Johann Sebastian Bach – Kantate BWV 43, 'Gott fähret auf mit Jauchzen'

Einleitung Die vom Anfragenden genannte Beschreibung „als vierzig Tag nach Ostern war“ verweist präzise auf den Himmelfahrtstag (Christi Himmelfahrt), welcher traditionsgemäß am 40. Tag nach Ostern gefeiert wird. Johann Sebastian Bach vertonte diesen hohen Feiertag mit seiner Kantate BWV 43, „Gott fähret auf mit Jauchzen“, einem Werk, das in seiner Brillanz und Festlichkeit einzigartig ist und die theologische Bedeutung des Ereignisses musikalisch glorifiziert.

Leben und Entstehung Bach komponierte diese Kantate für den Himmelfahrtstag 1726, als Teil seines dritten Leipziger Kantatenjahrgangs. Die Erstaufführung fand am 18. Mai 1726 in der Nikolaikirche zu Leipzig statt. Der Textdichter ist unbekannt, wird aber aufgrund stilistischer Merkmale oft dem Kreis um Christian Friedrich Henrici (Picander) zugerechnet. Der Text basiert auf den biblischen Lesungen für diesen Tag: dem Evangelium nach Markus (Mk 16,19) über die Himmelfahrt Christi und der Apostelgeschichte (Apg 1,1–11) sowie dem Psalm 47, Vers 6-7 (Lutherübersetzung: „Gott fähret auf mit Jauchzen und der Herr mit heller Posaune“), welcher den Kern des Eingangschores bildet. Diese theologische Verankerung prägt den festlichen und zugleich erhabenen Charakter des Werkes.

Werk und Eigenschaften BWV 43 ist eine großangelegte Kantate, die in neun Sätzen gegliedert und in zwei Teile unterteilt ist, welche vor und nach der Predigt aufgeführt wurden. Die Besetzung ist prächtig: vier Solisten (Sopran, Alt, Tenor, Bass), vierstimmiger Chor, drei Trompeten, Pauken, zwei Oboen, zwei Violinen, Viola und Basso continuo. Die festliche Blechbläserbesetzung unterstreicht den triumphalen Anlass.

  • Teil I (Sätze 1-5): Feiert die Himmelfahrt Christi selbst.
  • * Der monumentale Eröffnungschor „Gott fähret auf mit Jauchzen“ ist einer der strahlendsten und komplexesten von Bach. Er beginnt mit majestätischen Trompetenfanfaren und entwickelt sich zu einer polyphonen Fuge, die die Freude und den Triumph des Aufstiegs Christi in den Himmel musikalisch abbildet. Der Eingangschor zählt zu den populärsten und zugänglichsten Chorsätzen Bachs. * Die nachfolgenden Arien und Rezitative variieren in Ausdruck und Stimmung, von der nachdenklichen Bass-Arie „Man halte nur dem Herren fest“ bis zur virtuosen Tenor-Arie „Ja tausend mal tausend“ mit obligater Trompete, die den Jubel über die himmlische Herrschaft Christi hervorhebt. * Der erste Teil schließt mit einem schlichten, aber würdevollen Choral „Du Lebensfürst, Herr Jesu Christ“, der die Gemeinde in das Lob einbindet.
  • Teil II (Sätze 6-9): Fokussiert auf die Auswirkungen der Himmelfahrt für die Gläubigen und die Erwartung der Wiederkunft Christi.
  • * Die Sopran-Arie „Ich sehe schon im Geist“ ist ein lyrisches Glanzstück, das die visionäre Hoffnung auf die Wiederkunft Christi thematisiert. * Der abschließende Schlusschoral „Den Himmel und die Erden muss“ (aus dem Gesangbuch von Johann Anastasius Freylinghausen) rundet das Werk ab und bekräftigt den Glauben an Christi himmlische Herrschaft und sein kommendes Gericht.

    Bedeutung BWV 43 ist ein herausragendes Beispiel für Bachs Meisterschaft in der Gattung der Festkantate. Sie verbindet theologische Tiefe mit musikalischer Pracht und illustriert die biblische Botschaft nicht nur, sondern emotionalisiert und intensiviert sie. Die Kantate ist ein musikalisches Lehrstück über die barocke Affektenlehre und die Kunst, Text und Musik zu einer untrennbaren Einheit zu verschmelzen. Ihre reiche Instrumentierung, die brillante Chormusik und die anspruchsvollen Arien machen sie zu einem Höhepunkt im Bachschen Kantatenschaffen. Auch heute noch ist sie ein beliebtes Werk, das die Freude und den Trost der Himmelfahrtsbotschaft eindrucksvoll vermittelt und Bachs unsterblichen Beitrag zur geistlichen Musik unterstreicht.