# W. A. Mozart: O du eselhafter Peierl (Kanon, KV 559)

Der Kanon „O du eselhafter Peierl“ (KV 559), komponiert von Wolfgang Amadeus Mozart, gehört zu einer Reihe von musikalischen Scherzen und Gesellschaftsstücken, die ein faszinierendes, oft übersehenes Licht auf die vielschichtige Persönlichkeit des Komponisten werfen. Als dreistimmiger Kanon zeichnet er sich durch seine musikalische Schlichtheit und seinen berühmt-berüchtigten, derben Text aus.

Leben und Entstehungskontext

Wolfgang Amadeus Mozart komponierte „O du eselhafter Peierl“ um das Jahr 1787 in Wien, einer Zeit intensiver kreativer Aktivität, in der auch Meisterwerke wie *Don Giovanni* und *Eine kleine Nachtmusik* entstanden. Dieser Kanon ist Teil einer Gruppe von zehn Canons (KV 553–562), die Mozart primär für den privaten Gebrauch im Freundeskreis oder innerhalb seiner Freimaurerloge schuf. Diese Werke dienten der geselligen Unterhaltung und waren oft für Laien stimmlich leicht zugänglich.

Der Text zu „O du eselhafter Peierl“ wird allgemein Mozart selbst zugeschrieben und offenbart seine Vorliebe für Wortspiele und derben, mitunter obszönen Humor, der auch in seinen privaten Briefen zum Ausdruck kommt. Die Figur des „Peierl“ wird von der Forschung mehrheitlich mit Ignaz von Born (1742–1791) identifiziert. Born war ein herausragender Wissenschaftler, Mineraloge und Direktor der k. k. Naturalien-Cabinete in Wien sowie eine Schlüsselfigur in der Wiener Freimaurerei, dessen Loge „Zur wahren Eintracht“ Mozart selbst angehörte. Die Anrede „eselhafter Peierl“ deutet auf einen liebevollen, aber spöttischen Insiderwitz hin, der unter engen Vertrauten zirkulierte und Borns intellektueller Statur keineswegs abträglich war, sondern die Vertrautheit der Beziehung unterstrich.

Werkbeschreibung und Musikalische Analyse

Als dreistimmiger Kanon ist KV 559 musikalisch einfach und funktional gehalten. Die Melodielinie ist kantabel und rhythmisch klar strukturiert, was eine leichte Einstudierung und Darbietung ermöglicht. Dies entspricht der Gattungskonvention des Kanons als Form der musikalischen *Tafelmusik* oder des geselligen Liedes. Die Harmonisierung ergibt sich aus der kanonischen Imitation und ist unkompliziert, wobei der Fokus weniger auf komplexer polyphoner Kunstfertigkeit als vielmehr auf der Wirkung des Textes liegt.

Der berüchtigte Text des KV 559 lautet: „O du eselhafter Peierl! O du dummer Peierl! Du bist ein Peierl! O lieber Augustin, Leck mir den Arsch fein rein!“ Diese Zeilen, insbesondere die obszöne Aufforderung, sind das Kernstück der Provokation und des Humors des Stücks. Sie verweisen auf den sogenannten „Fäkalhumor“, der im 18. Jahrhundert in privaten Kreisen nicht unüblich war und in Mozarts Schaffen immer wieder aufblitzt. Der Kanon ist kurz, prägnant und seine musikalische Struktur dient lediglich als Träger für die textliche Pointe. Oftmals wird KV 559 im Kontext von KV 560a („Lass uns froh sein“) oder KV 561 („Bona nox! bist a rechter Ochs“) betrachtet, die ähnliche Charakteristika aufweisen und die Breite von Mozarts kanonischem Schaffen illustrieren.

Bedeutung und Rezeption

Die Bedeutung von „O du eselhafter Peierl“ liegt vor allem in seiner Funktion als Zeugnis der vielschichtigen Persönlichkeit Mozarts. Es widerlegt die oft idealisierte Vorstellung des „göttlichen“ Komponisten und zeigt ihn als einen Menschen mit all seinen Facetten: spielerisch, humorvoll und in privatem Rahmen auch derb und unkonventionell. Der Kanon ist ein authentischer Beleg für die lockere und unverkrampfte Art, wie Mozart mit Freunden und Vertrauten umging, und bestätigt die Anekdoten und Briefzeugnisse über seinen Fäkalhumor.

Obwohl der Kanon aufgrund seines Textes oft aus öffentlichen Aufführungen und Sammlungen ferngehalten oder zensiert wurde, ist er für Musikwissenschaftler und Liebhaber von unschätzbarem Wert. Er bietet Einblicke in die sozialen Konventionen und die Formen des Humors der späten Aufklärung in Wien. Er beweist, dass Mozarts Genie sich nicht nur in erhabenen Opern und Symphonien manifestierte, sondern auch in kleinen, intimen Werken, die die menschliche Seite eines der größten Komponisten aller Zeiten beleuchten. „O du eselhafter Peierl“ ist somit nicht nur eine musikalische Fußnote, sondern ein wichtiges Puzzlestück zum vollständigen Verständnis der Künstlerpersönlichkeit Wolfgang Amadeus Mozarts.