Leben und Entstehung

Die Aria concertante „Per questa bella mano“, KV 612, entstand im März 1791, nur wenige Monate vor Wolfgang Amadeus Mozarts Tod. Sie wurde für den Wiener Hofrat Ignaz von Jacquin komponiert, der selbst ein Amateurmusiker war und möglicherweise den Auftrag gab, um den begabten Bassisten Franz Xaver Gerl zu ehren, den Schwager seines Freundes Emanuel Schikaneder. Gerl, der später als erster Papageno in Mozarts „Die Zauberflöte“ Triumphe feiern sollte, war bekannt für seine beeindruckende Stimmkraft und sein technisches Können. Die Entstehung dieses Werkes in Mozarts letztem Lebensjahr unterstreicht seine fortwährende kompositorische Kreativität und Experimentierfreude, selbst in einer Zeit persönlicher Herausforderungen und der Arbeit an bedeutenden Werken wie der „Zauberflöte“ und dem Requiem.

Werk und Eigenschaften

Musikalisch ist „Per questa bella mano“ in D-Dur gehalten und zeichnet sich durch seine lyrische Melodik und doch anspruchsvolle Virtuosität aus. Der italienische Text, dessen Urheber unbekannt ist – möglicherweise von Jacquin selbst verfasst –, drückt schwärmerische Bewunderung und Hingabe aus, beginnend mit den Zeilen „Per questa bella mano / Che il cielo a noi donò“ (Für diese schöne Hand / Die der Himmel uns gab). Die Bassstimme wird mit weit gespannten Bögen, ausdrucksvollen Phrasierungen und gelegentlichen Koloraturen gefordert, die einen flexiblen und technisch versierten Sänger voraussetzen. Der Stimmumfang erstreckt sich von tiefen bis zu hohen Lagen, was die gesamte Bandbreite des Bassregisters ausnutzt.

Das zentrale und wohl ungewöhnlichste Merkmal ist jedoch der obligate Kontrabass. Dieser Part ist weit mehr als eine Begleitung; er agiert als gleichberechtigter Solist, verlangt höchste Virtuosität, Agilität und einen reichen Klang vom Instrumentalisten. Melodisch führt der Kontrabass oft eigenständige Linien, beteiligt sich an dialogischen Passagen mit der Singstimme und demonstriert die bis dahin kaum ausgeschöpften Möglichkeiten des Instruments in einer Solofunktion. Die Orchesterbegleitung ist sparsam und kammermusikalisch gehalten, um die Intimität und den Dialog zwischen Stimme und Kontrabass zu betonen, und umfasst neben den Streichern auch Flöten, Oboen, Fagotte und Hörner, die subtile harmonische und klangliche Akzente setzen.

Bedeutung

„Per questa bella mano“ nimmt einen besonderen Platz im Oeuvre Mozarts und in der Musikgeschichte ein. Es ist eines der ganz wenigen Werke, die einen obligaten Kontrabass in dieser prominenten Solistenrolle featuren, und hat damit maßgeblich zur Entwicklung des Solorepertoires für dieses Instrument beigetragen. Als virtuoses Doppelkonzert für Stimme und Kontrabass stellt es extreme Anforderungen an beide Interpreten und bleibt eine beliebte Herausforderung für Bassisten und Kontrabassisten weltweit, die ihre technische Meisterschaft und musikalische Ausdruckskraft unter Beweis stellen möchten.

Das Stück zeugt von Mozarts Fähigkeit, selbst in einem so ungewöhnlichen Kontext ein Werk von höchster musikalischer Qualität und Ausdruckskraft zu schaffen. Es ist ein faszinierendes Dokument seiner Spätzeit, das seine Meisterschaft in der Vokal- und Instrumentalbehandlung eindrucksvoll unter Beweis stellt und seine Wertschätzung für außergewöhnliche musikalische Talente, wie das von Franz Xaver Gerl, reflektiert. Seine kompositorische Tiefe und instrumentale Innovation machen es zu einem zeitlosen Meisterwerk.