# Mozart: 'O temerario Arbace' – 'Per quel paterno amplesso', Rezitativ und Arie für Sopran, KV 79 (73d)

Leben und Entstehung

Das Rezitativ und die Arie 'O temerario Arbace' – 'Per quel paterno amplesso' (KV 79, früher auch als KV 73d katalogisiert) gehören zu den frühen Zeugnissen von Wolfgang Amadeus Mozarts genialer Fähigkeit, dramatische Vokalmusik zu komponieren. Entstanden ist dieses Werk höchstwahrscheinlich während Mozarts erster ausgedehnter Italienreise in den Jahren 1769 bis 1771, als er gerade einmal 14 Jahre alt war. Diese Reise war entscheidend für seine musikalische Entwicklung, da er sich intensiv mit dem italienischen Opernstil, insbesondere der *Opera seria* und den Konzertarien, auseinandersetzte. Es handelt sich um eine sogenannte Einlege- oder Konzertarie, die nicht Teil eines spezifischen Opernwerkes ist, sondern als eigenständiges Stück für einen bestimmten Sänger oder eine bestimmte Gelegenheit komponiert wurde. Der Text stammt aus Pietro Metastasios Drama *Demofoonte* (dritter Akt, vierte Szene) und wird dort von der Figur Timante gesungen, obwohl die Arie häufig für eine Sopranistin – gelegentlich als 'Aria di Damira' – adaptiert wurde.

Werk und Eigenschaften

Das Stück ist in der typischen Form des spätbarocken und frühklassischen Solokonzerts angelegt: einem Rezitativ, gefolgt von einer Da-capo-Arie.

Rezitativ: 'O temerario Arbace'

Das Rezitativ ist ein Rezitativo accompagnato, das heißt, es wird vom Orchester begleitet, im Gegensatz zum schlichteren Rezitativo secco mit Generalbassbegleitung. Dies ermöglicht eine tiefere emotionale und dramatische Ausgestaltung des Textes. Der Sopran fordert mit energischen Phrasen den im Text angesprochenen Arbace heraus und drückt eine Mischung aus Verzweiflung, Anschuldigung und dem verzweifelten Wunsch nach Gerechtigkeit aus. Mozarts musikalische Sprache unterstreicht die dramatischen Wendungen und inneren Konflikte der Figur.

Arie: 'Per quel paterno amplesso'

Die folgende Arie in Es-Dur ist ein Paradebeispiel für die *Aria di bravura*, die sowohl lyrischen Ausdruck als auch technische Brillanz von der Sängerin verlangt. Die Arie folgt der Da-capo-Form (ABA'):
  • A-Teil: Beginnt mit einem 'Andante grazioso', der eine anmutige und zugleich eindringliche Melodie entfaltet. Die Bitte um väterliche Umarmung ('Per quel paterno amplesso') wird mit warmen, kantablen Linien und eleganten Koloraturen vorgetragen. Mozart nutzt die Streicher und Bläser (Oboen, Hörner), um die vokale Linie zu umrahmen und die emotionale Tiefe zu verstärken. Die weitgespannten melodischen Bögen und die virtuosen Verzierungen zeugen von Mozarts frühem Verständnis für die menschliche Stimme und ihre Ausdrucksmöglichkeiten.
  • B-Teil: Dieser Mittelteil kontrastiert oft in Tonart (hier c-Moll) und Charakter, indem er eine tiefere emotionale oder reflektierende Ebene berührt. Er ist oft dramatischer oder intimer gestaltet und dient dazu, einen anderen Aspekt des Textes oder der Gefühlslage hervorzuheben, bevor die musikalische und emotionale Spannung zurück zum A-Teil führt.
  • Da Capo: Die Wiederholung des A-Teils ermöglicht der Sängerin, ihre virtuosen Fähigkeiten durch zusätzliche, oft improvisierte Verzierungen zu demonstrieren, die über die ursprüngliche Komposition hinausgehen und dem Stück eine persönliche Note verleihen.
  • Die Instrumentation mit Oboen, Hörnern und Streichern ist typisch für die Zeit und zeigt, wie Mozart bereits in jungen Jahren die Klangfarben des Orchesters geschickt einzusetzen wusste, um die Solostimme zu unterstützen und zu bereichern.

    Bedeutung

    'O temerario Arbace' – 'Per quel paterno amplesso' ist ein faszinierendes Dokument von Mozarts frühem Genie. Es demonstriert seine erstaunliche Fähigkeit, den komplexen Anforderungen der italienischen *Opera seria* gerecht zu werden und emotionale Tiefe mit vokaler Virtuosität zu verbinden. Obwohl eine Jugendkomposition, übertrifft sie in ihrer Qualität und Ausdruckskraft viele Werke zeitgenössischer Komponisten. Die Arie ist ein wichtiges Bindeglied in Mozarts Entwicklung als Opern- und Vokalmusikkomponist und lässt bereits die Meisterschaft erahnen, die er in seinen späteren großen Opern und Konzertarien entfalten sollte. Sie ist ein wertvolles Stück in der Diskographie jedes Soprans und ein beliebtes Werk in Konzerten, das die Zeitlosigkeit und den Reiz von Mozarts musikalischem Erbe unterstreicht.