorkommen können.Komponisten wie Bach zeigten in ihren Suiten (z.B. den Englischen, Französischen und den Cello-Suiten) eine bemerkenswerte Vielfalt und Perfektionierung dieser Form, indem sie sowohl die Tänze selbst als auch ihre Verknüpfung zu kunstvollen Zyklen erhoben.